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Ein stürmischer Abgang vom Cabot Trail

Die Hälfte vom Cabot Trail sind wir bereits gefahren.  So langsam neigen sich die Tage in Nova Scotia dem Ende, das ist zwar einerseits schade, aber wir freuen uns schon riesig auf “The Rock”, Neufundland.  Von Meat Cove wollen wir jetzt über den östlichen Part des Cabot Trail wieder nach Süden fahren. Anstatt stur dem offiziellen Cabot-Trail zu folgen, nutzen wir die Möglichkeit auch zum White Point zu fahren, der über eine Nebenstraße erreichbar ist. Das letzte Stück ist ist eine holprige ATV-Piste, auf die unser Landy gerade noch passt. Es hat einen Vorteil ein schmales Reisefahrzeug zu fahren.

White Point!

Am White Point finden wir einen sehr abgelegenen Friedhof am Ende der Klippen. Hier fristet der “Unknown Sailor” das Ende seiner Tage. Dieser wurde wohl vor 100 Jahren aus dem kalten Meer an Land gespült.

The unknown sailor

Wir haben das Thema Geocaching wieder für uns entdeckt. Fleißig suchen wir die kleinen Schätze in der Umgebung und finden dadurch die ein oder anderen wundervolle Ecke. Im Nationalpark lassen wir einige große, geplante Wanderungen aus. Laut Parkmitarbeitern ist noch kein Durchkommen möglich und schon wieder ein Sturm im Anmarsch. Schade, denn gerade der Micah Hill Trail und der Franey Trail sollen genial sein.

Viel sehen wir heute nicht mehr

Der kleine Campingplatz in Ingonish ist zwar noch nicht offen, aber die Tore wurden bereits für den Schweizer Gerry mit seinem MAN geöffnet. Das nutzen wir aus und bleiben auch da. Lustigerweise findet noch ein weiteres Schweizer Paar und ein US-Camper seinen Weg in den halb-geschlossenen Platz.

Nach einer entspannten Wanderung zum Middle Head klappen wir am Mittag das Dach wieder auf damit sich Claudia ablegen kann. Sie kämpft derzeit immer wieder mit Migräne und schiebt es auf die Wetterumschwünge. Wir müssen das Dach aber wieder zuklappen, da der Sturm immer stärker wird. Mit Jutta und Wolfang, zwei Deutschen im Landcruiser, die uns ebenfalls gefunden haben, möchten wir eine Pizza essen gehen um dem Wetter für ein paar Stunden zu entgehen.

Dazu muss man sagen, dass auf dem gesamten östlichen Cabot-Trail zu dieser Jahreszeit nur diese eine Pizzeria geöffnet hat. Allerdings nur drei Tage die Woche und auch nur Nachmittags. Trotz der selektiven Öffnungszeiten sollte die Pizzeria jetzt offen haben. Als wir aber vor den Türen stehen, ist das Licht aus und der Eigentümer kommt heraus. Es gebe keinen Strom auf dem gesamten Gebiet des Cabot Trails. Der Sturm hat wohl ein paar Leitungen zerstört. Vielleicht kommt der Strom am Abend schon wieder, damit rechnen sollen wir aber nicht. Mist!

Da wir weder bei Jutta und Wolfgang, noch bei uns zu viert mit zugeklapptem Dach sitzen können und draußensitzen auch keine tolle Option ist, verabschieden wir uns. Jutta und Wolfang fahren nach Norden. Wir haben ihnen gesagt, dass in Meat Cove ein windgeschütztes Fleckchen Erde existiert.

Wir nutzen die Gelegenheit und fahren nach Süden, wo der Wind deutlich abgeschwächter sein soll. Auf dem Weg nach Süden sehen wir, was der starke Wind mit dem Meer treibt. Die Gischt der Wellen steigt über mehrere Meter auf. Da die Sonne wieder da ist, erscheint das Meer in wundervollen Farben. Das Mistwetter hat auch seine guten Seiten, denn diese Ausblicke hätten wir an einem windfreien Tag nicht gehabt.

Langsam fahren wir nach Baddeck. Es ist eine Weile her, dass wir eine ordentliche Dusche hatten und das möchten wir ändern. In Baddeck gibt es außerdem ein Museum über Graham Bell, das ich mir nicht entgehen lassen will. Leider finden wir in ganz Baddeck keine für uns zugängliche Dusche und auch das Museum ist geschlossen. Reinfall!

Also setzen wir uns ins Tim Hortons, trinken einen Kaffee und planen unsere nächsten Schritte. Tja, und da sitzen Stefan und Juliana, die eben von einem Campingplatz kommen, der schon offen hat. Wir tauschen Nummern und ein paar Erfahrungen aus bevor wir den Cabot Trail nun endlich verlassen und in Richtung Campingplatz düsen.

Die beiden haben nicht zu Viel versprochen. Der Platz ist super schön am Ainslie See gelegen. Auf dem Weg den Cabot Trail nach Norden sind wir an dem größten Trinkwassersee von Nova Scotia schon vorbeigekommen. Wir sind damit also viel weiter im Süden, als wir eigentlich sein wollten. Aber für eine gute Dusche nimmt man auch mal einen Umweg in Kauf. Wobei es bei uns sowieso keinen Umweg gibt, denn jeder gefahrene Meter ist ein Teil der Reise.

Wir nutzen unseren ersten offenen Campingplatz in Kanada auch dazu um Wäsche zu waschen, die Radlager zu prüfen, alle Öle nachzufüllen und die Kardanwellen abzuschmieren. Nach all der Arbeit legen wir uns früh ins Bett und schauen Netflix über das gute Wifi. Viel mehr Wellness brauchen wir nicht (Claudia wird mir hier sicherlich widersprechen).

Wellness in Crow’s Nest

Als ich am nächsten Morgen mit halb geschlossenen Augen über den Platz wanke, traue ich meinen Augen nicht. Da steht ein Land Rover aus Österreich. Auch noch einer, der mir bekannt ist. Ich hab die Ausbaudokumentation dieses Fahrzeugs damals zur Inspiration genutzt, konnte aber ein paar Dinge mit dem damaligen Wissen einfach nicht umsetzen. Bernhard und Sarah sind zufällig auch hier gelandet und wir verbringen einen schönen gemeinsamen Tag und tauschen uns aus.

Wie es scheint, wird Nova Scotia wohl von einer Horde deutschsprachiger Camper überrollt. Da wir die letzten Monate kaum Reisende getroffen haben, freuen wir uns auf jede Bekanntschaft.

Sarah und Bernhard bleiben noch eine Nacht auf dem MacKinnons Campground, bevor auch sie den Cabot Trail erkunden und wir fahren entlang des Bras d’Or Sees nach Norden mit dem Ziel das Fortress von Louisburg zu besuchen.

Wenn man nur auf’s Navi schaut, landet man im See!

Was als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme nach dem Schließen der Kohleminen gedacht war ist heute ein toller, teilweiser Nachbau des alten Forts, das von den Briten bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Wir übernachten an einem kleinen Picknickplatz gegenüber des Forts und haben den ganzen Abend einen tollen Ausblick auf die Bucht und das Fort.

Der Platz ist auch noch super idyllisch. Häschen hoppeln über die Wiese, ein Eichhörnchen versucht uns zu bestehlen und die Möwen kreisen über uns. Da schmecken die Chicken-Wraps zum Abendessen gleich doppelt so gut. Am nächsten Morgen ist die Lage nicht mehr für alle Häschen so idyllisch, denn eines liegt nicht weit vom Auto herum … allerdings ohne Kopf. Die Raben tun bereits ihr bestes um auch den Rest des Hasen verschwinden zu lassen.

Mit dem Besuch im wirklich interessanten Fortress of Louisburg schließen wir das Kapitel “Maritimes” ab und besorgen uns die Fährtickets nach Neufundland für den nächsten Morgen.

Wir haben uns für Nova Scotia (insbesondere für den Cabot Trail), New Brunswick und Prince Edward Island viel Zeit genommen und das hat sich gelohnt.  Auch wenn uns die Rockies, Alaska und der Yukon unglaublich reizen, bereuen wir es nicht, den maritimen Osten von Kanada so ausführlich erkundet zu haben, aber bevor es für uns nach Westen geht – geht’s erstmal noch ein bisschen weiter nach Nordosten. Neufundland, wir kommen!

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One comment

  1. Hallo Bernd auch von uns Edelgard, Horst und Chico alles Gute zum Geburtstag nachträglich. und weiterhin eine spannende Zeit.
    Als wir in euren alten waren, waren wir unterwegs mit unserem alten T2 VW Bus nach Kamerun über Algerien, Niger Nigeria. Alles ohne Allrad, ohne Navy und GPS nur mit Karte, Kompass und dem Paperback von Klaus Därr aus München “Durch Afrika”. wo noch jede Route aus Skizzen und verbalen Beschreibungen bestand.
    Da sind wir doch heute mit unserem Toyo ungefähr 40 Jahre später komfortabler unterwegs.
    Chico mit seinen 11 Jahren ist glaube ich ganz froh, dass wir dieses Jahr nicht in die Stan-Staaten gefahren sind. Georgien und Armenien im letzten Jahr waren für ihn schon sehr anstrengend. Zentralspanien ist da schon ruhiger für ihn.
    Nach seiner Zeit werden wir wieder nach Zentralasien aufbrechen.

    LG aus der La Mancha

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