PakistanWeltreise Tagebuch

Hochzeitstag in Polizeigewahrsam

Wir haben einen Plan. Wir möchten in circa anderthalb Wochen von Gilgit-Baltistan nach Süden fahren und ein wenig vom Rest Pakistans erfahren. Uns ist es im Norden etwas zu kalt geworden. Ein bisschen Wärme sollte uns nicht schaden.

Wir verlassen die Grenze zu Gilgit-Baltistan und finden KEINE Übernachtungsmöglichkeiten mehr. Es sind nur noch Männer auf den Straßen und so richtig wohl fühlen wir uns nicht. Als wir spät am Nachmittag im “Kohestan Tourist Inn” stoppen, werden wir mit Flaschendeckeln beworfen. Die Kinder scheinen uns nicht zu mögen.

Der Hotelmanager erlaubt uns nicht im Auto zu schlafen. Er teilt uns mit, dass wenn die Einheimischen das Touristenfahrzeug sehen, kann es unsicher werden. Wir wollen unseren Calimero aber auch nicht alleine in dieser Lage lassen und fahren weiter. In Besham werden wir schlussendlich fündig. Das Besham Hilton Hotel hat hohe Mauern, Stacheldrahtzaun, eine Schranke vor dem Tor und einen bewaffneten Parkplatzwächter.

Auf dem Weg nach Süden begleiten uns immer wieder wundervolle LKW
Aber viel sehen die Fahrer nicht.

Wir dürfen dort umsonst übernachten und sogar die Dusche kostenfrei nutzen. Dafür gehen wir so richtig im Hotel essen und bezahlen dafür ein kleines, pakistanisches Vermögen.  Am Vortag haben wir für 250 Rupees gegessen, heute für 1500 Rupees. Das sind aber immer noch nur rund 15 Euro und passt daher ideal ins Budget.

Am nächsten morgen überlegen wir, ob wir noch eine Nacht bleiben und wollen erst einmal einkaufen gehen. Claudia zieht sich vorsichtshalber schon das Kopftuch an, doch wir werden vom Hotelmanager zurückgepfiffen. Es ist viel zu gefährlich, alleine raus zu gehen. Aber nicht weit ist ein kleiner Shop und der Wachmann kann uns ja begleiten. So gehen wir mit mulmigen Gefühl mit dem Wachmann zum Shop und kaufen 2 Packungen Kekse und eine Flasche Miranda. Mehr gibt es hier auch nicht zu erwerben. Wie schade, denn das Städtchen sah so schön wild aus und wir haben uns auf die spannenden Gassen der Stadt gefreut.

Da wir nicht “eingesperrt” bleiben wollen, fahren wir dann doch weiter. Heute ist zwar unser Hochzeitstag, aber wir wollen ein wenig weiter nach Süden kommen, feiern können wir ja noch am Abend.

Einige Kilometer südlich von Besham, werde ich an einer Polizeistation gebeten, meine Passdaten einzutragen. Das ist normal und ist schon mehrfach passiert. Als wir losfahren, fährt ein Polizeiauto vor uns und wir denken uns nicht so viel dabei. Erst nach einigen Kilometern stoppt das Polizeiauto und wir fahren vorbei, mitten in eine wuselige kleine Stadt. Ich glaube schon, dass wir in eine Einbahnstraße gefahren sind, als von hinten ein Polizeiauto angestochen kommt. Mit Sirene und Blaulicht macht es sich den Weg frei und reiht sich vor uns ein. Sie winken uns hinter sich her und wir folgen brav. Wir finden es nett, dass der Polizist unsere vermeintliche Geisterfahrt nicht bestraft, sondern uns aus der Misere hilft.

Doch Pustekuchen, darum ging es nicht. Auch hinter dem Dörfchen bleibt das Polizeiauto vor uns. Ich halte erst einmal an und checke das Navi ob wir richtig sind und auch das Polizeiauto hält an. Komisch denken wir, ist das etwa eine Eskorte? Naja, wahrscheinlich nur für das Dorf.

Einige Kilometer weiter, stoppt das Polizeiauto und zeigt nach rechts, dort wartet schon das nächste Polizeiauto auf uns und wir sind uns nun sicher, wir werden hier eskortiert. Anhalten sollen wir wenn möglich nicht und durch die Städte heizen wir wie die Geisteskranken.

In den Toyota Pickups sitzen im Normalfall zwei Männer, die ihre Maschinengewehre in Anschlag bringen, sobald wir durch ein besiedeltes Gebiet kommen. Ansonsten sind die Jungs relativ entspannt, auch Fotos dürfen wir machen.

Momentan ist Cobra 7 noch entspannt!

In fliegendem Wechsel werden die Eskortfahrzeuge durchgetauscht. Wir sind irgendwann ziemlich ausgelaugt und bitten darum, ein Hotel anzusteuern. Das einzige Hotel weit und breit lehnt aber ab, dass wir dort campen dürfen. Also fahren wir weiter. Aber anstatt zum nächsten Hotel zu fahren, gibt uns die Eskorte einfach an die nächste Polizeieinheit weiter. Wir denken, dass sie miteinander gefunkt haben, doch als wir auch von dieser an die nächste Eskorte abgegeben werden, halte wir an und weigern uns weiterzufahren. Wir möchten einen Stellplatz für die Nacht. Die Polizisten stimmen uns zu und bringen uns zu einer schäbigen Raststätte. Dort gibt es Liegen hinter einem Rolladen. Wir sollen uns zwei Stunden ausruhen und dann geht es weiter. Wir verneinen und sagen, dass wir gerne hier auf dem Parkplatz schlafen würden. Morgen früh um 8 können wir gerne zusammen weiterfahren.

Der Polizist meint, dass er das mit seinem Chief besprechen muss und wir werden derweil vom Manager der “Marriage Hall” gegenüber zum Reste-Essen eingeladen.

Wir befinden uns zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als 3km entfernt von dem Haus, in dem Osama Bin-Laden erschossen wurde. Auch hier haben wir eher ein mulmiges Gefühl. Allerdings sind die Menschen, die wir treffen allesamt sehr nett.

Nach der Stärkung und der Pause, erzählt uns der Polizist, dass wir nicht weit fahren müssen um in das nächste Hotel zu kommen, maximal 20 Kilometer. Es wird so langsam dunkel und wir hoffen, bald das Hotel zu finden. Wir fahren bis nach Haripur. Als wir komplett durch Haripur gefahren sind, hält die Eskorte an und will uns an die nächste übergeben. Wir stoppen erneut und sagen ihnen, dass wir keinen Meter mehr weiter fahren und lieber in der Polizeistation in Haripur übernachten als im Dunkeln weiter zu fahren, denn die Fahrt ist gemeingefährlich. Die zwei Fahrspuren werden teilweise von vier Fahrzeugen nebeneinander genutzt, die Polizei prescht wie die verrückten vor und wir müssen uns sehr konzentrieren, denn  der Gegenverkehr kommt von allen Seiten.

Autos kommen von allen Seiten, während wir dicht hinter der Eskorte kleben
Bunte LKWs preschen vorbei

Die Entscheidung ob wir in der Polizeistation schlafen dürfen, können die Jungs vor Ort nicht treffen und so warten wir eine weitere Dreiviertelstunde bis der Chef kommt. Dieser lädt uns freundlich in seine Station ein und wir können endlich ausruhen. Wir haben heute nur 179 Kilometer geschafft, dafür aber 9 Stunden gebraucht.

So endet unser erster Hochzeitstag in Polizeigewahrsam. Hoffentlich werden die folgenden Hochzeitstage nicht so abenteuerlich wie dieser.

Am nächsten Morgen werden zwei Männer in Hand- und Fußketten an mir vorbeigeführt. Über den Köpfen sind Säcke. Ich staune nicht schlecht, als ich das sehe. Die beiden haben wohl bei einem Geldwechsler Geld gestohlen. Wow, ich will gar nicht wissen, was mit Mördern und Terroristen geschieht.

Auf dem Hof stehen gepanzerte Land Rover und ich verkneife mir die Spurstange auszubauen, ich will nicht mit dem Sack auf dem Kopf rumlaufen. Bevor wir gehen, werden wir noch von der weiblichen Polizeichefin der Kriminalermittlung zum Tee eingeladen. Wir werden auch mit Brot versorgt und werden sehr freundlich behandelt.

Was für ein Schlafplatz – eingemauert und bewacht von der Polizei.
Tee trinken mit der Polizeichefin und ihrer Cousine

Alle Polizisten sind unsere Freunde und wir bekommen für Notfälle noch die Visitenkarte der Polizeichefin mit. Wir warten wieder auf unsere Polizeieskorte und fahren weiter nach Süden, in Richtung Lahore.

 

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2 comments

  1. Hi,

    Wir verfolgen euren Traum und bin zu tiefst beeindruckt!
    Wir wünschen euch alles nur erdenklich Gute und Schöne und alles Gute zu eurem Hochzeitstag!

    Alles Liebe
    Hannes & Silvia

  2. Hallo,
    Eure tollen Berichte machen die eigene Reise fast überflüssig 😉
    Ich bin 1990 über Land von Indien nach Deutschland gefahren und dabei auch durch Pakistan gekommen. Damals war das nicht wirklich gefährlich. Aber heute hätte ich größere Bedenken.
    Viel Glück, und freut Euch auf Indien. Da wird es noch chaotischer :-))
    Grüße
    Heinz

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