ArmenienWeltreise Tagebuch

Das armenische Paradies in Goght

Wir finden einen Stellplatz in einem trockenen Bachbett, optimal ist anders, aber wir sind müde. Mit nur einem Zug, schaffen wir es auch wieder raus, falls das ein Problem wird.

Das Problem zieht auch schnell auf. Von Osten schiebt sich eine gewaltige Gewitterfront direkt auf uns zu. Wir sind ganz froh um unseren Stellplatz in der Kuhle des Bachbettes, denn sonst wären wir wie auf einem Präsentierteller für den Gewittersturm.

Gewitter Armenien
Das Gewitter zieht auf!

Das trockene Bachbett verwandelt sich schnell in ein nasses Bachbett. Wir beobachten den Wasserstand durchgehend, aber obwohl der Regen immer stärker wird, bleibt der Bach konstant hoch. Gut!

Camping Bachbett
Campe niemals im Bachbett! KLAR!

Der Sturm wird immer stärker, der Regen ebenso. Das Gewitter zieht näher. Wenn man zwischen Blitz und Donner keine Millisekunden mehr zählen kann, dann weiß man, dass man mitten drin statt nur dabei ist.

Wir stehen das ganz gut durch, doch plötzlich hören wir neue Geräusche. Salven von Schnellfeuergewehren sind klar und deutlich hörbar. Sie erklingen aus zwei unterschiedlichen Entfernungen, beides östlich von uns. Östlich von uns liegt die Armenisch-Türkische Grenze. Wir sind etwas besorgt, sind uns aber dennoch sicher, dass das uns nicht betreffen wird.

Hagelkanone Armenien
Das dürften die Übeltäter sein, die Hagelkanonen in Armenien

Von der Lautstärke der Salven her, schätzen wir, dass das 4-5km weiter östlich sein wird. Nach und nach lässt der Regen nach, das Gewitter zieht weiter, der Bach sinkt wieder und dann, nach Mitternacht hören auch die Schüsse auf und wir können beruhigt einschlafen. Wir wissen nicht ob das eine Übung war.

Am nächsten Tag beschließen wir nach Goght zu fahren. Dort soll ein tolles Bed and Breakfast sein, welches von zwei Niederländern betrieben wird und auch Camping anbietet. Nach den Aufregungen der letzten Nacht möchten wir einmal in Ruhe nächtigen und wollen diesen Campingplatz nutzen.

Aber was wäre so ein Weg, wenn man nur auf der Hauptstraße fährt. Wir fahren also immer wieder abseits der Hauptstraßen und fahren die Schotterpisten Armeniens entlang. Das macht Spaß. Als wir dann noch lesen, dass eine Straße zu Ani führt, sind wir begeistert.

Ani liegt eigentlich in der Türkei und ist die frühere Hauptstadt Armeniens. Heute sind das nur noch Ruinen. Wir haben den Ort aus Zeitgründen in der Türkei nicht angesehen und freuen uns sehr, dass die Schilder uns wohl auf armenischer Seite dorthin führen. Ani liegt ja direkt an der Grenze.

Wir fahren die Offroadpisten immer näher an das anvisierte Ziel und stellen ernüchtert fest, dass ein großer Zaun und ein Militärposten den letzten Kilometer abschirmt.

Überall gibt es Pisten, die man mit viel Spaß befahren kann!
Ani Armenien
Militärposten kurz vor Ani – hier geht’s nicht weiter

Da wir schon in Griechenland auf dem Olymp durch eine Militärsperre durften, fragen wir und bekommen eine einfache Antwort. „You need special document, you can get in Gyumri“. Mist, da sind wir vor über einer Stunde durchgefahren. Aber so ist das halt manchmal. Wir machen uns also weiter auf den Weg nach Goght zum Campingplatz 3Gs. Im Hintergrund erkennen wir bereits den heiligen Berg der Armenier, den Ararat. Der steht mittlerweile auf türkischem Terrain, die Armenier behaupten aber, den besten Blick auf den Berg zu haben. Wir können bestätigen, dass der Anblick vom Ararat ziemlich beeindruckend ist.

Der große und der kleine Ararat

Wir machen noch ein paar Filmaufnahmen beim Piste fahren und fahren zu. Der Weg führt uns durch die Hauptstadt Yerevan. Mal wieder mitten durch. Das ist aber alles halb so wild. Ich scheine mich mittlerweile an den Stadtverkehr zu gewöhnen. Außerdem scheinen die Armenier etwas rücksichtsvoller im Straßenverkehr zu sein als die Georgier.

Ist es eine Kutsche? Ist es ein Auto? Ist es eine Sänfte? Nein es ist eine motorisierte Hochzeitskutsche!
Der Verkehr nimmt zu. Ein drittel der armenischen Bevölkerung lebt in der Hauptstadt.

Als wir in Goght ankommen, offenbart sich uns tatsächlich ein kleines Paradies. Auf der Dachterasse können wir in der Hollywood-Schaukel entspannen, wir bekommen Kaffee umsonst, können auf dem Induktionsherd kochen. Sandra schmeißt den Laden fast alleine, da ihr Mann auf Dienstreise ist.

Es gibt einen Pool und einen Stellplatz für Calimero. Die Duschen und Toiletten sind die saubersten, die wir in den bisherigen zwei Monaten sehen dürfen.  Dazu ist Sandra, die dieses Paradies betreibt, eine großartige Gastgeberin. Sie fährt Claudia zum Lebensmittel einkaufen in das nächste Dorf, schenkt uns Honig, ist immer für uns da. Sie bietet uns sogar ihr Auto an, damit wir Calimero stehen lassen können, wenn wir etwas Sightseeing machen wollen.

Ein Pool!
Hanging Chairs, Hollywoodschaukel und Come-Together Area für die Camper
Wir genießen einfach die Zeit
In der Küche kochen wir auf einem Induktionsherd!

Hier treffen wir auch auf Rolf. Rolf ist 77 Jahre alt und fährt mit seinem VW Camper alleine in die Mongolei. Wir lauschen gespannt seinen Geschichten am Lagerfeuer. Hoffentlich werden wir uns im Iran noch einmal sehen.

Barbecue Time!!! Wir haben schon lange nicht mehr gegrillt.
Lagerfeuer Goght
Lagerfeuergeschichten

Da mein Magen-Darm-Trakt eine generelle Instabilität vorweist, und es uns hier einfach super gefällt, bleiben wir ganze drei Tage hier. Wir entspannen, schreiben, planen, plaudern, spielen, planschen, beschäftigen die Hundewelpen, schlafen, grillen und sehen uns gar nicht so viele tolle touristische Dinge an.

Claudia ist mit den Welpen beschäftigt
Goght Bed & Breakfast
Ich verbringe viel Zeit auf der Dachterasse, pflege den Blog und genieße den Ausblick.

Wenn du also jemals durch Armenien reisen wirst, sollte ein Aufenthalt bei Sandra Pflicht sein.

Hier findest du ihre Webseite. (Wir bekommen nichts für diese Werbung, sondern sind einfach nur sehr zufriedene Kunden!)

Erst am Abreisetag raffen wir uns dann doch auf uns besuchen noch das Geghard Kloster, was nur 5km entfernt liegt. Wir werden allerdings von den Touristenmassen schnell wieder ins Auto gedrängt. Bei Sandra frisch gestärkt machen wir uns nun auf den Weg in den Süden Armeniens. Wir möchten uns noch ein paar Sachen ansehen, zwei oder drei Klöster und eine alte Karawanserei. Wir ärgern uns jetzt etwas über die Visa, die wir schon haben. Denn in Goght hätten wir es noch zwei Wochen aushalten können!

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One comment

  1. Hallo zusammen
    Ihr machen großartig .Ich verfolge ganze Reise sehr mit viel Spass. Mein Traum ist es auch.Ich habe eine Wrangler Jeep, momentan baue ich es als Wohnmobil um. mein ziel ist mindestens über Land nach Srilanka fahren
    Weiter hin Viel Spass
    Indi

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