AlbertaKanadaWeltreise Tagebuch

Skifahren lernen Teil 2 – schwarze Pisten und gefrorenes Gemüse


1988 fanden die olympischen Winterspiele in Calgary, Kanada statt. Für die alpinen Disziplinen wurde 60 Kilometer außerhalb der Stadt das Skigebiet Nakiska aus dem Boden gestampft. Nachdem ich in Fernie innerhalb einer Woche die ersten Ski-Basics erlernen konnte, möchte ich nun in Nakiska weiter an meinen Ski-Skills feilen um auch schwarze Pisten zu fahren (Das eigentliche Ziel ist das ordentliche Fahren von roten Pisten). Ich möchte mich in unebenem Gelände auf den verschiedensten Untergründen wohlfühlen und damit eine Basis für meine Skitourenzukunft legen. Zwei weitere Wochen sind dafür eingeplant.

Auf dem Weg ins nächste Skigebiet
Der erste Blick auf Nakiska

In Fernie konnte ich noch bei Markus übernachten, in Nakiska möchte ich in einem Hostel schlafen. Es ist mir einfach zu kalt und ungemütlich im Auto, mein ganzes Essen und Trinken gefriert und das geht ja schon einmal ein paar Nächte, ist aber auf Dauer keine Lösung. 

Hostel-Vibes

Das „HI Wilderness Hostel“, nur 2 Kilometer vom Skiresort entfernt, ist ein toller Ort um herunterzukommen. Das 14-Bett Zimmer teile ich mir während meines Aufenthalts mit maximal zwei Leuten, meistens bin ich alleine. Da der nächste Supermarkt in Canmore glatte 60 Kilometer entfernt ist, habe ich für zwei Wochen Essen eingekauft.

Kananaskis Country ist wunderschön!

Es ist erfrischend mal wieder in einem Hostel unterzukommen. Während ich die Städte-Hostels eher als Party-Hostels kenne, finde ich mich hier in einer Berghütte wieder. Anita die Hostel-Managerin kümmert sich liebevoll um die (wenigen) Gäste, die sich durch alle Schichten und Generationen ziehen.

Alle Gäste genießen die vielfältigen Wintersportangebote. Die meisten findet man tagsüber auf den präparierten Langlaufloipen oder mit Schneeschuhen auf den Trails. Zum Skigebiet verirren sich nur wenige Hostelgäste. Dafür treffe ich einige Eiskletterer, die sich auf die gefrorenen Wasserfälle der Region freuen.

Wer früh Skifahren will, sieht schöne Sonnenaufgänge

Am längsten ins Gespräch komme ich mit Bree, einer inspirierenden Bergwanderführerin, die Alpinkletterführerin werden möchte. Sie ist mit Laurie Skreslet zum Eisklettern verabredet, der 1982 auf dem Everest stand – als erster Kanadier.

Der Mann wird dieses Jahr 70 Jahre alt und hilft Bree bei der Auffrischung einiger Eisklettertechniken. Wir unterhalten uns über das Bergsteigerprogramm und Bree kennt einige Absolventen des Yamnuska Mountain Semesters. Sie ist voll von diesem Programm überzeugt und sagt mir, dass die Absolventen absolut kompetente Kletterpartner sind. Wir tauschen Kontaktdaten aus und verabreden uns zum gemeinsamen Klettern in der Gegend um Canmore.

Nach und nach merke ich in dieser Woche allerdings, welche Gemüsesorten nicht dafür geeignet sind, tiefgefroren und wieder aufgetaut zu werden. Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln und meine Bananen sind leider über den Jordan gegangen. Ich schiebe ein Burger-Lunch im Skigebiet ein und somit hält mein Essensplan trotzdem für ganze zwei Wochen.

Calli auf “Batterieladefahrt” durch die Region

Auf die Ski, fertig und los!

Dass ich zum Skifahren hier bin, habe ich nicht vergessen. Die perfekt präparierten Pisten in Nakiska erinnern mich stark an den Bregenzerwald und schon am ersten Tag geht es mit dem Skilehrer auf die schwarzen gut-präparierten Pisten. Die Herausforderungen zeigen sich in der Steilheit und Eis, aber der Skilehrer zeigt mir, wie ich immer in Kontrolle bleiben kann.  Ich habe das Gefühl, dass die Pisten in Fernie schwieriger waren, aber das liegt vor allem daran, dass die meisten blauen Pisten in Fernie nicht präpariert sind.

Ruhe vor dem Sturm am Morgen

Meine Skilehrer versuchen mir nach und nach eine bessere Haltung beizubringen. „Lean forward“, „get smaller“, „pressure on the inside ski“ oder „keep your shoulders straight“ sind Aufforderungen, die ich nicht nur einmal höre. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich es nie hinbekommen werde, die richtige Haltung zu zeigen, aber mit jedem weiteren Tag erlange ich etwas mehr Kontrolle über die Skier.

Busy busy – eher eine Randerscheinung

Nach und nach arbeiten wir an immer kürzer werdenden Kurven, dem richtigen Setzen der Stöcke und stetig an meiner Körperhaltung. Relativ schnell nehmen mich die Skilehrer mit auf schwierigeres Gelände. 

Die weiten Buckelpisten im oberen Bereich vom Skigebiet aber auch die schmalen Buckelpisten durch die Wälder der „Monster Glades“ haben es mir angetan, auch wenn die Engen und steilen Passagen zwischen den Bäumen ordentlich Kraft kosten. 

Meine erste moderate Buckelpiste

Während ich am ersten Tag mit den Skiern langsam traversiere, stoppe, eine Kurve fahre und wieder traversiere, schaffe ich es nach und nach mehr Flow in die Bewegungen zu bekommen.

Wir wechseln Übungen auf der Piste mit Übungen in den Buckelpisten ab. „Aggressives Stocksetzen“ gepaart mit der richtigen Linie durch die Buckel und der korrekten Körperhaltung sind das Ziel und wir kommen diesem Ziel über die Tage immer näher.

Zweimal verlassen mich aber die Kräfte und ich fahre richtigen Blödsinn zusammen. Beide Male rutsche ich beim Bremsen in einen Buckel hinein, und bekomme den Stoß nicht ordentlich abgefedert. Beide Male bekomme ich einen Schlag aufs Schienbein, der ordentlich schmerzt.

Das Highlight in Nakiska – die Monster Glades – Abfahrten durch den Wald

Nach 14 Tagen, fast immer an der Grenze meiner Fähigkeiten, beschließe ich die Handbremse zu ziehen. Mit meinem bis dato Bestem Skilehrer fahren wir bei einem Schneesturm im Slalom über die Buckelpiste. Sehen tun wir nicht viel. Die Schneestrukturen sind völlig unklar. Die Mischung aus Tiefschnee, keiner Sicht und die vielen langen Skitage zollen nun ihren Tribut. Mir fällt es immer schwerer die Skier zu drehen, die Energie aufzuwenden, den Stock zu setzen und den nächsten unsichtbaren Buckel abzufangen.

Meine Muskeln über den Knöcheln und an den Oberschenkeln sind gereizt, ich bin müde und mein Körper muss sich erholen. Wir beenden die Skistunden mit ein paar weniger kraftintensiven Übungen auf den präparierten Pisten und ich verschiebe den letzten gebuchten Skitag bis auf Weiteres. 

Pure Zufriedenheit

Trotzdem bin ich mehr als zufrieden mit der Ausbeute. In nur drei Wochen und 14 Skitagen habe ich unglaublich viel lernen können. Ohne Skilehrer hätte ich mir diesen Fortschritt abschminken können. Glücklicherweise habe ich durchgehend Gruppenstunden gebucht aber fast immer Einzelstunden bekommen. Während ich das hier schreibe, ist es für mich unvorstellbar, dass ich vor drei Wochen meinen ersten Pflug auf dem Kinderübungshang in Fernie gefahren bin, gemeinsam mit Normand, meinem ersten Skilehrer.

Nochmal zur Erinnerung. Das Ziel dieser drei Wochen war, dass ich mittelschwere (EU: roten, Kanada: blauen) Pisten im Parallelschwung beherrsche, die Mindestvoraussetzung für das Semester. Dieses Ziel habe ich sogar etwas übererfüllen können. Es gibt noch UNENDLICH viel zu lernen und zu verbessern, aber die Basis für die 15-tägige Skitouren-Ausbildung mit Yamnuska ist gelegt.

Die Abfahrt vom Skigebiet gestaltet sich allerdings nicht so einfach. Bei -30 Grad am Morgen und -50 Grad gefühlter Temperatur (laut Wetterbericht!) will auch Calimero nicht mehr. Erst nach einer Dreiviertelstunde am Fremdstarterkabel haben die Batterien genug Power um den Motor von Calli starten.

-30 Grad Celsius – schön von drinnen fotografiert 😀
Ab nach Canmore!

In Canmore kann ich jetzt zwei Tage entspannen, meine Lebensmittelvorräte (Frost-gerecht, ich lerne dazu!) aufstocken, noch ein paar warme Klamotten besorgen und dann geht es für Calimero und mich auf den Icefields-Parkway, Berge bestaunen!

PS: Ein genialer Tipp für Budget-Reisende im Winter in der Region, denen die Übernachtungen im Auto zu kalt werden. Mit dem HI Wilderness Pass kannst du für 269 kanadische Dollar vom 1. November bis 31. Mai in den Wilderness Hostels der Region schlafen, unbegrenzt (natürlich gibt es ein paar mehr Regeln, ich schreib dazu etwas mehr im nächsten Beitrag! Schau mal hier für mehr Details.

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