KanadaNova ScotiaPrince Edward IslandWeltreise Tagebuch

Ein schwacher Moment auf dem Weg zum Cabot Trail

Der hoffentlich letzte Schnee für eine Weile erwischt uns auf PEI (Prince Edward Insel), während wir gerade das Ostkap der Insel umrunden. Wir erfahren, dass wir gar nicht mit der Fähre zurück zum Festland können, da Saison erst in knapp zwei Wochen beginnt. Damit dürfen wir wohl erneut die 12,9 Kilometer lange Confederation Bridge überqueren. Zuvor fahren wir aber noch ein paar schöne Stellen auf PEI an. Da uns die St. Peters Bay mit Schnee und Nebel erwartet, können wir uns nur für kleinere Spaziergänge begeistern.

Semi-Perfektes Wanderwetter
Der Nebel blockiert den Blick auf die schöne St. Peters Bay

Auch am East Point hält es uns nicht lange, da der Wind uns wohl gerne die Klippen herunterpusten möchte. Am Basin Head Provincial Park finden wir aber ein schönes Plätzchen, wo wir am nächsten Tag mit hervorragendem Wetter begrüßt werden.

Kaiserwetter ist zur Zeit eher Ausnahme

Bis auf den Point Prim, kurz vor Charlottetown, verläuft der Rest unserer PEI-Umrundung völlig spektakulärlos. Allerdings besuchen wir in Charlottetown noch die Cows Creamery. Dort gibt es gar nicht so gutes Eis aber eine geniale Marketingstrategie zu entdecken.

Coole T-Shirts in der Cows Creamery
Unser letztes Nachtlager auf PEI

Wieder auf dem Festland angekommen durchqueren wir zügig das kleine Stück New Brunswick und erreichen wieder Nova Scotia. In Pictou erhaschen wir einen Blick auf die Hector, mit der 1773 die schottischen Siedler ankamen, duschen kostenlos in New Glasgow und fahren weiter nach Norden, in Richtung Cape Breton Island.

Am Cape George werden wir dann vom Frühlingsanfang überrascht. Bei Windstille, Sonne und Temperaturen über 15°C können wir endlich mal die dicken Jacken weglegen, uns auf die Wiese lümmeln und eine ruhige Nacht direkt neben dem Leuchtturm von Cape George verbringen.

In Antigonish besuchen wir den Uni-Campus und die gut bestückte Uni-Bibliothek. Auf dem Uni-Campus fühle ich mich super wohl. Ich bereue es nicht, den MBA gegen die Weltreise eingetauscht zu haben, aber so ein Uni-Studium würde mich doch reizen. Ein gutes Fachbuch und ein Stück grüne Wiese mit Baum zum anlehnen, ergänzt durch gute Professoren, lernwillige Kommilitonen und ein Zimmer auf dem Campus fände wohl nicht jeder so erstrebenswert wie ich. Auch in der Bibliothek könnte ich mich mehrere Wochen aufhalten, allerdings spielt da Claudia (zu Recht) nicht mit.

Der Uni-Campus in Antigonish

Wir wissen, dass Fabian Pickel in der Gegend ist. Wir sind seit längerem in Kontakt und würden uns gerne treffen. Fabian ist seit mittlerweile über 7 Jahren mit seinem VW-Bus unterwegs und hat davor eine Zeitlang als Untermieter bei meiner Oma gewohnt. Wir haben uns noch nie getroffen und daher wär es doch cool, das in Kanada zu machen, bevor seine Reise im Mai endet.

Die Verabredung fällt uns aber schwerer, als vermutet. Wir haben nur Telefon und SMS, aber kein Datenvolumen. Fabian dagegen hat nur Datenvolumen und kein Telefon oder SMS. Daher planen wir tatsächlich mal voraus und teilen ihm mit, wo wir genau hinfahren werden.

Ein kleiner Parkplatz an einem Trail wäre eine ideale Möglichkeit um sich zu treffen und so kaufen wir uns einen kleinen Biervorrat und machen uns auf den Weg. Endlich erreichen wir Cape Breton. Die Insel, die an die Highlands von Schottland erinnern soll, stand von Beginn an auf unserer absoluten Wunschliste für den Osten von Kanada.

Hier gibt es den Cabot Trail, der durch den Cape Breton Nationalpark führt. Das ist laut den Aussagen der uns bekannten Kanadier eine der schönsten Straßen Kanadas. Eine kurze Brücke verbindet das Festland mit der Insel.

Die Brücke nach Cape Breton

Um noch einmal ein Update von Fabian zu bekommen, fahren wir einen Tim Hortons an und erfahren, dass er es leider nicht in Richtung Süden schafft. Sein Bulli hat ein Kühlwasserleck und er wird die nächsten Tage in Sydney im Norden der Insel bleiben. Wir fahren trotzdem zum geplanten Stellplatz und staunen nicht schlecht, als wir dort ein anderes deutsches Fahrzeug vorfinden. Wir treffen auf Sonja und Jochen, die erst vor 10 Tagen ihre Reise begonnen haben und sich gerade in ihr Abenteuer eingrooven. Wie es der Zufall so will hat Jochen auch noch Geburtstag und wir feiern diesen Ehrentag bei einer ordentlichen Portion Spaghetti Bolognese. In dem Fall werden wir Fabian wohl woanders treffen.

Vlnr – Luchs, Sonja, Jochen, Claudia, Bernd, Calimero
Abendstimmung

Am Tag darauf fahren die beiden in Richtung New Glasgow, denn wir haben ihnen von der kostenlosen Dusche erzählt. Da Claudia und ich faul sind, fahren wir zurück zum nächsten Tim Hortons, um ein bisschen im Netz zu surfen. Dort treffen wir dann auf einen weiteren Deutschen. Er ist vor einigen Jahren hierher gezogen und sagt uns, dass direkt gegenüber auch eine Duschmöglichkeit ist. Das nutzen wir natürlich aus und fühlen uns etwas schlecht. Immerhin haben wir Sonja und Jochen 96 Kilometer zur nächsten Dusche geschickt, während wir nur 10 Kilometer weiter auch eine warme Dusche finden.

Den erfolgreich gestalteten Entspannungstag lassen wir bei einem schönen Spaziergang ausklingen. Hierbei entdecken wir unseren bisher größten Biberdamm. Der Biber hat laut Aussagen der Einheimischen im letzten Herbst begonnen einen kleinen Bach aufzustauen und hat ein beeindruckendes Ergebnis erzielt.

Der massive Biberdamm – im Hintergrund links sieht man auch den Bau

Der Cabot Trail beginnt für uns erst bei Margaree Forks, doch auch schon der Weg dorthin lässt sich sehen. Um nicht nur dem asphaltierten Weg zu folgen, machen wir einen Abstecher zu den Egypt Falls. Der große Wasserfall ist nur durch einen sehr steil abfallenden Wanderweg zu erreichen, was auch bei ein bisschen Regen kein Problem ist. Wir versuchen von den Egypt Falls über einen alten Bergweg wieder zurück ans Meer zu fahren, was aber nicht klappt. Der Restschnee ist noch so hoch, dass wir mal wieder nicht durchkommen.

Ein steiler Abstieg zum Wasserfall
Egypt Falls
Der Besuch lohnt sich allerdings – die Egypt-Falls sind größer als wir vermutet haben

Als wir wieder auf die Hauptstraße abbiegen wollen, geschieht etwas total Dummes. Claudia schaut immer auf der rechten Seite ob frei ist und gibt mir eine Bestätigung. Wie immer schaue ich zusätzlich selbst ob frei ist, sehe kein Fahrzeug und fahre los, obwohl Claudia ganz laut und deutlich sagt, dass etwas kommt.

Ich realisiere das zu spät, denn es passt nicht zu dem, was ich gesehen habe. Ich lenke stark nach links und kann gerade noch so verhindern, dass das Fahrzeug in uns reinfährt. Daraufhin müssen wir erst einmal anhalten, einen Kaffee trinken und durchatmen. Mir tut es leid, dass die Frau sich so erschrocken hat und dass ich beinahe einen Unfall verursacht habe.

Obwohl ich mittlerweile ein routinierter Defender-Fahrer bin, reicht ein schwacher Moment aus, um die Reise abrupt zu beenden. Einen Moment, in dem mein Kopf nicht ganz bei der Sache war, ich etwas übersehen habe und es beinahe zu einem Unfall gekommen ist. Wir hatten Glück, dass es diesmal nicht geknallt hat und werden daher vor allem in den nächsten Wochen wieder besonders vorsichtig sein.

Im Café weist uns ein Fernseher darauf hin, dass bis Mitternacht Sturmböen von bis zu 120 km/h und dementsprechende Schäden erwartet werden. Damit können wir unseren schönen Platz an den Klippen vergessen, den wir im Visier hatten und schlafen am Rand eines matschigen Weges in einem kleinen Waldstück wo wir etwas geschützter sind.

Da der letzte Tag etwas durchwachsen war, zeigen nun die letzten Kilometer nach Margaree Forks nochmal ihre Schokoladenseite mit wundervollen Stränden und tollen Klippen. In Margaree Forks biegen wir links ab und sehen das erste Mal das Schild, das uns für einige Tage den Weg weisen wird. Wir sind am Cabot Trail angekommen.

7

2 comments

  1. Hey ihr beiden,
    der Biberdmm ist der Hammer! 😀
    Und passt schön auf euch auf! 🙂
    Liebe Grüße aus dem mittlerweile auch wieder schön warmen Deutschland.
    Flora (mit Josef)

    1. Hallo ihr beiden,

      ja der Damm war sehr beeindruckend. Leider hat sich der Bewohner versteckt. Wir verfolgen eure Ausstellungen fleißig auf Facebook 🙂

      Lg Claudia und Bernd

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

Bleibe auf dem Laufenden und melde dich bei unserem Newsletter an.