KirgisistanWeltreise Tagebuch

Trekking im Ala-Artscha Nationalpark

Wir möchten in Bishkek unser Indien Visum beantragen und während der Wartezeit im Ala-Artscha Nationalpark südlich von Bishkek wandern gehen.

Dafür statten wir uns in der Stadt mit einem Zweimann-Zelt aus und bereiten alles für das Indien Visum vor. Als wir am Tag darauf vor der Botschaft stehen, erklärt uns ein netter Inder, dass die Botschaft geschlossen habe. Vier Tage lang ist hier nichts zu machen, denn es ist Nationalfeiertag in Kirgisistan. Blöd gelaufen! Wir gehen trotzdem wandern.

Die Fahrt in den Ala-Artscha Nationalpark ist schnell erledigt. Nur 40 Kilometer und eine Stunde brauchen wir, bis wir am Eingang des Nationalparks stehen.

Dort packen wir unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg den Adygene River entlang zu wandern. Die Wanderung soll uns über 1400 Höhenmeter an zwei Tagen zu einem Gletscher und zurück bringen. Wir sind gespannt.

Claudia ist noch nie mit so viel Gepäck gelaufen, stellt sich aber wirklich gut an. Ohne Gezeter geht es steile Hänge hinauf, durch Büsche hindurch, einen steilen Abbruch herunter und immer weiter dem Fluss entlang nach oben.

Nach knapp 1000 Höhenmetern beschließen wir unser Camp aufzubauen. Morgen möchten wir mit leichtem Gepäck die restlichen 400 Höhenmeter aufsteigen und auf dem Rückweg erst das Zelt wieder mitnehmen.

Auf der Höhe unseres Nachtlagers grasen zwischen um die 45 Pferde, die die Freiheit der Berge genauso genießen wie wir. Wir sind auf dem gesamten Weg KEINEM Wanderer begegnet. Die Natur ist vergleichbar mit den Alpen, die Wege sind allerdings nicht markiert und man benötigt auf jeden Fall eine gute Karte oder wie wir ein Telefon mit den Offline Karten von Pocket Earth.

Die Pferde-Herde am grasen und schlafen

Da wir allerdings schon um 15:30 Uhr am Nachtlager ankommen und keine Kindle zum Lesen dabei haben, sind wir gezwungen, uns lang und ausgiebig zu unterhalten. Wir philosophieren über mögliche Zielorte unserer Reise, über Geschäftsideen für ein eigenes Business, wenn wir wieder zuhause sind, über Pferde, Kinder, Autos und vieles weiteres.

Die Nacht ist semi-erholsam. Wir haben eine Grundregel beim zelten verletzt: „Baue dein Zelt immer auf geradem Untergrund auf“. Wir rollen in der Nacht herum und mich plagt gemeiner Heuschnupfen auf 3000 Höhenmetern. Unfassbar!

Am nächsten Morgen wacht Claudia auf und beschwert sich über Schmerzen am großen Zeh. Der Zeh ist sehr dick angeschwollen und ich habe leichte Sorgenfalten auf der Stirn. Vor einigen Wochen, in Dushanbe, hat Claudia den Zeh überdehnt. Wir dachten, dass ist längst Geschichte.

Chaos beim zusammenpacken!

So beschließen wir den restlichen Aufstieg sein zu lassen und laufen langsam wieder zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Davor müssen wir jedoch alles wieder in unsere Rucksäcke kriegen. Wenigstens weht kein Wind und wir können uns ordentlich auf der Wiese ausbreiten!

Auf dem Rückweg laufen wir durch einen kleinen Wald, in dem sich eine Begräbnisstätte für Bergsteiger befindet. Gerade heute wird diese Stätte von Freunden und Verwandten der Opfer auf Vordermann gebracht. Die Stimmung ist teilweise heiter, teilweise bedrückend. Wir hinterlassen ein paar nette Worte im dortigen Gästebuch. Es ist wichtig, daran erinnert zu werden, dass die Natur bei Touren immer ein Wörtchen mitzureden hat.

Die letzten Meter haben es nochmal ordentlich in sich und wir kommen wirklich sehr erschöpft am Fahrzeug an. Der Muskelkater wird uns die nächsten Tage noch begleiten. Mehr sorgen macht mir allerdings Claudias Zeh. Der ist noch weiter angeschwollen und benötigt nun erstmal Ruhe. Claudia scherzt und meint: „Reiten können wir damit immerhin.“ Um eine Reittour in Kirgisistan komme ich nun wohl wirklich nicht mehr herum.

Auf dem Weg in Richtung Bishkek sehen wir das dritte Mal einen Ford mit Absetzkabine mit deutschem Kennzeichen und halten an. Kurz darauf fährt auch ein Deutscher HZJ79 mit AlphaCab Kabine heran und wir verbringen einen lustigen Abend in deutscher Runde im Ala-Artscha Nationalpark in Kyrgyzstan!

Petra und Klaus im Toyota aber auch Doris und Lothar im Ford sind unglaublich Reiseerfahren und wir tauschen den ganzen Abend Geschichten und Informationen aus. Wir verlieben uns auch in den HZJ79 namens „Expedi“ von Petra und Klaus. Die Kabine der beiden hat die optimalen Maße für Langzeitreisen. Ich war lange der Meinung, dass irgendwann ein LKW als Reisemobil herhalten sollte. Jetzt tendieren wir zum Toyota Landcruiser HZJ 79.

Leider sind die Kosten eines solchen Reisefahrzeugs nicht zu unterschätzen. Um ein solches Fahrzeug zu erwerben, müssten wir unser gesamtes Weltreise Budget ausgeben. Sei’s drum. Wir  sind mit Calimero recht glücklich und fahren weiter mit dem Land Rover um die Welt.

Zurück in Bishkek können wir endlich unser Indien-Visum beantragen. Da Claudia lahmt, bleiben wir die vier Bearbeitungstage in Bishkek im Hostel (mit Pool). Eine zweite Wanderung im Ala-Artscha Nationalpark wird für uns vorerst nicht geben. Dafür darf ich bald reiten gehen!

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