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Wir bekommen Verstärkung – Tuco der Hundewelpe aus dem Innu Reservat

Happy Valley – Goose Bay ist auf den ersten Blick nicht gerade ein Touristenmagnet. Trotzdem wird Happy Valley – Goose Bay uns immer in Erinnerung bleiben, denn hier erfüllt sich Claudias Traum und wir bekommen einen Hundewelpen aus dem nahegelegenem Innu Reservat.

Mich fasziniert an diesem Ort die hohe Anzahl von Innus und Inuit. Ich bin interessiert am Zusammenleben, an den Konflikten und der Geschichte. Dafür müssen wir hier aber ein bisschen tiefer graben. In der Touristeninformation erzählt man uns zunächst gar nichts über das Zusammenleben von Ureinwohnern und den Siedlern. Gibt es vielleicht gar nichts zu erzählen? Wir wissen von anderen, dass hier in der Nähe ein Reservat der Innu First Nation sein soll und dass hier auch die Nunatsiavut Regierung der Inuit aktiv ist.

Obwohl die Namensgebung sehr ähnlich ist, sind Innu und Inuit klar getrennte Kulturen. Die Innu sind Nachfahren von halbnomadischen Elch- und Karibujägern. Inuit haben traditionell vor allem Jagd auf Meeressäuger gemacht.

Da wir den Namen des Reservats kennen, fahren wir dem Navi hinterher, bis wir in Sheshatshiusind. Sheshatshiu oder kurz Shesh hat keinen guten Ruf. Gas-Schnüffler, Betrunkene und jede Menge Müll sollen uns erwarten. Gerade Personen, die noch nie oder erst einmal vor Ort waren, haben kein gutes Wort zu verlieren.

Was wir sehen deckt sich allerdings nicht komplett. Die Kinder spielen am Meer, ein Einwohner ruft uns heran und wir reden über alles Mögliche, lachen gemeinsam. Er meint, dass der Umgang mit den Innu in den 70er Jahren viel schlimmer war. Heute kommt man zurecht, man respektiert sich gegenseitig. Das deckt sich mit der Aussage einer älteren, weißen Person mit der ich im lokalen Museum spreche. Erst nach ordentlichem Bohren sprechen wir auch über die Konflikte. Hier vor Ort hält man wohl besser zusammen. Das finde ich klasse.

Die Hunde haben einen riesen Spaß

Uns fallen die vielen Straßenhunde auf und Claudias Herz beginnt zu klopfen. Wir überlegen schon mit dem Gedanken, einen einzupacken, als die Polizei neben uns hält. Bei den Innu werden die Hunde wohl sehr freigehend gehalten und dementsprechend gibt es hier viel zu viel Nachwuchs. Der Umgang mit den Tieren sei ebenfalls nicht immer optimal, berichtet uns der Polizist. Allerdings werden wir zuerst ausgefragt. Was ist das für ein Auto, wie lange sind wir schon unterwegs und wohin wollen wir noch fahren?

Drei Huskys ballern aus dem Meer heraus

Ich sage ihm zum Scherz, dass wir am liebsten einen der Hunde einpacken würden. Er wird kurz ernst und meint, dass das politisch sehr schwierig wäre. Aber wir sollen doch zum lokalen SPCA (Tierheim), da gibt es immer genug Vorrat an Hunden.

Spätestens als der Polizist uns einen Platz zum campen direkt nebenan in Northwest River vorschlägt, verfliegen auch unsere Sorgen, hier anzuecken. Ich bin immer wieder erstaunt, was passiert, wenn wir Empathie aufbauen möchten, offene Fragen stellen und versuchen unvoreingenommen (…naja so unvoreingenommen wie möglich) zuzuhören. Ich habe das im Business Umfeld unter dem Deckmantel von „Design Thinking“ propagiert und wir versuchen einige der Techniken auch auf der Reise einzusetzen, was sehr gut funktioniert.

Wir beschließen am Abend, dass wir morgen mal im SPCA vorbeifahren werden, auch wenn unsere Chancen bestimmt niedrig sind. Gibt man uns Reisenden überhaupt einen Hund? Wie lange wird die Bearbeitungsdauer unseres Falls wohl dauern? Es ist ja ganz nett hier, aber zwei Wochen möchten wir hier auch nicht verweilen. Das bestätigt sich auch in der Nacht. Wir werden heimgesucht. Um Calimero herum schwirrt eine unendliche Anzahl von Moskitos und irgendwie finden sie ihren Weg ins Innere. Wir kämpfen die halbe Nacht ums Überleben und starten völlig übermüdet in den nächsten Tag.

Ausblick von unserem Stellplatz in North West River

Beim SPCA sind wir total erstaunt. Hier gibt es wirklich jede Menge Hunde und ausnahmslos ALLE sind reine Huskies oder Husky-Mixes. Fotos sind verboten, da einige der Hunde im Hundeschutzprogramm sind und nicht vom Eigentümer gefunden werden sollen. Wir verlieben uns gleich in ein paar der Hunde und stellen uns vor. Die Chefin ist nicht vor Ort, wird aber telefonisch über unseren Besuch informiert.

Während wir mit den Hunden spielen und kuscheln können wir die möglichen Hunde eingrenzen. Wir würden entweder eine der beiden Elsas, Hündinnen im Alter von zwei Jahren oder eins der beiden 6-Monate alten Puppies nehmen.

Wir füllen unsere Bewerbung aus und stocken bei dem Thema „Referenz-Nummern“. Sie wollen andere Menschen anrufen, die etwas über uns zu erzählen haben, am besten aus Kanada. Wir geben Jeff, Binnie und Nolan aus Kanada aber auch sicherheitshalber unseren alten Mitbewohner Andreas an. Jeff ist der Captain der Piraten. Binnie hat uns in Halifax für drei Tage aufgenommen und bei Nolan haben wir mehrere Nächte in Neufundland verbracht.

Die Mädels im Tierheim versichern uns, dass wir in ein bis zwei Tagen schon Bescheid bekommen. Wir können morgen einfach noch einmal vorbeikommen und uns schon einmal auf den richtigen Hund einigen.

Während die Bewerbung also ihren Gang nimmt, suchen wir uns wieder einen Stellplatz. Wir fahren aus Goose Bay heraus und enden an einem wundervollen kleinen Strand, neben einer Wetterstation. Doch auch hier flüchten wir schon früh ins Auto, denn die Moskitos sind erbarmunglos. Wieder einmal ist die Nacht schrecklich, aber ich lasse mich diesmal stechen um wenigstens ein paar Stunden zu schlafen. Claudia leidet mit mir, denn obwohl sie deutlich weniger Stiche davonträgt, muss sie meine Mückenjagd in der Nacht aushalten. Die Aussicht auf einen Hund und die damit verbundene Nervosität tragen nicht zu einem guten Schlaf bei.

Wundervoller Platz am Wasser – nur Moskitoverseucht

Als wir dann am nächsten Tag erwartungsvoll vor dem SPCA stehen, ist die Chefin auch da. Wir reden lange um den heißen Brei herum, bis sie uns mitteilt, dass sie uns keinen Erwachsenen Hund mitgeben kann. Die Streuner hier tendieren ausnahmslos zu den Wegrennern.  Die Gefahr, dass der Hund bei offener Tür aus dem Auto springt und für immer weg ist, sei zu groß. Dasselbe gilt für die beiden 6-Monate alten Puppies, die auf der Straße aufgewachsen sind und mit der Mutter schon auf Kaninchenjagd waren.

Allerdings dürften wir einen Welpen mitnehmen. Sie hat erfolgreich mit Binnie und Nolan telefoniert, außerdem findet sie uns sympathisch. WOW, ein Welpe. Damit haben wir eigentlich nicht mehr gerechnet. Eigentlich wollten wir keinen Welpen. Das mag aber auch an den immensen Kosten gelegen haben.

Diesmal ist unser beides Bauchgefühl anders. Mein erster Blick fällt auf den cremefarbenen Tuco. Allerdings zeigt er sich nicht von seiner Besten Seite und kämpft mit lautem Knurren um seinen Ball. Die Husky-Mädels sind da entspannter unterwegs. Tuco ist aber mit 10-11 Wochen schon ein bisschen älter als die 9 Wochen alten Mädels und am Ende entscheiden wir uns für ihn.

Er hat eine harte Welpenzeit hinter sich. Mit drei Wochen wurde er bereits von der Mutter getrennt nur drei weitere Wochen später ins Tierheim gebracht. Immerhin hatte er dort vier Wochen Zeit mit den anderen Welpen zurechtzukommen.

Jetzt geht alles sehr schnell. Innerhalb einer Stunde checken Tuco beim Tierarzt durch, lassen uns die notwendigen Dokumente ausstellen, chippen ihn und bekommen eine Grundausrüstung vom Tierheim mit auf den Weg.

Ab sofort beginnt für Tuco das Leben als Reise- und Familienhund!

Da wir hier nicht sehr viel über Tuco berichten werden (es ist ein Reiseblog und kein Hundeblog) haben wir für Tuco einen eigenen Instagram Account angelegt. Dort teilen wir ausschließlich Hundebezogene Bilder. Schaut rein und folgt Tuco, wenn ihr Interesse daran habt. www.instagram.com/tucothetravelpup

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5 comments

  1. Aaaaaawwww!!!! <3

  2. Zitat „Ich bin immer wieder erstaunt, was passiert, wenn wir Empathie aufbauen möchten, offene Fragen stellen und versuchen unvoreingenommen (…naja so unvoreingenommen wie möglich) zuzuhören. Ich habe das im Business Umfeld unter dem Deckmantel von „Design Thinking“ propagiert“:
    Jetzt wird‘s abenteuerlich: Grundfähigkeiten des menschlichen Umgangs mit Design Thinking zu verbinden, ist ein „interessanter“ Gedankengang… 🤔

    1. Design Thinking baut zu einem Großteil darauf auf, die Menschen an genau diese Grundfähigkeiten zu erinnern. Vor allem im Arbeitsumfeld wird oft vergessen, offene Fragen zu stellen und unvoreingenommen (den Kunden) zuzuhören.

  3. Oh ist der süss! Gute Reise euch Dreien und alles Gute mit eurem “Baby”!

    Liebe Grüsse aus Bolivien
    Veronica

  4. Hallo,
    jetzt wirds noch enger im Defender 😉
    Grüße
    Heinz

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