IndienWeltreise Tagebuch

Tiger oder keine Tiger, das ist hier die Frage!

Nach der SIM-Karten Odyssee und schon leicht angespannten Nerven tuckern wir an nur einem Tag weiter zum Ranthambore Nationalpark. Ich habe im Netz gelesen, dass man am besten ein Ticket online bucht und das habe ich auch gleich gemacht. Für 2500 Rupees pro Person werden wir drei Stunden in einem Jeep durch die Gegend gefahren. So richtig geil finden wir das ja nicht, aber was will man machen. Wir möchten einmal aus der indischen Stadtwelt in die Natur fliehen und freuen uns darauf den bengalischen Tiger in Aktion zu erleben.

Dafür können wir am Hotel, über das wir gebucht haben, parken und im Fahrzeug nächtigen. So haben wir das gern. Im Hotel sind wir der absolute Knaller, die Mitarbeiter haben so ein Fahrzeug noch nie gesehen und inspizieren das Fahrzeug mehrere Stunden aus naher Entfernung. Wir lassen uns aber nicht stören und entspannen am Nachmittag und Abend.

Am nächsten Morgen stehen wir pünktlich um 06:30 parat. Da bekommen wir ein Telefon in die Hand gedrückt, der Chef ist dran. Die Tour fällt aus, die Fahrer sind am streiken. Vielleicht findet sie später statt. Da lehne ich aber ab und sage, dass später quatsch ist, da die Tiger tagsüber in der Hitze kaum aktiv sind.

So legen wir uns wieder ab und schlafen schnell wieder ein. Um 09:30 klopft es auf einmal am Auto. Der Chef steht draußen und ruft: „The Jeep is now here. Please hurry.“ Ich steige schnell aus und sage ihm, dass wir den Ruckack nicht gepackt haben, meine Frau noch nichtmal angezogen ist und wir die Karre auch noch zumachen müssen, das dauert bei mindestens 15 Minuten bis wir komplett fertig sind. Der Jeep steht schon mit 4 Touristen vor der Tür und auch die gesamte Mitarbeiterschaft hören dem Gespräch gespannt zu. Entnervt schickt der Chef den Jeep weg.

Wir sind leicht verärgert aber frühstücken erstmal. Nach dem Frühstück gehe ich wieder zum Chef und frage ihn, wann wir denn unsere Tour nachholen. Er sagt, dass das Nachmittags oder auch am nächsten Morgen möglich sei. Dann meint er mit einem Lächeln auf dem Gesicht, dass er auch einen Sitz übernehmen kann. Das finde ich klasse, bin aber sehr skeptisch. Daher frage ich ihn: „So the full price is 2500 instead of 5000?“. Er lenkt bestürzt ein und meint: „No, no. It is 7500 Rupees, because we paid already the morning tour for you and you didn’t want to take part.“

Meine Puls steigt dabei direkt wieder auf ein ungesundes Level. In Indien hat man wohl noch nicht gelernt, was ein ordentliches Business bedeutet. Ich erkläre ihm ruhig aber bestimmt, dass ich für eine 06:30 Tour gebucht habe und die 09:30 Tour vielleicht angenommen hätte, wäre sie mit 15 Minuten Vorlauf angekündigt worden. Daher bezahle ich exakt 5.000 Rupees für unsere Teilnahme an einer Tigertour. Ob er das Ticket woanders kauft oder nicht, ist für mich völlig irrelevant, da dies vorher niemals angesprochen wurde und ein Unternehmer seine Subunternehmer im Griff haben sollte.

Er meint nur, dass er darüber nachdenken muss und sich in 15 Minuten bei mir meldet. Als er auch nach 30 Minuten nicht auftaucht frage ich nach dem Chef und der Mitarbeiter sagt nur, dass der heute nicht mehr erscheint.

Ernsthaft? Der Mitarbeiter sieht schon das Ende meines Geduldfadens und ruft fix den Chef an. Der sagt nur: „I forgot about it. If you want, take the tiger tour and pay what you want.“ Ich erkläre ihm, dass das 5000 Rupees sein werden und er ist einverstanden. Da mir das alles schon wieder tierisch auf die Nerven geht, wähle ich die Nachmittagstour, damit wir am nächsten Morgen früh verschwinden können.

Wir müssen um 14:45 bereit stehen, sagt der Chef, der Jeep kommt allerdings erst um 15:30. Ich bin völlig entspannt und erwarte bereits eine langweilige Tour durch den Ranthambore Nationalpark, denn die Teilnehmer der Morgentour haben keine Tiger gesehen und viel Staub dabei geschluckt.

Gemeinsam mit 2 Kanadierinnen und einem englischen Pärchen, die bereits die dritte Safari mitfahren, machen wir uns auf den Weg in den Ranthambore Nationalpark. Das englische Pärchen zahlt nur 1600 Rupees für die Tour pro Person (36% weniger als wir) und meint, dass man dafür aber selbst anstehen muss, was wirklich keinen Spaß macht. Außerdem haben sie auf den bisherigen zwei Touren noch keine Tiger gesehen. Na das wird ja lustig, denke ich mir.

Wir sichten Gazellen, Antilopen, Affen, eine Eule, einen Adler (kein Foto), und jede Menge Wild. Leider bedeutet völlig entspanntes Tigerfutter, dass die Tiger hier nicht wirklich aktiv sind. Unsere Guides erzählen uns immer ganz stolz wenn ein Tier vorbeiläuft: „You spotted a deer“ oder „You spotted an owl“. Der Guide, den ich liebevoll Captain Obvious taufe, erzählt aber kein Wörtchen mehr dazu.

Nach mehr als 1,5 Stunden sammeln sich die Jeeps und LKWs in einer Ecke des Ranthambore Nationalparks und die meisten beginnen Chips zu futtern und sich zu entspannen. Plötzlich geht alles relativ schnell. Unser Guide erzählt uns, dass ein Tiger gesichtet wurde, wir steigen ein und düsen in Warpgeschwindigkeit durch den gesamten Park, zurück zu einer Mauer mit Tor, durch die wir ganz zu Beginn gefahren sind.

Warten auf den Tiger

Dort stehen bereits mehrere LKWs und Jeeps und beobachten zwei Tigerjunge, die es sich auf der Grenzmauer gemütlich gemacht haben. Kuschelnd liegen die beiden Tiere da und interessieren sich nicht dafür, dass keine 50 Meter weiter mehr als einhundert Touristen versuchen einen besseren Blick zu erhaschen. Wir verändern hin und wieder unseren Standort und verbringen eine knappe halbe Stunde bei den Tigern. Einer der beiden bewegt sich tatsächlich und dreht sich um, mehr passiert allerdings nicht. Die indischen Touristen sitzen bereits völlig gelangweilt herum, einige bohren bereits in der Nase, während wir unser Fernglas zücken und auch ein paar Fotos von den Tieren machen.

Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt, dass wir wenigstens ein paar Tiger im Ranthambore Nationalpark gesehen haben. Leider war das Ambiente nicht gerade so, wie wir uns das vorgestellt haben.

Zurück am Hotel freuen sich die Mitarbeiter mit uns, dass wir Tiger gesichtet haben und wir feiern den kleinen Erfolg mit einem Abendessen im Hotelrestaurant.

Am folgenden Morgen bezahle ich 5.000 Rupees für die Tigertour, bezahle die Abendessen der beiden Abende und gebe ihnen 400 Rupees mehr für die Parkmöglichkeit. Der Chef schaut interessiert auf das Geld und ich erkläre ihm, dass das „a little bit extra“ ist. Er antwortet nur: „This is a very little bit“ und nimmt entnervt das Geld entgegen. Wir sind froh, dass wir hier wegkommen.

Mir geht es schon so auf den Zeiger, dass keine Abstimmung eingehalten wird und die Rechnung am Ende immer größer sein soll, als geplant. Bei Mrs. Bhandari in Amritsar hat das bereits begonnen. Zu Beginn hieß es, dass wir die Kleingeräte und den Laptop umsonst am Strom laden dürfen, bei der Endabrechnung wollte er Strom abkassieren mit den Worten: „You have used it more than 15 minutes per day“. Dazu kamen 3% extra für die Zahlung per Kreditkarte und 18% Steuer auf ALLES, auch das bereits versteuerte Bier, das hier extrem teuer war.

In Agra ging es weiter mit dem Hotelier, der 400 Rupees für die Nacht wollte, obwohl 200 üblich sind, dann noch das WIFI an zwei Tagen insgesamt nur 30 Minuten funktionierte. In Jaipur haben wir bei jeder Tuktukfahrt verhandeln müssen, die Tuktukfahrer haben sich immer wieder andere Tricks einfallen lassen um uns über den Tisch zu ziehen. Außerdem haben wir nach 8 Tagen immer noch keine aktive SIM-Karte obwohl wir dafür bezahlt haben.

Dieser Eindruck gepaart mit den unfassbaren Fahrkünsten der Inder veranlasst uns dazu, einen großen Teil von Rajahstan und Gujarat auszulassen. Wir haben die Schnauze voll und möchten an den Strand nach Goa und hoffen, dass es dort etwas entspannter zugeht. So verlassen wir den Ranthambore Nationalpark wieder und fahren in Richtung Udaipur.

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2 comments

  1. Haaahaaahallo 😉
    Ich sehe, Ihr seid noch nicht bereit für Indien :-))))

    In dem Land ist alles so total absurd. Die Inder verstehen es, aus wirklich allem eine Farce zu machen.

    Ich hatte übrigens ein Tour in dem Nationalpark alleine mit dem Jeep-Driver, und zwar den ganzen Tag. Jede Menge Tiere, auch eine von einer Katze (Leopard oder Tiger?) gerissene Kuh, aber leider kein Tiger weit und breit. Dafür eine schöne Landschaft mit einer Burgruine.
    Grüße
    Heinz

    1. Heinz, das kann sehr gut sein, dass wir noch nicht bereit für dieses Land sind. Dafür bin ich glaub ich einfach zu organisiert 😀

      Cheers aus dem wirklich entspannten Goa!

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