ArizonaUSAUtahWeltreise Tagebuch

Pleiten, Pech und Pannen auf dem Weg zum Grand Canyon

Die Liste der Dinge, die wir dieses Jahr noch sehen wollen wird endlich kürzer. Natural Bridges, Valley of the Gods, Monument Valley und der berühmte Grand Canyon stehen noch drauf. Dann folgen weitere 300 Kilometer in Richtung Süden, wo wir einen Campingplatz für Winterflüchtlinge aufsuchen möchten. Aber Pläne und Ideen sind nur dazu da, sie im Zweifelsfall an die Wand zu klatschen und zu improvisieren.

Wir waren schon kurz davor, die Natural Bridges von der Liste zu streichen, aber dann finden wir einen Verbindungsweg nach Süden, den wir vorher nicht gesehen haben. Also auf zu den „natürlichen Brücken“. In einem Express-Touristen-Stil halten wir an den Brücken an, schießen Fotos und düsen auch schon weiter.

Man muss schon genau hinsehen um die Brücke zu entdecken
Die Bäume im Canyon sind umrahmt von einer der mächtigen Brücken im Natural Bridges National Monument
Pause an einem kleinen zugefrorenen See, auf dem man sogar schon laufen kann.

Die Piste zum Valley of the Gods hinunter macht wirklich Spaß und wir möchten uns im Tal einen Stellplatz suchen. Aller Launen zum Widerspruch haut uns das Tal völlig um. So haben wir uns die Wildnis in Utah vorgestellt. Hier muss Lucky Luke in den Sonnenuntergang geritten sein, denke ich mir. Wir schießen nur ein Foto und wollen dann von einem der vielen Stellplätze im Tal zu Fuß losziehen, die Sonne steht schön tief.  Als wir nach einigen Kilometer rauer Piste den wirklich perfekten Stellplatz finden und ich links einlenke, merke ich, dass etwas mit der Lenkung nicht stimmt.

Die Piste ins Valley of the Gods
Was für ein Ausblick, leider etwas diesig!
Unser Foto aus dem Valley of the Gods

Etwas besorgt, sage ich zu Claudia, dass wir wahrscheinlich mal wieder die Spurstange verbogen haben. Nichts, was wir nicht richten könnten – nervig wäre es trotzdem. Ich steige aus, bücke mich und sehe eine kerzengerade Spurstange. Dafür läuft Öl über die Achse auf den Boden. Ich werde nervös, tupfe mit dem Finger im Öl herum und sehe die Farbe – rot.

Mist, das ist ATF-Öl aus dem Lenkgetriebe. Das ist wirklich ungünstig. Ich hebe die Motorhaube hoch, öffne den Deckel des Öl-Reservoirs und sehe … nichts – kein Öl mehr drin. Scheiße! Wir sind circa 25 Kilometer raue Piste von der Hauptstraße entfernt, dann sind es weitere 10 Kilometer bis zum Dorf „Mexican Hat“. Ich glaube kaum, dass wir hier rausgeschleppt werden können und wage mir nicht vorzustellen, was das kosten würde, wenn es doch geht.

Daher treffe ich die Entscheidung, weiterzufahren. Wir holen Ersatzöl aus einer der Kisten im Auto, füllen das Reservoir auf und fahren zu. Leider hält das Öl keine drei Kilometer. Daher fahren wir und sobald die Lenkung wieder schwerer wird halten wir an um aufzufüllen. Das klappt soweit ganz gut, bis wir auf der Hauptstraße ankommen und das Öl leer ist. Immer wieder schauen wir aufs Handy, ob wir Netz haben – Fehlanzeige. Ich würde gerne wissen, wie schädlich es ist, mit „kaputter“ Servolenkung zu fahren, ich will jemanden anrufen oder das Internet bemühen. Doch wir sind auf uns Alleine gestellt. Wieder einmal muss ich eine Entscheidung treffen. „Lass uns nach Mexican Hat fahren, die Straße sieht nicht so kurvig aus.“ sage ich zu Claudia und bringe Calimero 10 Minuten später mit schwerer Lenkung vor einem schäbigen Restaurant und RV-Park zum Stehen.

Ich bitte den ebenso schäbig aussehenden, aber netten Mann hinter dem Tresen um Informationen. Gibt es hier im Dorf irgendwo WLAN oder Handyempfang? Die Antwort ernüchtert uns sehr, denn sie lautet „Nein“. Wir telefonieren mit dem Telefon des Eigentümers mit einer Werkstatt im 50-Kilometer entfernten Blanding, die uns mitteilt, dass wir auf keinen Fall weiterfahren sollen. Ich entgegne, dass ich mich wieder melden werde.

Wie immer gehen mir in einem solchen Fall die Optionen durch den Kopf. Das Öl kommt aus der oberen Öffnung, die zum Lenkrad führt.  Das haben wir mit einem Simmering frisch abgedichtet, als wir bei Mike in Kanada waren. Daher weiß ich auch, dass ich das Lenkgetriebe selbst ausbauen kann. Bei Mike war das aber deutlich einfacher, denn da war kein Motor im Weg. Aber was mache ich dann? Ich könnte mir ein Ersatzgetriebe bei Mike bestellen, falls das Getriebe hinüber ist. Vielleicht ist auch nur die Dichtung hinüber und es reicht, eine neue Einzubauen. Ob das mit eingebautem Lenkgetriebe so einfach ist? Ich weiß es nicht. Wir fahren weiter zu einer kleinen Tankstelle im Dorf und kaufen uns drei Liter ATF Öl. In diesem Ort steckenzubleiben ist allerdings keine schöne Aussicht.

Wir stellen uns schon darauf ein, hier am gar nicht so schönen Ende der Welt, einige Tage zu verbringen. Unsere Vorräte halten noch für ein paar Tage, aber wir fragen dennoch im einzigen offenen Motel/Hotel der Stadt nach, was ein Zimmer kosten würde. Die Dame antwortet wirsch, dass es 79 Dollar für das Zimmer plus 15 Dollar für den Hund wären. Phew!

Der Tankstellenwart, sagt uns, dass wir im einzigen offenen Restaurant des Dorfs Internet finden also fahren wir dort vorbei und werden wieder enttäuscht, denn auch hier gibt es kein Internet. Die vermeintliche Chefin des Restaurants ruft allerdings ihren Sohn an. Gavin ist keine fünf Minuten später vor Ort und sieht sich unseren Schaden an. Er ist der Meinung, dass wir im Dorf Kayenta im Navajo Reservat, Teile bei einem NAPA bekommen können. Ich bin skeptisch, dass sie Ersatzteile für einen Land Rover bekommen können. Er sagt mir, dass wir schon jemanden finden, der mich nach Kayenta mitnimmt. Camping in Kayenta sollen wir aber auf jeden Fall vermeiden. Gavin ist ein Navajo Stammesmitglied. „This side of the bridge is „County“, the other side is my reservation. And man, there is the real wild west.” Na Klasse, es sei wohl zu gefährlich und auch verboten im Reservat zu campen.

Ich sage Gavin, dass wir an der Tankstelle schlafen und ich die Dichtung bis zum Morgen ausbaue, sie mir ansehe und es vielleicht ausreicht diese zu tauschen. Dann werden wir zum Frühstücken kommen und finden schon einen Weg, wie ich mit der alten Dichtung nach Kayenta und wieder zurückkomme.

Da es schon dunkel ist, setze ich mir die Kopflampe auf und beginne, das Lenkgestänge abzubauen, um an die Dichtung heranzukommen. Ich möchte versuchen, die Dichtung herauszubekommen, ohne das gesamte Getriebe auszubauen. Als ich das Lenkgestänge heraushabe, ziehe ich den Staubschutz ab und sehe direkt schon das vermeintliche Problem. Die Dichtung wird mit einem Sicherungclip vor dem Verrutschen gesichert. Doch dieser Sicherungsclip ist nicht mehr an der richtigen Stelle. Irgendwie hat er sich gelöst und nur noch eine Seite des Clips ist an seinem Platz. Ich schiebe den Clip zurück an die richtige Stelle und fülle Öl auf. Siehe da, es kommt nichts mehr heraus. Ich kann mein Glück kaum fassen, lasse den Motor an und drehe die Räder nach links und rechts, fülle das Reservoir immer wieder ein wenig auf und es scheint dicht zu sein. Eine Probefahrt ist am Abend nicht mehr möglich, denn wir haben schon alles zum Schlafen und Kochen aufgebaut.

Ich bin stolz wie Bolle und trinke erstmal ein Bier. Vor dieser Reise hätte ich mich im Leben nicht getraut eine solche Baustelle in einem kleinen Dorf am Ende der Welt aufzumachen. Auch wenn tatsächlich nur ein kleines Problem an dem Schlamassel schuld war, die Emotionen sind Achterbahn gefahren.

Am Morgen fahren wir nach einer ausgiebigen Probefahrt trotzdem zu Gavins Mutter ins Restaurant und ich verkünde stolz, dass wir das Problem vermutlich gelöst haben. Während wir frühstücken, erzählen wir Gavin, dass wir nun ins Monument Valley fahren wollen. Er blickt mich etwas traurig an und sagt mir, dass das Monument Valley derzeit geschlossen sei.

Haltet euch fest. Eine Gruppe, die sich „Global Witness“ nennt, hat illegale Filmaufnahmen im Monument Valley gemacht. Das sei eskaliert und nun ist der Park für ein paar Tage geschlossen, bis sich die Lage beruhigt. Ich frage nach, warum sie dort waren und er antwortet mir, dass sie Ufo-Landestellen filmen wollten. Ich lache kurz auf, bis er fortfährt. Er erklärt mir, dass die Navajo Stammesmitglieder wissen, wo in ihrem Gebiet Ufos landen würden. Wo das ist, würden sie niemals mit dem weißen Mann teilen. Nur die „Locals“ wissen, wo die Außerirdischen landen würden. Er ist von seiner Aussage zutiefst überzeugt und ich schäme mich, davor kurz gelacht zu haben. Ich nicke verständnisvoll aber kann mir gar keinen Reim auf die Geschichte machen.

Unser Blick aufs Monument Valley
Wäre sicherlich schön gewesen, aber nun geht es eben weiter zum Grand Canyon

Einige Tage später lese ich in der Navajo Times, dass der Park aufgrund von Kult-Aktivitäten geschlossen wurde. Schlau werde ich nicht aus den widersprüchlichen Aussagen, aber eins ist klar, der Park ist zu. Wir fahren zu, in dem Fall Richtung Grand Canyon. In Kayenta, fahren wir alle vier Tankstellen an und erst bei der vierten finden wir eine einzige funktionierende Dieselzapfsäule. Ich bezahle 50 Dollar, ziehe den Zapfhahn und bekomme das große Kotzen. Der Zapfahn ist komplett voll mit Sand, innen wie außen. Eine Wahl habe ich jetzt aber nicht, wir haben kaum mehr Diesel und wurden von Gavin gebrieft, dass es hier günstiger ist. Daher sind wir auf den letzten Tropen hergefahren.

Ich säubere den Zapfhahn so stark ich kann, denn ich habe keine Ahnung, was Sand im Dieseltank ausmacht. So richtig gut wird das nicht sein. Vielleicht weißt du ja Bescheid und kannst uns einen schlauen Kommentar hinterlassen. Wir schauen noch einmal auf den Wetterbericht und sehen starken Schneefall und -14 Grad in der Nacht für den Grand Canyon. Das werden noch einmal zwei harte Tage, denken wir uns und fahren zu.

Als wir nach rechts in Richtung Grand Canyon abbiegen, sehe ich im Augenwinkel ein „Road Closed“ Schild. Da die Straße aber offen ist, mache ich mir nicht viele Gedanken. Als wir dann aber an zwei weiteren Schildern vorbeifahren, die beide bestätigen, dass die Straße VOR dem Nationalpark schon geschlossen sein soll, halten wir an und verschnaufen erstmal. Das würde zu unserer Glückssträhne passen und wir beschließen geknickt zurückzufahren und über Flagstaff nach Süden zu fahren.

Als wir kurz vor der Kreuzung sind (20 Kilometer zurück), fährt uns auf einmal ein Reisebus entgegen. Ich halte sofort an. Wenn der Reisebus hochfährt, dann wird die Straße auch nicht geschlossen sein. Wir drehen wieder um und fahren erstmal in einen richtigen Sturm. Die Wolken ziehen über uns hinweg, Calimero wackelt stark und wenn wir aussteigen, prasselt das Eis uns nur so ins Gesicht. ABER die Straße ist offen. Wir fahren durch das Gröbste durch und kommen oben bei Sonnenschein an. Der Kontrolleur am Eingang des Nationalparks witzelt herum und meint, dass der Nationalpark nicht für die Schilder verantwortlich ist.

Immerhin sind wir jetzt da und auch die Nächte in der Nähe des Grand Canyon sind gefühlt wärmer als angegeben. Allerdings ist unser Schlafplatz so lala. Jedes Mal, wenn wir Tuco fürs Training von der Leine lassen, haut er irgendwann kurz ab und kommt einige Minuten später mit einem Rehbein wieder, rufen zwecklos. Jäger lassen die Überreste liegen und Tuco freut sich umso mehr.

Da wir schon einmal das Problem hatten, dass er enorm Durchfall davon bekommen hat, haben wir unsere Mühe ihm diese Teile wieder abzunehmen. Er sieht es als Spiel, rennt weg, täuscht an, und lässt dabei die Beute nicht aus dem Auge oder dem Maul. Nur mit viel Geduld, Überzeugung und ein paar Leckerchen kriegen wir das jedes Mal hin und verstauen das jeweilige Bein auf einem Baum. Insgesamt sammeln sich auf diesem einen Baum zum Schluss fünf Beine, ziemlich makaber, oder?

Die Strapazen der letzten Tage haben sich aber mal wieder gelohnt. Der Grand Canyon ist irre schön, beeindruckend, tief, farbenfroh und wir fahren einige der schönen Aussichtspunkte an, ich notiere mir ein paar der Wanderungen für zukünftige Besuche und wir setzen uns ins Auto für den Weg nach Süden. Erst in der letzten Nacht bevor wir die Berge südlich des Grand Canyon verlassen, schneit es uns ein. 10 Zentimeter fallen in der Nacht bei starkem Wind auf uns herab und Tuco darf noch einmal durch den Schnee wühlen, bevor wir in die Wüste von Arizona aufbrechen um uns eine wohlverdiente Ruhepause zu gönnen.

4 comments

  1. Sali Bernd
    Wenn du nochmal so eine Zapfpistole antrifft lass zuerst einen Schluck Diesel neben den Tank laufen, wohin sei dir überlassen, dann ist sie sauber.
    Das was du jetzt im Tank hast wird auf dem Tankboden liegen bleiben oder am Tanksieb bleiben, tragisch ist es jedenfalls nicht.
    Trotzdem noch einen guten Rat – tanke Diesel nur an Tankstellen die offensichtlich gut Umsatz damit machen, bei Anderen gehst du das Risiko ein dass du uralten, schmutzigen, wasserverseuchten Diesel bekommst der dir Filter verstopft oder sogar die Einspritztechnik zerstört.
    Das Risiko ist es nicht wert wegen der paar Cent.
    Tankstellen in Amerika werden nicht so gewartet wie hier in Europa.
    Gruss Ozy

    1. Hi Ozy,
      ich achte seit über 1,5 Jahren darauf an den richtigen Tankstellen zu tanken. Leider hat es diesmal nicht geklappt, weil wir zu weit von anderen Tankstellen weg waren. Aber danke für den Tipp mit dem “danebenleeren” 🙂

  2. Waaaahnsinns Fotos!! Danke dafür.,lieber Bernd !
    So,mal eine Frage zum Ölverlust: Bekommt man keine Strafe in USA wenn der Wagen Öl verliert? Umweltschutz und so?
    Tip zum Sand im Dieseltank: Beim Tanken ein feines Sieb vor die Zapfpistole halten,ähnliches habe ich beim Öltrichter zum nachfüllen,da ist ein feines Sieb drin.Eventuell kannst du ja in DIY ein passendes Sieb zum Dieseltank basteln was nach dem Tanken wieder raus aus der Einfüllöffnung kann, damit der Deckel fest sitzt 🙂 Danke für den Bericht. LG an Claudia und Tuco
    Der Siggi aus Wuppertal

  3. Oh mann ihr lasst aber auch nichts aus 😉
    Danke fürs Teilen – ich finde es klasse dass ihr auch über die nicht-so-tollen-Tage berichtet!
    Viele Grüße aus Athen, Michaela

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