TurkmenistanWeltreise Tagebuch

Verrücktes Turkmenistan

Hast du schon von Turkmenistan gehört? Wenn nicht, ist das auch nicht verwunderlich. Turkmenistan ist ein sehr isoliertes Land mit bekannteren Nachbarn wie Afghanistan oder Iran.
Hier herrscht seit dem Ende der Sowjetzeiten ein verrückter Präsident nach dem anderen.
Der erste, Saparmyrat Nyýazow, schrieb seiner Zeit ein Buch, welches am Wochenende studiert werden musste und auch für die Führerscheinprüfung erlernt werden musste. In diesem Buch, der Ruhnama, stehen viele fragwürdige Thesen, wie zum Beispiel, dass die Turkmenen das Rad erfunden haben. Der Präsident ließ auf Lebenszeit wählen, entledigte sich der Opposition und benannte den Monat Januar in „Turkmenbashi“ um, was „Führer der Turkmenen bedeutet“. Den Monat April widmete er namentlich seiner Mutter.

Als der Präsident sich nach einer Herz-OP das Rauchen abgewöhnen musste, hat er beschlossen, dass Rauchen in der Öffentlichkeit nun verboten sei. Das Gesetz gilt bis heute.
Als Präsident Nyýazow 2006 stirbt, übernimmt dessen Leibzahnarzt Berdimuhamedow das Amt des Präsidenten. Berdimuhamedow liebt das Reiten und gewinnt tatsächlich jedes Pferderennen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Als er einmal stürzte und bewusstlos wurde, wurden die Zuschauer, unter anderem internationale Medien, gezwungen, Aufnahmen davon zu löschen. Das staatlich kontrollierte Fernsehen hat davon nicht berichtet.

Beide Präsidenten jedoch teilen eine Passion – und das ist die Farbe weiß. Der Zahnarzt und heutige Präsident Berdimuhamedow bringt weitere unverständliche Gesetze heraus. Nur weiße Fahrzeuge dürfen importiert werden und einmal die Woche muss das Auto geputzt werden. Wenn man aus der Wüste in die Stadt kommt, muss das Auto ebenfalls geputzt werden. Alles muss glänzen.

Wenn man in die Stadt Asghabat fährt wird man vom weiß beinahe erschlagen. Überall stehen weiße Gebäude mit grünen Dächern, dazwischen weiße Paläste mit viel Blattgold verziert. Die Straßenmasten sind weiß, die Autos sowieso. Für jedes Ministerium wurde ein großer Palast gebaut. Es gab bereits einen Palast für den alten Präsidenten, der neue Präsident hat natürlich einen neuen Palast gebaut. Die Straßen sind blitzblank sauber, zumindest die Hauptstraßen. Dafür sorgt eine riesige Putzkolonne.

Für besondere Momente gibt es einen Hochzeitspalast, für Hotelgäste eine kleine Version vom Burj Khalifa und für Menschen ohne Höhenangst sogar das größte Indoor-Riesenrad der Welt. Doch wer soll das alles nutzen? Die Straßen in Ashgabat sind leer. Es fahren sehr wenige, natürlich weiße, Autos durch die Stadt. Stau erleben wir nicht. An den großen Plätzen, vor den Ministerien und in den meisten Parks finden wir ausschließlich Polizisten vor.
Es ist merkwürdig, dass in einem Land, in welchem eigentlich zu wenig Trinkwasser vorhanden ist, so viele Brunnen sind. Wasser wird hier verschwendet, aber der Aral See ist ja dafür bekannt, immer größer zu werden.

Hochzeitspalast
Hochzeitspalast – Bild von Pixabay

Dieses Jahr finden die Asian Indoor and Martial Arts Games in Ashgabat statt. Hierfür wurde für jede Sportart ein Stadion gebaut. Daher gibt es jetzt zum Beispiel ein Schach Stadion und ein 3 gegen 3 Basketball Stadion. Das große Olympiastadion wird wahrscheinlich ausschließlich für die Eröffnungsfeier genutzt. Der Präsident hat seine Lounge in einem riesigen Pferdekopf der von oben in das Stadion blickt.

Stadion Turkmenistan
Der Pferdekopf mit der Präsidentenlounge

Die Spiele kosten rund 5 Milliarden Euro und kaum jemand hat je davon gehört. Da derzeit Turkmenistan sehr viele Visa ablehnt, können wir uns auch kaum vorstellen, dass sehr viele Gäste kommen werden. Immerhin bekommen die Sportler alles was sie brauchen. Jedes Land bekommt einen eigenen Unterkunfts-Turm inklusive eigenem Trainingscenter.
Zu dem Zeitpunkt, zu dem wir in Turkmenistan sind, sind es nur noch 50 Tage bis zum Beginn der Spiele, die mit 5 Milliarden Euro etwa so viel kosten wie die Olympischen Spiele in Rio.

Zur Feier der baldigen Spiele darf an diesem Tag im Land kein Auto gefahren werden und es soll Sport gemacht werden. Die Einwohner von Ashgabat werden sowieso angehalten, regelmäßig den 30km langen Gesundheitspfad zu gehen, der nachts in den Bergen um Ashgabat beleuchtet wird. Von den Ministern wird das sogar einmal im Monat erwartet.

„Initiated by President Gurbanguly Berdimuhamedov, the streets of Ashgabat were open only to cyclists, with thousands of Turkmen taking advantage of the opportunity to ride. The esteemed President took up the challenge himself, cycling his way through the capital, along with a distinguished group of Ministers, officials and government representatives, who all joined residents of the city on this festive day.“ Von der offiziellen Webseite der Games.

Da werden viele Transit-Visa nicht genehmigt und unseres wird ausgestellt, obwohl wir nicht fahren dürfen? Großartig!

So verbringen wir zuerst eine gute Zeit mit einigen Monteuren der Firma Krones in einem Biergarten. Dort treffen wir auch eine Mitarbeiterin der deutschen Botschaft und ihren Mann. Von den beiden werden wir zu Ihnen nach Hause eingeladen. Wir nehmen dankend an, denn die erste Nacht vor dem Hotel Ak Altyn war sehr warm und wir haben kaum geschlafen. Eine Nacht im Hotel kostet für Ausländer 75 US Dollar, für Einheimische nur 30 US Dollar. Wenigstens ist Camping umsonst.

Das Auto lassen wir mit dem staatlich verordneten GPS Gerät vor dem Hotel stehen, denn wir möchten nicht in Schwierigkeiten kommen. Erst am Morgen wurde ich lange und genau von einem Mann in der Hotellobby beobachtet. Der Herr saß gegenüber von mir und hat regelmäßig seinen Blick vom Handy auf mich geworfen. Als ich die Toilette auf der anderen Seite des Hotels nutze und zurücklaufen möchte, sitzt der Herr mit Blick auf die Toilette auf einmal in einer anderen Sitzecke. Ich gehe durch die Hotellobby zurück zu meinem Platz auf dem gemütlichen Sofa und schreibe an einem Blog Beitrag über den Grenzübertritt nach Turkmenistan weiter. Als ich aufblicke, sitzt derselbe Herr wieder gegenüber von mir und sieht mich an. Vielleicht bin ich paranoid, aber wir glauben er hat uns beschattet. Daher beschließe ich, das Einreiseprozedere erst in Usbekistan zu schreiben, man weiß ja nie!

In der British Bar, haben vom Organisationsteam der Spiele erfahren, dass auch ihnen das passiert. Zudem hat jeder Mitarbeiter des internationalen Teams einen eigenen Studenten als Ansprechpartner, der sich dauernd um einen bemüht und kümmert.

So kurios diese Stadt und dieses Land auch ist, genießen wir es wirklich. Die Stadt ist eine Mischung aus Pjöngjang und Las Vegas und ist atemberaubend schön. Wir trinken nach 45 Tagen im Iran Bier, finden einen gigantischen Supermarkt mit ALLEM was man benötigt und verbringen einen wundervollen Abend mit der Botschaftsmitarbeiterin und ihrem Mann.
Der Einblick in das Leben als Diplomat erstaunt uns sehr. Ich könnte mir das vorstellen. Claudia findet den Gedanken doof, alle drei Jahre an einem anderen Ort zu leben zu müssen. Mama, ich weiß – du auch!

Hochzeit Turkmenistan
Hochzeitsfrisuren in Turkmenistan

Von Ashgabat fahren wir, dank dem Tag Zwangspause, an einem Tag bis nach Bukhara in Samarkand. Die Hitze ist definitiv gegen uns, aber wir müssen sowieso bis zur Grenze kommen, denn die Transit-Uhr tickt. Wir fahren an diesem Tag über 800 Kilometer und machen damit die längste Tagesetappe auf unserem bisherigen Trip. Völlig zerstört kommen wir in Bukhara um 23 Uhr Abends an. Der Grenzübergang ist langwierig, aber lange nicht so anstrengend, wie die Einreise. Dazu bald mehr im nächsten Grenz-Report. Eins haben wir jedoch mal wieder gelernt, kurz vor Sonnenuntergang sollte man keine Grenze mehr angehen, denn in einem neuen Land bei Dunkelheit echt fiese Straßen zu fahren ist nicht so toll.

Entschuldigt, die wenigen Fotos – wir haben die Kamera im Auto gelassen, die Tage waren anstrengend und fotografieren ist auch nicht sehr gerne gesehen in Turkmenistan.

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