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Verschiffung eines Reisemobils von Mumbai – Tipps und Tricks

Da Indien für manch Overlander als freiwillige Endstation in Asien gilt, möchten ich mit diesem Artikel ein bisschen Licht ins Dunkel bringen. Denn wenn es über Land nicht weitergeht, dann kann man immer noch verschiffen. Wir haben das von Mumbai gemacht. Hier findest du einige Tipps & Tricks, wie du deine Verschiffung aus Mumbai mit weniger Bauchweh überstehst wie wir.

Was für Auswege gibt es denn aus Indien?

Bevor du über eine Verschiffung aus Indien nachdenkst, möchte ich auf ein paar weitere Optionen hinweisen, die du vielleicht noch nicht in Betracht gezogen hast.

Über Nepal nach China

Du kannst ohne weiteres aus Indien nach Nepal einreisen. Von dort kann man eine geführte Tour durch Tibet buchen und sich somit den Weg nach Kirgisistan, Laos, Kasachstan oder sogar in die Mongolei ebnen. Nachteil dieser Variante ist der Preis, denn das kostet viel Geld. Mit dem Motorrad lässt es sich gut aus Kathmandu ausfliegen. Bevor du dein Motorrad aus Indien verschiffst, fahre lieber nach Kathmandu und fliege von dort. Martin und Xenia von XT-Adventures können dir ein Lied davon singen.

Über Pakistan in Richtung Europa

Du fährst von Europa nach Indien? In Islamabad kannst du dein Single Entry Pakistan Visum zu einem Double Entry Visum verändern und dabei auch die Gültigkeit verlängern. Wenn du das hast,  kannst du dir nämlich die ganze Verschiffungsgeschichte sparen und einfach wieder durch Pakistan und den Iran zurückfahren.

In Indien ist es laut Aussagen der Botschaft nicht möglich ein Pakistan Visum zu bekommen. In Nepal gibt es immer wieder Erfolgsmeldungen, dass ein Pakistan Visum in der dortigen Botschaft ergattert wurde. Wirklich verlässlich ist das aber nicht.

Am besten kümmert man sich schon in Pakistan um die Rückreise, falls man das in Betracht zieht. Andernfalls muss man seine Pässe nach Hause senden (was aus Indien per Post verboten ist!) um sich in Deutschland für ein Pakistan Visum zu bewerben.

Durch Myanmar und Thailand hindurch

Um mit einem Auto oder Motorrad durch Thailand zu fahren, benötigt man in Myanmar (schon lange) und Thailand (seit 23. Dezember 2016) einen Guide. Es muss viel Papierkram erledigt werden und das hat seinen Preis.

Laut dem Department for Land Transportation in Thailand sind Motorräder, PKWs und Pick-Up Trucks erlaubt, Vans, Camper, Busse und Trucks aber nicht. Dazu kommt unnötige Bürokratie, Einschränkungen was den internationalen Führerschein angeht und noch einiges mehr, was von einer Reise durch Thailand abschreckt.

Falls man von Laos, Cambodia oder Malaysia kommt, kann man einfach an die Grenze fahren und probieren, ob man durchkommt. Das hat bei Freunden von uns funktioniert. Von Indien und Myanmar ist das allerdings mit einem hohen Risiko verbunden im No-Mans-Land hängenzubleiben, falls es die Agentur für Myanmar überhaupt zulässt. Denn wenn man es nicht nach Thailand schafft, kommt man auch nicht einfach wieder zurück nach Myanmar.

Infos zur Thailand-Durchquerung findet man in der Facebook Gruppe „Thailand – New regulation affecting overland travellers on foreign vehicle“. Allerdings muss man aufpassen, da die Gruppe von einigen Tourenanbietern infiltriert ist.

Von Mumbai verschiffen

Falls keine der genannten Optionen von Relevanz für dich sind, dann bleibt nur die Verschiffung aus Indien. In Mumbai ist das gut möglich. Man kann entweder per RORO (Roll on, Roll off) oder im Container verschiffen.

Der RORO Hafen befindet sich im Herzen von Mumbai. Der Containerhafen Nhava Sheva befindet sich 50 Kilometer außerhalb von Mumbai.

Eine Verschiffung von Mumbai nach Nordamerika, Neuseeland oder Australien bedeutet, dass man sein Fahrzeug sehr gründlich reinigen sollte. Das reinigen auf diesem Level ist in Mumbai sehr beschwerlich und sollte sich überlegt werden. Wir haben das durchgemacht und möchten es keinem empfehlen. Link zur Putzaktion

Der Agent

In Mumbai gibt es mehrere Verschiffungsagenten, denen man allen die Informationen aus der Nase ziehen muss. Das ist manchmal mit langen Antwortzeiten verbunden und auch wenn eine Agentur schon viele Overlander-Fahrzeuge verschifft hat, funktioniert es manchmal gut und manchmal nicht so gut!

Denk nicht mal darüber nach das ohne Agenten zu erledigen. Wir haben versucht mehrere Angebote einzuholen und können schlussendlich nur einen Agenten empfehlen, mit dem auch wir gearbeitet haben. DKB Schenker war um ein vielfaches teurer und von IVSS haben wir niemals eine Rückmeldung erhalten.

SECO Shipping hat eine gute Arbeit geleistet, auch wenn der Informationsfluss nicht optimal war. Mustafa hat sein Office in Ballard Estate in Mumbai und ist ein hilfsbereiter, netter Mann. Die Kommunikation über WhatsApp hat deutlich besser funktioniert als über E-Mail.

Mustafa hatte für mehrere Tage meinen Reisepass und mein Carnet-De-Passage, beides Dokumente die ich im Normalfall nicht aus der Hand gebe.

Übernachtung und Vorbereitung in Mumbai

Wir haben uns lange gefragt, wie wir die Vorbereitung in Mumbai machen können und hatten auch große Sorgen, dass wir keine gute Stelle dafür finden. Allerdings gibt es einen Engel in Mumbai, der Daniel heißt. Daniel hat im Zentrum eine Tankstelle, an der man campen kann und wo man sein Fahrzeug für die Verschiffung vorbereiten kann. Das parken über Nacht hat uns 400 Rupees pro Nacht gekostet, egal ob wir im Auto geschlafen haben oder nicht. Daniels Tankstelle ist 5 Gehminuten vom SECO-Shipping Office entfernt und liegt daher sehr gut. Es ist nachts sehr ruhig, Daniel hat ein Klo und man kann sich auch waschen.

Wenn du nicht im Auto übernachten kannst oder mit dem Motorrad da bist (ernsthaft? Fliege lieber aus Kathmandu aus!) und eine günstige Unterkunft suchst, können wir das Travellers Inn empfehlen. Für 1800 Rupees pro Nacht konnten wir ohne AC übernachten. Man merkt dem Hotel allerdings seinen Low-Budget Status an allen Ecken und Enden an. Daniel kann dir vor Ort Empfehlungen für gute Restaurants geben.

Facebook Profil von Daniel

Vor allem aber, können dir Daniels Jungs beim putzen helfen – und das für einen akzeptablen Betrag.

Shipping from Mumbai - Verschiffung aus Mumbai
Unser Nachtlager

Die wichtigsten Koordinaten in Mumbai

Daniels Tankstelle: 18.935821, 72.840606, melde dich am Besten bei ihm an. Facebookprofil
Mustafas Office: 18.937764, 72.839525 (2. Stock im kleinen Treppenhaus hoch)
RORO-Hafeneinfahrt: 18.948976, 72.841165
Nhava Sheva Hafeneinfahrt: 18.914400, 72.989460

Der Ablauf in Mumbai

Dokumentenabgabe

Du solltest ca. 5 Tage vor Abgabe des Fahrzeugs in Mumbai sein und die Dokumente an Mustafa abgeben. Vereinbare am besten einen Termin und einen groben Ablauf mit Mustafa, damit er auch Zeit hat, die Verschiffung vorzubereiten. Es müssen die folgenden Dokumente abgegeben werden:

  • Reisepass
  • Carnet de Passage
  • Kopie des Fahrzeugscheins

Du musst zudem einige Unterschriften abgeben, damit Mustafa die Vollmacht hat, mit deinen Zolldokumenten zu arbeiten.

Bezahlung

Die Bezahlung erfolgt in Mustafas Büro, spätestens am Tag der Fahrzeugabgabe, besser jedoch einen Tag davor.

Bei einer Bezahlung per Überweisung oder Kreditkarte fällt bei SECO Shipping eine Gebühr von 3 Prozent an. Um das zu vermeiden, sollte man sich bereits frühzeitig um die Beschaffung der Barreserven kümmern. Mustafa nimmt Euros, Dollars und Rupees. Die Bankomaten geben pro Auszahlung maximal 10.000 Rupees aus. Bei uns war nach 5 Auszahlungen pro Kreditkarte aber Schluss für mehrere Tage. Wir haben dann mit einem Mix aus Rupees und Euros bezahlt.

Wichtig: Der Preis ist immer exklusive der Zielhafengebühren, die auch nochmal sehr hoch sein könnten.

RORO Verschiffung

Bei RORO Verschiffung wird das Fahrzeug im Hafen an einen Fahrer übergeben. Dieser erhält von dir wichtige Informationen, wie das Fahrzeug zu bedienen ist. Das Fahrzeug wird dann „sicher“ im Hafen abgestellt, bis er aufs Schiff geladen wird. Bis zu einer Woche ist dies kostenfrei, danach kostet es 300 Rupees am Tag.

Für das Angebot musst du die exakten Maße des Fahrzeugs kennen und angeben. Im Hafen wird dann noch einmal nachgemessen um den finalen Preis zu bestimmen.

Container Verschiffung

Bei einer Containerverschiffung muss man selbst zum Containerhafen fahren. Eine Fahrt von Daniels Tankstelle bis zum Nhava Sheva Hafen, kann gut und gerne zwei Stunden dauern. Manchmal sogar länger. Falls du einen Trailer brauchst, hilft dir Daniel dabei, diesen zu bekommen. Der Trailer darf allerdings nicht über den Freeway fahren und kommt mit Sicherheit nicht zur vereinbarten Zeit an. Daher solltest du dafür einen Puffer einplanen. Unser Trailer hat 8500 Rupees gekostet. Jede weitere Stunde Wartezeit lag bei 500 Rupees.

Eventuell muss man das Fahrzeug wiegen. Auf dem Weg zum Hafen gibt es mehrere Wiegestellen, Daniel wird dir helfen, diese zu finden. Die Gupta Weighing Bridge findest du hier: 19.068283, 73.009644.

Im Hafen wird ein Agent den Papierkram erledigen während man selbst nur warten kann. Irgendwann kommt ein Zollbeamter und untersucht Motornummer, Chassisnummer und wird unter Umständen das Fahrzeug durchsuchen (war bei uns nicht der Fall).

Nach der Kontrolle sollte der Container ankommen. Das Fahrzeug darf man selbst in den Container fahren.

Du solltest absolut sicher sein, dass dein Fahrzeug in den Container passt. Man muss auf die Türmaße achten und auch darauf, dass es einen Einfahrtswinkel gibt. Damit verringert sich die tatsächliche Höhe, die man erreichen sollte. Es gibt in Mumbai recht flache Rampen. Wir sind mit circa 2,25 Meter Höhe gut durch die 2,27m Hohe Türöffnung gekommen.

Vor dem reinfahren haben wir Reifendruck abgelassen, den wir im Container wieder eingefüllt haben. Das ist besser für die Reifen.

Wenn man mit der eigenen Vorbereitung fertig ist, kommen die „Lasher“ und befestigen dein Fahrzeug im Container. Danach wird der Container verschlossen und versiegelt. Damit ist man am Hafen durch. Wenn man Glück hat, bekommt man direkt das Carnet-de-Passage zurück. Ansonsten kann man es am folgenden Tag im Office von Mustafa abholen.

Wir haben eine Dachbox zusätzlich hinter dem Auto auf dem Boden verzurren lassen. Das ist kein Problem.

Nach getaner Arbeit kommt man von Nhava Sheva mit dem Tuktuk zur Fähre und mit der Fähre zurück nach Mumbai (Gateway of India).

Tipp: Nimm eine Jacke mit, am Abend kann es kalt werden, die Fähre hat keinen Innenraum.

Bill of Lading

Die Seaway Bill oder auch Bill of Lading bekommt man im Normalfall wenige Tage nach Beladung des Containers auf das Schiff. Eigentlich benötigt man das Originaldokument um seinen Container im Zielhafen auszulösen. Auf der Bill of Lading stehen auch wichtige Informationen, wie die Containernummer oder der Reederei-Agent am Zielhafen.

Da man ein Schiff auch verpassen kann, empfehle ich die Nutzung einer „Express Bill of Lading“. Diese wird einem im Nachgang per E-Mail zugesandt. Dafür muss Mustafa die Originale Bill of Lading bei der Reederei abgeben.

Daher dauert die Ausstellung der Express Bill of Lading länger. Allerdings braucht man damit nicht auf das Originaldokument zu warten und kann Mumbai verlassen.

Die Express Bill of Lading hat für uns 4130 Rupees gekostet und war nicht im initialen Angebot enthalten.

Fumigation

Falls mit Mustafa eine Begasung des Containers vereinbart wurde, findet diese nach der Versiegelung statt. Diese ist nicht im Angebot enthalten und kostet 2950 Rupees extra und war nicht im initialen Angebot enthalten.

Versicherung

Es kann eine Total-Loss Versicherung abgeschlossen werden. Der Versicherungswert ist der Wert, der auf dem Carnet-de-Passage angegeben wird plus 10%. Die Kosten belaufen sich in etwa auf 1,5 % des Fahrzeugwerts + Steuer.

Mitfahren

Auf dem Schiff mitzufahren ist von Mumbai aus nicht möglich, da es keine Personenabfertigung beim Zoll gibt. Das gilt sowohl für Container als auch für RORO-Verschiffung.

Schlusswort

Die Verschiffung aus Mumbai kann ein Nervenkrimi sein. Dinge ändern sich schnell, Wartezeiten können extrem lange sein. Termine können sich verschieben. Wir wussten erst 5 Tage vor Abreise, wann wir genau unseren Container beladen und wann das Schiff geht. Die Preise der Reederei haben sich mehrfach in den Wochen davor geändert (natürlich nicht zu unseren Gunsten). Daher solltest du viel Geduld mitbringen. Wichtig ist vor allem, dass du klärst, wann du welches Dokument zurück bekommst. Denn für den Agenten ist es vollkommen OK, ein Carnet-de-Passage oder die Bill-of-Lading per Kurier irgendwo hin zu senden. Das wäre für uns jedoch keine Option gewesen.

Wir haben uns für Containerverschiffung entschieden, da wir sonst den gesamten Innenraum hinter dem Fahrer- und Beifahrersitz hätten sichern müssen. Preislich lagen beide Varianten sehr nahe beieinander.

Wir haben zusammengerechnet 3309 Euro für die Verschiffung, Fumigation, die Versicherung, Express Bill of Lading, den Transport und die Putzhilfe bezahlt. Das versteht sich natürlich exklusive der Zielhafengebühr.

Unsere persönliche Geschichte aus Mumbai kannst du hier nachlesen.

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