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Pamir Highway – Durch das Wakhan Valley

In Kalai Khumb treffen wir endlich auf den Pandsch Fluss und können unseren ersten Blick nach Afghanistan werfen.  Das vom Krieg gebeutelte Land zeigt hier nichts von den Problemen.

Die Afghanen, die am Fluss leben, baden im Fluss, bestellen ihre Felder und winken uns freundlich zu. Der Schein kann aber trüben, denn immer wieder kommt es zu Schusswechseln zwischen dem Tajikischen Militär und afghanischen Drogenschmugglern. Außerdem gibt es derzeit verstärkte Kampfhandlungen im Großraum Faizabad in Afghanistan. Falls die Sicherheitslage in Tadschiistan jedoch bedenklich ist, stellt die Regierung temporär keine GBAO Permits aus. Das Permit wird benötigt um den Pamir Highway zu bereisen und kann mit dem E-Visa gemeinsam beantragt werden.

Bevor wir weiterfahren statten wir Beate und Philipp einen Besuch ab. Beate hat es noch deutlich stärker erwischt als mich. Die beiden hängen dadurch in Kalai Khumb fest. Wir teilen etwas Tee mit den beiden und hoffen mit ihnen, dass sie bald weiter radeln können.

Wir informieren uns zusätzlich vor Ort bei den Militär Checkpoints, ob wir irgendwelche Gebiete meiden sollten. Die Jungs winken aber ab und befinden die Region für sicher. Es sei nur in Afghanistan gefährlich, am Fluss entlang soll es derzeit sicher sein, versichern sie uns.

Das Afghanistan Visum könnten wir in Khorog bekommen. Wir streichen das jedoch von der Liste. Afghanistan bereisen wir ein andermal, wenn es die Sicherheitslage laut unserer Einschätzung erlaubt. Wir treffen einige Reisende, die auf afghanischer Seite trekken gehen oder sich die Grenzstadt ansehen. Uns ist das derzeit zu heiß.

Für uns beginnt der Weg an der Afghanischen Grenze entlang. Die Straßen sind weiterhin ziemlich miserabel. Es macht aber Spaß zu beobachten, was auf der anderen Seite so passiert. Die Wege auf afghanischer Seite sind oftmals noch deutlich rudimentärer als auf tadschikischer Seite. Hier wird noch per Hand mit dem großen Presslufthammer die Straße verbreitert. Der tosende, braune Fluss Pandsch bleibt immer zu unserer Rechten Seite.

Erst kurz vor Khorog wird das Tal das erste Mal sehr breit und der Fluss schlagartig ruhig. In Khorog müssen wir unser „Auto-Visa“ verlängern. Die Einfuhr von Calimero ist nur für 15 Tage gültig. Davon sind nur noch drei übrig. An der offiziellen Stelle angekommen, haben die Beamten gerade Mittagspause. Der Chef verlässt gerade das Gelände und schreibt uns freundlicherweise Name sowie Nummer des verantwortlichen Beamten auf.

So Nutzen wir die Zeit in Khorog um indisch essen zu gehen. Wir verabreden uns mit Ciaran (Kiran), der kurz nach uns in Khorog mit dem Rad eintrifft. Das Indisch-Essen ist eine Wucht. Vor allem das Knoblauchbrot ist wunderbar für meinen Körper, der nun seit 7 Tagen krank ist.

Nach einem großartigen Lunch für umgerechnet 6 Euro pro Person fahren wir zurück zur Grenzstation nach Afghanistan wo wir unsere Verlängerung bekommen sollen.

Der Herr, der dort im Unterhemd sitzt, sieht das leider anders. „You have time“ sagt er mir. „Everybody is too late. 5 days, 10 days – no problem“. Klasse, er will es nicht verlängern, da wir ja noch drei Tage Zeit haben und an der Grenze sowieso kein Hahn danach zu krähen scheint.

Ich frage freundlich nach ob er seine Meinung in einem kleinen Satz auf meinen Fahrzeug-Einfuhrpapieren vermerken kann. Er antwortet ganz einfach mit „no“. Auf genauerer Nachfrage, meint der Mitarbeiter, dass es viel zu kompliziert ist, die Verlängerung am Computer einzutippen. Nach mehrmaligen Nachbohren und auch einem Hilfsangebot, mit dem Computer zu helfen, gebe ich auf. Der Herr will partout nicht arbeiten. Er deutet an, dass er das für ein bisschen Geld vielleicht machen würde. Das ist allerdings ein No-Go für uns. Gott sei Dank hat sein Chef in der Mittagspause seine Daten aufgeschrieben. Mal sehen ob wir die bei Ausreise brauchen werden.

In Khorog zweigt nun die M41 vom Fluss ab und führt durch die Berge nach Murghab. Wir sagen der M41 für den Moment auf Wiedersehen und fahren nach Süden weiter.

Der Pandsch kurz vor Khorog

Das Wakhan Valley wartet auf uns.  Die Straßen sind manchmal OK, manchmal holprig, aber viel besser als der Weg von Dushanbe nach Khorog. Wir brettern nach Süden und biegen in Ischkaschim schlussendlich in das Wakhan Valley ab. Die Gegend scheint erstaunlich stark besiedelt zu sein. Allerdings leben im Verwaltungsdistrikt Wakhan nur 13.000 Menschen auf 11.422 Quadratkilometern. Es fühlt sich etwas mehr an, da alle Dörfer direkt an der einzigen Durchgangsstraße liegen. Die Straße schlängelt sich in adäquater Qualität durch das Wakhan Valley bis nach Langar.

Wir treffen auf dem Weg von Ishkashim nach Langar Quico (Kiko) aus Spanien. Auch er radelt durch das Wakhan Valley. Von ihm haben wir bereits in Deutschland gehört und sind überrascht ihn hier zu treffen. Er hat als Projekt zwei Fahrräder aufeinander geschweißt und fährt auf diesem Hochrad mit dem Ziel, Menschen zum Grinsen zu bringen.

Claudia, Quico und sein Hochrad
Wakhan Valley
Der Stellplatz mit Blick auf das Tal und Afghanistan au der anderen Seite

Wir lieben diese simple Mission und freuen uns umso mehr, als Quico es am Abend bis zu unserem Camp schafft, das wir mit Blick auf das Wakhan Valley zwischen zwei Dörfern aufgeschlagen haben. Wie es sich gehört, bieten wir ihm ein kaltes Bier an und bekommen im Gegenzug bei Sternenklarem Himmel vor dem Hindukusch eine Lektion Sternenkunde. Bisher konnten wir nicht viel mehr als den großen Wagen erkennen, jetzt wissen wir wie der Skorpion, das Kreuz des Nordens und einige Weitere Sternbilder aussehen. Es fehlt allerdings noch etwas Übung um die Sternbilder klarer zu erkennen. Wir bestaunen noch lange gemeinsam die Milchstraße, bis wir von der Kälte in die Schlafsäcke getrieben werden.

Unsere Wege trennen sich schnell wieder, denn jetzt kommt ein sehr schwieriger Aufstieg für die Radfahrer, die Calimero aber ohne jegliche Probleme mitmacht. Wir sind schnell auf 3.500 Höhenmetern und können den Grenzfluss, der sich unter uns in einem Canyon befindet, nur noch erahnen. Um uns zu akklimatisieren stoppen wir an einem unserer aller schönsten Stellplätze auf unserer bisherigen Tour. Am Morgen bekommen wir Besuch von zwei jungen Schäfermädels. Das erste mal seit langer Zeit sehen wir, dass mit den Schäferhunden geschmust wird. Uns freut das sehr, denn in vielen Ländern unserer bisherigen Reise wurden die Hunde als reine Nutztiere sehr schlecht behandelt und bei Annäherung zum Menschen mit Steinen beworfen.

Der Weg führt weiter am Grenzfluss entlang, der mittlerweile aber Pamir heißt und nicht mehr Pandsch. Wir sind teilweise so nah an Afghanistan dran, dass wir sprichwörtlich und tatsächlich einen Stein hinüberwerfen können.

Wakhan Valley
Da fliegt ein Stein nach Afghanistan!

Wir befinden uns auf einmal in einem breiten Tal wieder, in dem Kamele auf einer kleinen Insel zwischen Tadschikistan und Afghanistan als Grenzgänger zwischen den Ländern wandeln. Das erste mal auf unserer Reise sind es keine Dromedare sondern zweihöckrige Trampeltiere.  Einige Kilometer später erreichen wir die Militärbasis Kargush mit einem letzten Checkpoint an der Grenze.

Trampeltiere in Afhganistan
Wakhan Valley
Der obere Teil des Wakhan Valleys

Nach 523 Kilometern am Pandsch und Pamir Fluss entlang, verlassen wir nun die Grenze zu Afghanistan und fahren nach Norden, zurück zur M41 beziehungsweise dem Pamir Highway. Das Wakhan Valley hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Hoffentlich können wir irgendwann die andere Seite des Tals besuchen.

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5 comments

  1. Hallo Ihr,

    wieder sehr interessanter Post!
    Was haben denn die Mädchen im Gesicht?

    Liebe Grüße
    Beate

    1. Hallo Beate,
      Das ist eine Art Fett gegen die Sonne, sagten sie uns.

      Cheers,
      Bernd

      1. Danke!

        Dann ist ja gut! Ich hatte schon Sorge…sieht irgendwie schlimm aus.

        Weiter Gute Fahrt und liebe Grüße

        Beate

        P.S. Mein Mann möchte gerne wissen, wie Du so schnell antworten kannst…

        1. Danke dir! Du kannst deinem Mann sagen, dass wir nach einem ganzen Tag in der Werkstatt gerade bei Bier und Pizza in einem Hostel in Osh, Kirgisistan sitzen, und am Blog arbeiten 🙂

          Cheers,
          Bernd

  2. Okay!
    Ist schon sehr interessant, was Ihr alles erlebt; ich würde mich das nicht trauen…allein schon, wenn der Calimero wieder „muckert“.
    Gute Weiterreise und ohne Pannen wünscht
    Beate

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