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Finale – Roadtrip von Calgary nach Vancouver

Das Ende des Mountain Skills Semester läutet auch das Ende dieser Reise ein. Doch was wäre eine solche Reise ohne ein ordentliches Finale! Mein Bruder Moritz kommt nach Calgary geflogen und gemeinsam werden wir Calimero nach Vancouver fahren, von wo Calimero dann nach Bremerhaven verschifft wird und auch für mich diese großartige Reise endet. Ich habe vor, ihm ein paar meiner Highlights der letzten Monate zu zeigen, aber auch vieles neues zu entdecken, Roadtrip eben!

Moritz ist nicht gerade ein großer Wanderer, hat sich aber vorsorglich ein Paar Wanderschuhe besorgt und wurde von Claudia noch etwas ausgerüstet. Ohne Regenjacke aber mit Skijacke im Gepäck hole ich ihn in Calgary vom Flughafen ab, seine einzige Sorge – wie oft wir wohl in den nächsten zwei Wochen duschen werden (Vier mal, die Dusche bei Ankunft mit eingerechnet!).

Das wird lustig, denke ich mir. Zusammen fahren wir zurück nach Canmore, wo wir am nächsten Morgen noch einmal mit Christa und Stefan, sowie ihrem Sohn gemeinsam frühstücken, bevor ich aus ihrem Zuhause ausziehe und wir mit Calimero losziehen!

Kananaskis Country – Let the roadtrip begin!

Als erstes möchte ich ihm das völlig unterschätzte, aber wunderschöne K-Country, kurz für Kananaskis Country, zeigen. Dieses Gebiet liegt am östlichen Rand der Rocky Mountains, zwischen Canmore und Calgary. 

Unter anderem wurden hier Filmaufnahmen für The Revenant, Inception und auch für den neuen Jumanji Film gedreht. Ich war hier in den letzten Wochen viel unterwegs, zum Eisklettern in King Creek, zum Skitourengehen über den Upper Kananaskis Lake zu Mount Joffre oder für die Gratklettereien auf Mount Baldy.

Calimero am Upper Kananaskis Lake

Wir fahren einmal bis ans Ende der saisonalen Straßensperrung, besuchen die Kananaskis Lakes und gehen eine erste kleine Wanderung hoch zum Rawson Lake. Von dort kann man auf einen Grat hinauflaufen und hat einen tollen Ausblick. Am See angekommen bietet sich uns ein großartiger Ausblick auf den immer noch teilweise gefrorenen See. Hier sehen wir auch, dass wir nicht um den See laufen werden, um auf den Grat zu kommen – zu viel Schnee liegt am Hang darüber und wir haben kein Lawinenequipment mit dabei. 

Spätestens jetzt merkt Moritz auch, dass das hier nicht der typische Sommerurlaub ist.

Rawson Lake

Nach getaner Arbeit fahren wir zurück nach Canmore, über die Spray Lakes Road – eine Schotterpiste, die von Süden wieder nach Canmore hineinführt, wo wir eine Schwarzbärin mit zwei Jungen über die Straße huschen sehen. Ich zeige ihm das wunderschöne Klettergebiet bei den Grassi Lakes, wo ich erst wenige Tage zuvor zum ersten Mal war. 

Grassi Lakes bei Canmore

Den Abend verbringen wir mit Bree, einer guten Freundin und Kletterpartnerin. Sie wohnt in einem Van in Canmore und arbeitet als Bergwanderführerin für Outward Bound, einer gemeinnützigen Organisation, die jungen Menschen bei der Persönlichkeitsentwicklung hilft, fast immer in Kombination mit Sport in den Bergen.

Am nächsten Morgen muss ich dann Goodbye zu Canmore sagen. Kein anderer Ort auf dieser langen Reise ist mir so zu einem Zuhause geworden, wie Canmore. Aber da muss ich jetzt durch. Ich freue mich schon, das nächste Mal mit Claudia hierherzukommen und all meine Freunde und diese wundervolle Bergwelt wiederzusehen!

Sightseeing im Banff National Park

Ich gehe Moritz schon heute auf die Nerven. Auf unserer Fahrt nach Banff belästige ich ihn mit den vielen Klettereien und Bergnamen. „Siehst du die Wand da, das ist“, „Da hinten im Hintergrund, das ist Louis Mountain, tolle Klettereien dort“, „Schau mal, das ist Mother’s Day Buttress, eine 8-Seillängentour an der Basis von Cascade Mountain“. 

Dass uns (auch mein erster) Grizzly über den Weg läuft, macht meinen Redeschwall für ihn allerdings recht erträglich und auch unser Besuch im Johnston Canyon, Marble Canyon (für mich eher wegen den Eisklettereien interessant) sind nicht von schlechten Eltern.

Der Bär hat es nicht eilig – trottet entspannt hin- und her und frühstückt.
Johnston Canyon
Marble Canyon

Wir machen ordentlich Strecke auf dem Weg nach Süden und durchqueren nicht nur den Banff National Park sondern auch den Kootenay National Park. 

Über eine Logging-Road fahren wir nach Süden aus diesem heraus, um einen Schlafplatz außerhalb der Parks zu finden.

Der Fluss fließt direkt neben uns, wir sind komplett alleine und genießen die ersten warmen Sonnenstrahlen an einem großartigen Stellplatz. 

Ein traumhafter Platz
Moritz genießt den sommerlichen Flair, den es auf diesem Roadtrip nicht so oft gibt

Yoho Nationalpark – Emerald Lake und Wapta Falls

Über Radium Hot Springs und Golden fahren wir zurück zum Highway 1, in den Yoho Nationalpark, wo wir uns die Wapta Falls und den Emerald Lake ansehen. Hier entdeckt uns ein Reisebus voller Deutscher und wir werden ordentlich ausgequetscht, was wir denn hier mit einem deutschen Auto machen. 

Emerald Lake

Das Schöne an den Wasserfällen derzeit ist, dass sie extrem viel Wasser führen. Der Juni ist wahrscheinlich der Beste Monat dafür, denn die Schneeschmelze ist in vollem Gange.

Wapta Falls

Wir sehen uns diese tollen Sehenswürdigkeiten mit einer ganz anderen Taktung an, als ich es gewöhnt bin. Bisher hatten wir keine Eile, jetzt aber haben wir eine Deadline und noch etliche Kilometer vor uns!

Lake Louise und Moraine Lake

Für die beiden wohl berühmtesten Seen der kanadischen Rocky Mountains muss man entweder sehr früh aufstehen oder eben spät am Nachmittag ankommen. Wir wählen den Morgen, da dann meist weniger Wind ist und die Spiegelungen interessanter sind. 

Als wir um 6 Uhr morgens bei Lake Moraine ankommen, ist der Parkplatz allerdings schon halbvoll. Wir kämpfen uns an all den Frühaufstehern vorbei und verstehen, warum diese schon hier sind. So langsam kommt ein kleines bisschen Wind auf und die Spiegelungen die wir noch zu Beginn sehen, sind nach zehn Minuten schon kaum mehr zu erkennen.

Moraine Lake

Wir kraxeln ein wenig an den Aussichtspunkten herum und machen uns dann auf zu Lake Louise. Ein holländischer Motorradfahrer hat uns den Tipp für eine Wanderung gegeben, die wir uns nicht entgehen lassen wollen.

Auch Lake Louise ist wundervoll, aber hier ist schon ordentlich was los. Wir packen meinen Rucksack und machen uns auf den Weg zum „Plain of Six Glaciers“ Viewpoint, aber erst nach dem Besuch beim wirklich uninteressanten Mirror Lake. 

Lake Louise am Morgen
… und nochmal zur Mittagszeit – rechts gibt’s Besten Kletterfels

Der Aussichtspunkt am Ende der Wanderung ist nicht für jeden etwas. Ich erkenne aber die Death Trap genannte Passage unterhalb der Abbot Pass Hütte und erinnere mich an wilde Geschichten unserer Bergführer. Die Normalroute von Damals führt durch eine enge Schlucht mit Eisfallgefahr durch Seracs von oben und wird heute nicht mehr empfohlen.

Death Trap und der Abbot Pass

Icefields Parkway

Da schlechtes Wetter im Anmarsch ist, machen wir uns noch am selben Tag auf den Weg nach Norden um noch einen Blick auf den Athabasca Gletscher und Mount Athabasca zu werfen. Auf dieser Straße war ich im Winter sehr oft unterwegs und sie ist für mich immer noch der schönste Routenabschnitt durch die Rocky Mountains.

Weeping Wall im Sommer

Wenn du also nicht allzu viel Zeit hast, der Weg von Lake Louise nach Jasper ist ein Muss! Du findest mehr über den Icefields Parkway in meinem Blog Beitrag „Bernd und Calimer im Winter auf dem Icefields Parkway“. 

Am Icefields Center holt uns dann auch erstmal das schlechte Wetter ein. Wir nutzen die Gelegenheit in Jasper Dani und Isabell aus der Schweiz zum fünften Mal in Nordamerika zu treffen.

Mount Robson

Nach einer kurzen Nacht und viel Bier mit Dani und Isabell machen Moritz und ich uns auf den Weg zu Mount Robson. Der riesige Berg steht westlich von Jasper und ist ein begehertes Ziel für erfahrene Alpinisten.

Mount Robson im Hintergrund

Mit einer Schartenhöhe von über 2800 Metern gibt es nur anspruchsvolle Routen auf diesen Berg. Moritz und ich laufen gemeinsam zum schönen Kinney Lake und noch etwas weiter in Richtung Berg Lake und kommen auf stolze 21 Kilometer an einem wunderschönen Wandertag unterhalb des Berges.

Kinney Lake

Westwärts bis zum Pazifik

Nun beginnt allerdings die richtige Fahrerei. Knapp 900 Kilometer liegen noch vor uns, auf dem Weg nach Vancouver. Wir versüßen uns diesen Weg mit einem Besuch im Wells Gray Provincial Park bei Clearwater, wo wir uns wieder einmal ein paar Wasserfälle ansehen. 

Helmcken Falls im Wells Gray Provincial Park

Von Lilloet folgen wir der Route 99, wandern zu den Joffre Lakes, verweilen auf einen Kaffee in Whistler und erreichen den Pazifik in Squamish, wo ich Moritz noch ein wenig das Klettern beibringenkann.

Am Upper Joffre Lake

Vancouver

Ich würde am liebsten in Squamish bleiben, aber Moritz möchte unbedingt Vancouver sehen. Irgendwie verständlich, er hat ja noch nie eine Nordamerikanische Stadt gesehen und Canmore, Jasper, Radium Hot Springs oder Golden sind jetzt auch nicht gerade Weltstädte wie Vancouver.

Vancouvers Bootstankstelle mit der Skyline im Hintergrund

Ich nutze die Chance und bringe Calimero noch einmal zu einer letzten Inspektion zu einer ordentlichen Land Rover Werkstatt. Wir lernen, wie Van-freundlich Vancouver ist und übernachten an tollen Plätzen mit schönen Aussichten auf die Stadt. Dann geht auf einmal alles ganz schnell. Ich bringe Moritz zurück zum Flughafen, gebe am nächsten Morgen Calimero ab und lande für ein paar letzte Tage im Downtown Hostel der Stadt, von wo ich gerade diesen Bericht schreibe. 

Morgen geht mein Flieger nach Deutschland, zu Claudia und Tuco – nach 822 Tagen und 71.500 Kilometern im Land Rover um die Welt, immer mit dem Blick auf die Berge! 

Es ist einfach nur irre, was wir in dieser Zeit erlebt haben, wie oft wir an unsere Grenzen gekommen sind, dass wir einen Hund adoptiert haben, dass wir tatsächlich bis nach Indien gefahren sind und dass ich ein zeitweiliges Zuhause in Canmore gefunden habe. Dass wir Calimero tatsächlich so weit bekommen haben, dass die Welt so viel freundlicher ist, als wir es uns vorstellen, dass ich zum Bergsteiger geworden bin und dass ich mehr Angst vor dem Heimkommen habe, als vor dem Wegfahren.

Diese Reise hat mich mich zu dem gemacht hat, der ich war – bevor die Arbeitswelt mich erwischt hat. Diese Reise hat uns beiden geholfen unsere Prioritäten zu finden.

Mit diesem Beitrag über unseren gemeinsamen Roadtrip endet nun das erste große Kapitel unseres Weltreisetagebuchs. Wir werden in Zukunft berichten, wie unsere Reintegration funktioniert und vor allem was unsere nächsten Pläne sind, denn wir haben noch unendlich viele Ideen! Auch möchte ich noch ein paar nützliche Beiträge liefern, die uns vor einer solchen Reise durchaus geholfen hätten. 

Damit bleibt mir nur noch eines zu sagen: Danke, dass du mit uns gereist bist!

Ein letztes Bild von Calimero auf dem nordamerikanischen Kontinent!

6 comments

  1. Hallo Bernd,
    zum Abschluß auch Deiner Reise nochmal tolle Bilder zum Träumen! Klasse, daß wir Euer beider Reise über die letzten 2 Jahre mitverfolgen konnten.
    Euch beiden alles Gute beim Wiedereinleben im Süden Deutschlands – da hat Claudia Dir ja etwas voraus. 🙂
    Alles Gute und weiterhin viel Spaß bei Euren Reisen – wenn auch wohl in etwas anderem Stil!
    Tanja

    1. Hallo Tanja,
      vielen lieben Dank! Der Stil wird erstmal anders, aber wer weiß, wann wir wieder länger losziehen 😉

      Cheers,
      Bernd

  2. Hallo Bernd,
    eure Fotos sind der Wahnsinn! Ich hoffe, dass auch ich eines Tages solche Aussichten genießen kann.. leider toure ich – wenn die Zeit dafür da ist – immer noch nur innerhalb von Deutschland herum. Gibt ja schließlich auch hier schöne Orte. Aber irgendwann wage ich es sicher auch Mal raus, dafür gibt mir dein Blog immer mehr den Mut. Vielen Dank dafür!
    Grüße, Martin

  3. Hallo Bernd,
    die letzte Tour mit deinem Bruder war ja wirklich noch mal ein Traum… 🙂 wie viele Tage wart ihr für diese Strecke unterwegs?
    Grüße
    Walter

    1. Hallo Walter,
      ja, ein gelungenes Finale! Wir haben uns für die Tour 2 Wochen genommen. 🙂

      Viele Grüße,
      Bernd

  4. Hab deine/eure Berichte immer sehr genossen! Danke für die ganzen Einblicke, ich hab wirklich Respekt vor so einer langen Reise!

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