KirgisistanWeltreise Tagebuch

Ein gemeinsamer Ausritt am Song-Köl See in Kirgisistan

“Wann gehen wir reiten?” Dieser Satz brennt seit Wochen in meinen Ohren. Kein Wunder, denn in Kirgisistan scheint es in einigen Regionen mehr Pferde als Menschen zu geben. Wirklich überall sind die Pferde in diesem Land präsent. Da Claudia eine begeisterte Reiterin ist, ist diese Frage auch kaum verwunderlich.

Ich finde keine Ausreden mehr, wir werden gemeinsam ausreiten gehen. Dafür haben wir uns den Song-Köl See ausgesucht. Laut Aussagen von anderen Reisenden fährt man an eine beliebige Jurte und bittet um einen Ausritt. Keine Buchung, keine Reservierung, einfach nur hinfahren. Klasse, das entspricht unserem Reisestil!

Von Naryn führen zwei Straßen zum Song-Köl See. Unser Navi will uns auf die südliche Straße schicken, ich vermute aber ein erneutes Abkürzungsdesaster und wir wollen das ausnahmsweise vermeiden. So fahren wir ein paar Kilometer weiter sehr guten Asphalt bevor wir in die nördliche Route abbiegen. Leider erfahren wir erst im Nachhinein, dass die Südroute tatsächlich schöner ist. Dumm gelaufen!

Unser Weg zum Song-Köl war trotzdem großartig!

Uns macht die Fahrt zum Song-Köl See trotzdem Spaß und wir kommen bei Wind und Wolken am See an. Überall grasen, gallopieren, traben und liegen Pferde auf der riesigen Steppe um den See herum. Wir lieben genau diese Weite und fühlen uns pudelwohl.

Am morgen werden wir von einer Kuh geweckt, die unseren Calimero nutzt, sich am Hintern zu kratzen. Wofür ein Land Rover alles gut ist, lernt man erst auf einer solchen Tour!

Wir packen zusammen, schmieren uns mit Sonnencreme ein und fahren zur nächsten Jurte. Dort erwartet uns eine junge Familie. Der kleine Junge ist ziemlich frech, liebt aber unser Auto. Die Familie lebt dort den gesamten Sommer um Geld mit Touristen zu machen. Im Winter werden die Jurten abgebaut und sie ziehen in eine tiefer gelegene Stadt zu ihrer Familie. Die Familie hat auch die restlichen beiden Kinder in der Obhut. Nur der kleinste darf mit am See sein.

Beim Pferde holen will der kleine mitarbeiten. Was er mit der Schaufel will, bleibt uns aber ein Rätsel
Ziemlich frech versucht der kleine den Hund an der Kette im Griff zu behalten. Wer aber mit wem Gassi geht ist unklar.
Die Jurten mit dem Song-Köl See im Hintergrund

Nach kurzer Verhandlung mieten wir uns zwei Pferde für einen gemeinsamen Ausritt. Ein Guide wird nicht mitkommen, verlaufen kann man sich hier nicht. Gott sei Dank hat Claudia jede Menge Ahnung vom Reiten und ich fühle vom ersten Moment an sicher im Sattel.

Die Einweisung von den Pferdebesitzern ist auch wirklich sehr kurz. Beim Kart fahren sind diese länger und ausführlicher. Er zeigt mir wie ich den ersten Gang einlege, bremse und lenke. Alles weitere wird schon klappen.

So reiten wir los und ich finde meinen Spaß daran. Ich bin erstaunt, wie Geländegängig diese Tiere sind. Steile Steigungen, grobes Geröll, Kieselsteine, Sand. Alles kein Problem für unsere Vierbeiner.

Mir wird der erste Gang allerdings irgendwann zu langweilig und ich bitte Claudia um die Einweisung, wie ich das Pferd in den zweiten Gang bekomme ohne vom Pferd zu fallen. Einen Klapps auf den Pferdehintern und ein gebrülltes “YEEHAAA” ist bestimmt nicht die beste Idee und bewirkt im schlimmsten Fall einen Sturz und im besten Fall gar nichts.

Claudia freut sich sehr, dass ich Spaß habe und gibt mir ein paar Tipps, wie ich zu sitzen habe, wie ich mich bewegen muss und wie ich Druck ausübe um in den zweite Gang zu schalten.

Mensch, auf einmal geht es etwas holpriger vorwärts. Ich werde ziemlich durchgeschüttelt und merke schon jetzt, wo ich am Nachmittag wund sein werde. Claudia gibt mir ein paar Abzüge in der B-Note, ist aber mit dem Ergebnis zufrieden.

Abzug in der B-Note, aber im Schritt kann man sich ja mal gehen lassen 😉

Während ich immer wieder lostrabe, hat Claudia größere Mühen bei ihrem Pferd den zweiten Gang einzulegen. Ich vermute ja bereits, dass das Schaltgestänge durchgerostet ist, Claudia meint dass das Pferd wohl einfach eine lahme Krücke ist und keinen Bock auf einen Ausritt hat.

Um sie noch ein wenig mehr zu ärgern, bitte ich um die Instruktionen, wie ich meinen Vierbeiner in den dritten Gang bekomme. Das Schaltprozedere ist nicht komplizierter und mit ein wenig mehr Druck und etwas gutem zureden, galoppiere ich das erste mal mit einem Pferd. Geil! Das macht Spaß! Immer wieder bringe ich das Pferd in den dritten Gang, und schaffe bei jedem Versuch eine größere Strecke im Galopp.

Während Claudia die unglaublich sexy Marlboro-Cowboy-Szenen von hinten betrachtet (zur Erinnerung: Sie hat die lahme Krücke), galoppiere ich mit dem Song-Köl See im Rücken gen Horizont und trabe immer wieder brav zurück um mir noch ein paar Tipps zu Haltung und Steuerung abzuholen. Ich bin der Meinung, dass die Lenkung im dritten Gang etwas schwammiger wird.

Ein Ritt bis zum Horizont? Nicht ganz, denn der war ziemlich weit weg!
Da blickt mir Claudia hinterher!
Song-Köl Ausritt
Claudia vor dem Song-Köl See

Das liegt vorrangig daran, dass ich mich mit einer Hand am Sattel festhalten muss um mich richtig zu bewegen, aber nicht herunterzufallen.

Nach zwei Stunden Ausritt steige ich begeistert von meinem Pferd ab und laufe mit O-Beinen zurück zu Calimero. Das hat Spaß gemacht und wir werden sicherlich noch weitere gemeinsame Ausritte machen. Das nächste mal bekommt aber Claudia das schnellere Pferd!

Song-Köl See
Ein letzter Blick auf den See

Mit wunden Schenkeln (nur Ich) und Muskelkater im Rücken (Claudia ein bisschen, ich richtig viel) holpern wir vom Song-Kul See in drei Tagen zurück nach Osh. Die Ausblicke sind super und die Straße staubig. Über 380 Kilometer gibt es weniger als 10 Kilometer Asphalt. Dazu kommen mehrere hohe Bergpässe. Wir ziehen unseren Hut vor der lokalen Bevölkerung und hoffen für sie, dass sie irgendwann geteerte Straßen bekommen um einfacher von A nach B zu kommen. Allerdings machen diese Wege natürlich auch den Reiz für uns aus.

Die letzten 200 Kilometer nach Osh werden für uns zu einem Krimi. In beinahe jedem Ort (und es gibt extrem viele auf dem Weg) steht die Polizei und lasert. Die 40er Schilder verstecken sich in Büschen und wir müssen mit aller Konzentration die Geschwindigkeiten einhalten. Die Polizei hier ist dafür  bekannt, mit 200 US Dollar in die “Bussgeldverhandlung” einzusteigen.  Nach 15 Stellen, an denen die Polizei die Fahrer rauszieht, hören wir auf zu zählen und kommen ohne Zwischenfälle bis nach Osh.

In Osh werden wir uns nun auf unser Abenteuer China vorbereiten. Hauptsächlich braucht Calimero ein wenig Pflege und vor allem einen Schweißer.

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One comment

  1. Hi ihr zwei, tolle Fotos, geile Landschaft und originelle Texte – all das macht uns ganz viel Spaß!! Danke dafür !

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