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Roadtrip durch Utah – von Canyon zu Canyon

Wir wollen uns irgendwo im Warmen auf einen Campingplatz stellen und für ein paar Wochen unsere Eindrücke verarbeiten, denn wir sind die letzten Monate fast jeden Tag gefahren. Allerdings ist da noch Utah. Da wir beschlossen haben, nächstes Jahr nicht weiter durch die USA zu reisen, wollen wir uns das nicht entgehen lassen. Das Problem, in Utah ist es schon kalt. Obwohl wir mit jedem Tag reisemüder werden, beschließen wir einen „kleinen“ Roadtrip durch Utah dranzuhängen. Ob das eine so gute Idee ist?

 Zion National Park

Utah empfängt uns herbstlich frisch mit dem Zion National Park. Der Zion Canyon ist das Herzstück dieses Nationalparks und darf ausschließlich mit einem Shuttle-Bus befahren werden. In diesen Shuttle-Bussen dürfen Hunde aber nicht mitfahren. Pragmatisch und unvorbereitet fahren wir den Campingplatz im Nationalpark an, ergattern den letzten freien Stellplatz und teilen uns auf. Claudia bleibt mit Tuco am Auto und ich hüpfe in einen der Shuttle Busse. Ich möchte den Angels Landing Trail laufen. Ich hätte ihn gerne am nächsten Morgen gemacht, aber wir können nur eine Nacht auf dem Campground bleiben. Es ist Thanksgiving Woche und alles ist ausgebucht.

30 Minuten Wartezeit und 35 Minuten Busfahrt später erreiche ich den Trailhead und spurte los. Was soll ich sagen? Der erste Teil des Trails ist zwar vom Ausblick her schön, aber führt hauptsächlich auf einem steilen Asphaltierten Weg den Berg hinauf. Erst die letzten 150 Höhenmeter werden spannend. Auf einem recht engen Grat geht es einen versicherten Steig bis zum Trailende. Ich habe meinen Spaß und versuche die Geschwindigkeit beizubehalten, allerdings scheinen die meisten anderen Wanderer noch nie so ausgesetzt gewesen zu sein. Dementsprechend langsam bewegt sich der Pulk auf den Gipfel hinauf beziehungsweise herab. Trotzdem macht es Spaß und der Ausblick ist es wert. Das nächste Mal gehe ich aber am frühen Morgen, dann wird man wenigstens beim Aufstieg noch seine Ruhe haben. (Ich möchte mich nicht beklagen, mir war bekannt, dass der Trail sehr gern gewandert wird.)

Für die Rückfahrt muss ich den Bus in die falsche Richtung nehmen, denn für den Rückweg sind die Busse proppenvoll. So bin ich weitere 50 Minuten Busfahrt später wieder am Camp. Komischerweise hat die An- und Abfahrt genau gleich lange gedauert, wie die Wanderung des Trails. Trotzdem ist der Park wunderschön und ein weiteres Ziel auf der Liste der Gegenden, die wir wieder besuchen werden. 

Bryce Canyon

Unser Roadtrip durch Utah führt uns nun zum Bryce Canyon Nationalpark. So richtig verstehen wir nicht, warum da „Canyon“ dransteht, aber beeindruckend ist es trotzdem.  Wir besuchen beeindruckende Felsformationen und müssen dafür nie mehr als 10 Meter vom Auto weglaufen. Natürlich gäbe es jede Menge Wanderungen, aber dann müssten wir uns schon wieder aufteilen. Wir campen nur zwei Fahrminuten vom Nationalparks-Eingang entfernt und erleben eine unserer bis dato kältesten Nächte dieser Reise. Bei -12 Grad am Morgen sind wir beide früh wach und stellen fest, dass die Daune in unseren Schlafsäcken nachgelassen hat. Um uns aufzuwärmen gibt es ein ordentliches Programm Sport. Claudia geht mit Tuco los und ich jogge mich warm. Tatsächlich hat auch die Standheizung ein bisschen geholfen ;).

Slot Canyons im Grand Staircase Escalante National Monument

Wow – was für ein Name – „Grand Staircase Escalante National Monument“. Bevor ich das Kapitel in unserem Reiseführer gelesen habe, habe ich noch nie davon gehört. Hier liegen einige sehr enge Canyons, die Slot Canyons genannt werden. Daher ergänzen wir unseren Utah Roadtrip um eine Fahrt entlang der „Hole in the Rock“ Straße durch das National Monument. Interessanterweise ist gerade dieses riesige geschützte Land Teil einer Debatte in Washington. Die Regierung möchte das geschützte Gebiet um 48 Prozent verkleinern. Bodenschätze können nämlich so nicht gefördert werden. Hoffentlich kommt sie damit nicht durch, denn das Gebiet ist wunderschön. Wir erwandern die Slot Canyons „Spooky”, „Zebra Slot”, “Tunnel” und “Peek a Boo”. Die Canyons sind so eng, dass Tuco Angst bekommt und rückwärts den Rückweg antritt. Ich zwänge mich in die Canyons hinein und kann ein paar Fotos machen. Irre, was hier für eine Welt existiert, von der man außerhalb gar nichts mitbekommt.

Als wir uns auf den Weg zum Capitol Reef National Park machen, treffen wir zufällig wieder Danny und Isabel aus der Schweiz. Sie fahren uns auf einer Nebenstraße entgegen. Das ist das fünfte Treffen und da es zufällig auf Thanksgiving fällt, drehen wir noch einmal um und verbringen eine weitere Nacht im National Monument, bei Bier, Geschichten und einem guten Abendessen.

 

Capitol Reef National Park

Der Capitol Reef Nationalpark ist ein weiterer Park, von dem wir noch nie gehört haben. Schon der erste Blick ist grandios. Wir fahren an monumentalen Abbrüchen entlang und lassen uns den „Scenic Drive“ durch den Park natürlich nicht entgehen. Lange halten wir uns trotzdem nicht im Park auf, denn es ist Zeit nach Moab zu fahren.

Moab, Arches und Canyonlands‘ Island in the Sky

Als Mekka für Outdoor-Menschen und Offroad-Fahrer beworben, liegt Moab im Osten von Utah und ist für uns auf den ersten Blick tatsächlich etwas enttäuschend. Wir hatten uns vorgestellt, dass wir direkt am Ort freistehen können und die Annehmlichkeiten einer kleinen Stadt für ein paar Tage genießen können. Tatsächlich müssen wir aber jedes Mal 20 Kilometer rausfahren, um die legalen, freien Stellplätze anzufahren. Zudem werden die Temperaturen immer kälter und wir finden keine preiswerte Unterkunft, wo wir mit Tuco ein paar Tage absteigen könnten, auch bei Couchsurfing finden bekommen wir keine Zusagen.

Also bleiben wir am Gas und sehen uns die Nationalparks Arches und Canyonlands an. Die Fahrt in den Arches Nationalpark ist sehr beeindruckend und wir sehen uns ein paar dieser fantastischen Steinbögen an, allerdings mit SEHR vielen anderen Menschen.

Dagegen ist der nördliche Teil vom Canyonlands-Nationalpark  eine Oase der Ruhe, in der wir meist komplett alleine die wunderschönen Aussichtspunkte ansteuern. Leider dürfen wir den 160km langen White-Rim-Trail nicht mit Hund befahren, dafür fahren wir auf dem spektakulären Shafer Trail wieder zurück  nach Moab.

Indian Creek, die Needles und Erschöpfung

Auf dem Weg nach Süden machen wir noch einen Abstecher zum südlichen Teil des Canyonlands Nationalparks. Dabei fahren wir zufällig entlang des Indian Creek, ein MEGA-Klettergebiet in Utah.  Die Needles gefallen uns, lange Wanderungen ersparen wir uns jedoch.

Wir erwischen uns außerdem immer öfter dabei, das Gesehene und Erlebte nicht mehr zu schätzen. „Wollen wir noch am Newspaper-Rock anhalten?“ frage ich. „Nö, ist auch nur ein Stein!“ ist Claudias Antwort. Gleichzeitig werden wir beide launischer und ertragen es kaum, dass wir jeden Abend schon zwischen 18 und 19 Uhr im Bett liegen, denn es wird früh dunkel und es ist ungemütlich kalt.

Du magst dich jetzt vielleicht fragen, warum die Kälte ein Problem für uns darstellt, ein bisschen Wintercamping hat noch niemandem geschadet. Wir sind so ausgestattet, dass es bis -10 Grad ganz Ok ist und wir wahrscheinlich bis -25 Grad auch noch überleben würden.

ABER, das Leben wird einfach bei diesen Temperaturen im kleinen Land Rover sehr anstrengend und zermürbend. Unser Wasser wird draußen transportiert und friert jede Nacht durch. Der Platz im Defender ist beschränkt und es herrscht ein stetiger Kampf für angenehme Beinhaltung zwischen Tuco, Claudia und mir. Wir sitzen regelrecht aufeinander und verbringen auf jeden Fall zu viel Zeit zu nah aufeinander.

Gekocht und abgespült wird draußen. Vor allem wenn alle Camper um einen herum sich in ihren Van oder RV auf ihre Couch verziehen oder mit warmen Wasser im Camper abspülen, kommt bei uns der Neid auf.

Das ist für ein paar Tage alles kein Problem, aber wir sind müde. Wir wollen heiß duschen, entspannen, nicht mehr fahren, nichts mehr erleben, und vor allem zweistellige Plusgrade. Da liegen aber noch 600 Kilometer und ein paar Sehenswürdigkeiten in Utah und Arizona vor uns, die wir uns nicht entgehen lassen wollen. Also Arschbacken zusammenkneifen und auf geht’s!

8 comments

  1. Danke für die wahnsinnig tollen Bilder und dem Bericht,, Drive safe, have Fun & Love ,stay strong … Liebe Grüße

    1. Danke Sigfried 🙂

  2. Hi ihr beide dann macht doch einfach mal eine Pause und sucht euch für einen Monat oder länger ein Zuhause. Schaut bei Work away nach spannenden Projekten wo ihr arbeiten könnt und im Gegenzug bekommt ihr eine Unterkunft. Oder ihr fliegt mal in den Urlaub für 2 Wochen, klingt komisch aber auch von einer Reise muss man sich erholen. Lieben Gruss aus Köln

    1. Hi, Sven – warte noch auf den nächsten Beitrag. 🙂 Wegfliegen ist mit Tuco nicht so einfach drin, hätten wir sonst schon längst gemacht.

      Danke für die netten Worte!
      Bernd

  3. Hi ihr beiden, …..also ich weiß wer hier wen beneidet.

    …. sitz hier am Schreibtisch mit dem vorweihnachtlichen Projektestress und keine Ausicht auf Besserung.

    Tolle Seite habt ihr da!

    Grüßle aus Friedrichshafen, …aus der Firma mit dem blauen Logo und dem Z am Anfang 🙂

    Markus

    1. Markus, ich beneide dich ausschließlich um deine fantastische Internetverbindung, die hier wirklich grottig ist 😀 Lg zurück nach Friedrichshafen und zum Ex-Arbeitgeber 🙂

  4. Grüßt euch,

    Das sind ja klasse Fotos die ihr da habt!

    2 Fragen sind mir beim lesen aufgekommen:

    Wo verbringt ihr denn Weihnachten und Neujahr?

    Und wie weit kommt ihr eigentlich mit einer Tankfüllung / was verbraucht euer Truck auf 100km?

    Beste Grüße!
    Tim

    1. Hallo Tim, danke für das Lob!
      Frage 1: Keine Ahnung – irgenwo im Süden der USA höchstwahrscheinlich
      Frage 2: 11 Liter auf 100km, knappe 1000km Reichweite 🙂

      Cheers,
      Bernd

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