IndienWeltreise Tagebuch

Frühjahrsputz und Hafenwahnsinn in Mumbai

Das Strandleben war so gut, dass wir tatsächlich auf den Tag genau 2 Monate am Agonda Beach geblieben sind. Wir haben unser Nachbarn lieb gewonnen, kannten die guten Restaurants, die Wäschedame nannte Claudia beim Namen und wir wussten, wo wir günstig einkaufen können.

Eigentlich war das auch gut so, aber uns juckt es weiterzufahren. Wir wollen ein Kapitel hinter uns bringen, das uns schon länger im Magen liegt. Die Verschiffung von Calimero nach Kanada.

Wir haben herausgefunden, dass Calimero sauber sein muss für eine Verschiffung nach Kanada. Falls bei einer potentiellen „Foreign Soil Examination“ Dreck gefunden wird, sind die Konsequenzen haarsträubend.

Unsere erste Schlappe gab es, als uns Andreas auf Facebook geschrieben hat, dass er nach Vancouver verschifft hat und der Container wieder zugemacht wurde, weil man wohl etwas gefunden hat. Aber anstatt in eine Quarantäne zu kommen, begast zu werden oder nachputzen zu müssen, wurde der Container auf direktem Wege wieder zu seinem Ursprungsort gesendet, ohne dass Andreas eingreifen konnte.

Das liegt wohl daran, dass in Vancouver keine Einrichtung existiert um in diesem Fall das Fahrzeug auf Halterkosten zu reinigen. Bei ihm ging das Auto zurück nach Holland. Bei uns würde das die Verschiffung zurück nach Mumbai bedeuten.

Vor dieser harten Konsequenz und dem Wissen, wie viele Drecknester unser Calimero hat, haben wir Angst bekommen. So haben wir um ein weiteres Angebot nach Halifax gebeten und auch prompt eins bekommen. Das gute an Halifax ist, dass es dort eine Einrichtung gibt, wo das Auto nachgeputzt werden kann.

Wir haben aber auch schon die Horror-Stories gehört, dass das 160 kanadische Dollar die Stunde kostet und durchaus mehrere Stunden veranschlagt werden. Auch von Halifax sollen schon Container wieder zurückgeschickt worden sein, aber die Chance ist größer, dass wir im Fall der Fälle in Kanada bleiben können.

Einen Haken hat das leider, die Verschiffung ist knappe 1000 Euro teurer. Das ist ein herber Schlag in die Reisekasse, aber eine Rückverschiffung nach Mumbai wäre deutlich teurer.

Wir haben über die letzten Tage viele Kommentare erhalten, die im O-Ton sagten: „Musst gar nicht so genau putzen, bei mir war das kein Problem“. Allerdings verschiffen wir für einen deutlich teureren Preis aus einem deutlich schwierigerem Land als Deutschland. Daher gehen wir gerne auf eine Nummer sicher und möchten unseren Calimero daher gründlich reinigen.

Von Agonda fahren wir wehmütig davon. In den letzten Tagen sind einige alte Bekannte wieder eingetrudelt. Außerdem verlassen wir mit Mathias, seinen Hündchen Joey und Maya sowie unseren Dresdner Bus-Nachbarn Freunde, die wir nun lange nicht mehr sehen werden.

In nur zwei Tagen preschen wir nach Mumbai, dort müssen wir unseren Calimero für die Verschiffung vorbereiten. Wir wollen ihn von außen und innen reinigen. Dadurch, dass wir keine Innenverkleidung haben, sitzt der Dreck wirklich überall. Mit dem Ausbau haben wir Stellen erschaffen, an denen sich Staub sammeln kann, den wir aber gar nicht ohne Demontage abwischen können.

Auch am Unterboden sieht die Situation nicht sonderlich rosig aus. In einem Wahn von Salzangst, habe ich mir vor einem Jahr den Unterboden voll mit MikeSanders Wachs gespritzt und das bereue ich jetzt. Denn da drin verfängt sich der Dreck ungemein, und rosten tut es trotzdem. Großartig!

Daher ist der Beschluss, mal Tabulerasa zu machen, Calimero komplett auszuräumen und zu reinigen, sehr gut. Aber auch das hat wieder mal einen Haken. Denn unsere Putz-Location in Mumbai ist 50 Kilometer vom Hafengelände entfernt.

50 Kilometer, an denen wir uns den ganzen Dreck wieder an den Unterboden fahren würden. Es handelt sich hier nämlich nicht um 50 Kilometer aufgeräumte deutsche Autobahn sondern um Straßen in Indien mit jeder Menge potentieller Hunde- und Kuhscheiße, Müll und vor allem SEHR viel Staub und Dreck auf der Straße.

Daniel, der Eigentümer der Tankstelle, an der wir stehen ist aber unsere Rettung. Er organisiert uns einen Truck, der uns zum Hafen bringen kann, so wie auch viele andere Dinge im Verlauf unserer Anwesenheit.

Bevor wir aber mit dem Truck zum Hafen können müssen wir die Bürsten schwingen und das Bürokratiemonster besiegen.

Tag 1 – Ankunft und Sichtung

An Daniels Tankstelle angekommen, beginnen wir sofort mit der Demontage von Dachbox, Dachtaschen, Kanistern und räumen auch den Innenraum von Kisten und Teilen frei, die nicht in den Schränken gelagert werden. Daniels Jungs waschen unseren Calimero einmal durch um den groben Dreck herunterzubekommen. Das war bitter nötig, denn wenn man die ganze Zeit den Dreck vor der Nase hat, gibt das einem keinen ruhigen Moment.

Erstmal die Anbauteile demontieren, damit man besser putzen kann!
Ein erster Waschgang schadet auf keinen Fall
So sieht er nach dem ersten Waschgang aus – ist doch schonmal was.

Tag 2 – Ausbau und erste Schritte

Wir wachen vor Sonnenaufgang auf und ich bekomme meine erste kleine Panikattacke. Wie sollen wir dem ganzen hier nur Herr werden. Wo fangen wir nur an, wie halten wir die sauberen Dinge sauber? Hier an der Tankstelle ist es nicht wirklich sauber. Die Garage, in der wir unsere Dinge einschließen ist staubig und dreckig, auch der Boden vor der Garage ist manchmal nass, leicht matschig und auf keinen Fall sauber. Claudia kann mich beim Frühstück glücklicherweise wieder ein bisschen beruhigen.

Semi-strukturiert beginnen wir damit, die Dinge zu putzen, die wir schon rausgeholt haben und verstauen sie in der grünen Dachbox. Gerade die vielen Ersatzteile, die hinter unserer Sitzbank verstaut waren, der Tisch, das Notklo und einiges mehr findet in der grünen Kiste Platz. Weitere saubere Dinge, wie der Wassersack oder die Kanisterhalter werden vorerst auf der Dachbox gestapelt.

Die ersten gesäuberten Gegenstände aus dem Auto

Während Claudia putzt, kümmere ich mich um den Ausbau der Schränke. Ich merke, dass das ursprünglich modulare Konzept einen Fehler hat. Wir haben Kabel mit Kabelbindern an den Schränken befestigt und daher dauert der Ausbau nochmal etwas länger.

Staub sammelt sich hinter den Schränken.
Claudias Putzstation

Außen passiert heute kaum etwas. Erst am späten Nachmittag dürfen wir auf die Rampe und bekommen eine Unterbodenwäsche. Kurz vor Sonnenuntergang rufen die Jungs: „Fertig“. Ich gehe unter dem Auto durch und bin sehr unzufrieden. Überall steht noch der Dreck. Allerdings werde ich darauf hingewiesen, dass nicht das Auto fertig ist, sondern die Jungs mit ihrer Schicht. Also heißt es wieder runter von der Rampe, Schränke wieder ins Auto stellen und ab ins Bett.

Die erste Unterbodenwäsche

Tag 3 – Kratzen, kratzen, kratzen

Innen müssen wir einige Dämmmatten herausreißen, denn der Kleber hatte sich teilweise gelöst und hat den Dreck magisch angezogen. Die Klebereste der Dämmmatten müssen daher auch raus. Darum kümmert sich Claudia. Mit Diesel und einer Spachtel kratzt sie die Klebereste heraus, während ich mit der Zahnbürste die sichtbaren Staub- und Dreckpartikel angreife.

Der Rest der Dämmung

Zwischendurch bekomme ich immer wieder kleine Pausen, wenn ich versuche Geld abzuheben, Essen organisiere oder mit unserem Verschiffungsagenten spreche. Claudia bleibt währenddessen unermüdlich am Auto.

Der Termin mit Mustafa von SECO Shipping ist nicht wirklich zufriedenstellend. Die Begasung des Containers war nicht im Preis inbegriffen und wenn ich die Bill of Lading (wichtiges Dokument, um Calimero wieder zu bekommen) als E-Mail möchte, muss ich ebenfalls extra bezahlen.

Die Kosten addieren sich auf mittlerweile 3080 Euro, ohne kanadische Hafengebühren. Na Halleluja! Einen Abfahrtstermin bekommen wir noch nicht, aber bald!

Am Mittag kommt Calimero nochmals auf die Rampe und gemeinsam mit den Jungs von Daniel kratzen wir weiter den Unterbodenschutz von Calimero. Was für eine Drecks-Arbeit! In Deutschland hätten wir ein Trockeneisstrahlgerät genutzt, hier hilft nur manuelle Arbeit.

Während ich unter dem Auto herumkrabble, schrubbt Claudia unsere Spanngurte und Schnüre. Nach der Kratz-Einlage schaffen wir es, den gesamten Innenraum von der Hecktür bis zu den Vordersitzen fertig zu bekommen.

Mit der Hilfe von Diesel geht auch der Kleber weg – das kostet Claudia aber wirklich viel Zeit
Spanngurte beim trocknen

Völlig fertig gönnen wir uns am Abend unsere tägliche Kaltwasser-Bucket-Shower in einer der Tankstellen-Garagen und fallen ins Bett um dort noch die US-Visa-Unterlagen auszufüllen.

Tag 4 – Innenraum, Unterboden und Glanzwäsche

Nur noch zwei Tage bis zum Zahltag und wir haben nur die Hälfte des vereinbarten Betrags abheben können. Nach ca. 650 Euro sperrt sich jede unserer Kreditkarten und gibt erst 24 Stunden später weitere 130 Euro heraus, aber nicht mehr.  Wir werden den Restbetrag wohl oder übel mit Karte bezahlen müssen und die 3% Kreditkartengebühr bezahlen.

Auch heute müssen wir putzen. Wir kümmern uns weiter um den Innenraum, der von Tag zu Tag besser aussieht. Da wir am Vortag bereits das Heck gemacht haben, ist heute der vordere Teil fällig. Wir bauen die Sitze aus, merken aber, dass wir die Sitzheizung so unpraktisch verbaut haben, dass wir den Sitz ohne weiteres Nicht aus dem Auto bekommen. So wird mal wieder improvisiert und wir kommen gut voran. Die Sitze kippen wir einfach nach hinten, denn der Innenausbau dahinter ist ja nicht mehr da.

Am Nachmittag beginnt dann der finale Unterbodenputz. Wir kratzen noch einmal eine Stunde und und spritzen ihn das letzte mal von unten ab. Darauf folgt eine wirklich großartige Motorwäsche. Die Jungs sprühen alles wie wild mit Diesel ein und schrubben alle Elemente unseres Motorraums, der danach wirklich glänzt.

Motorwäsche
Das Ergebnis gefällt mir ganz gut!

Wir beenden den Tag mit einer Seifeneinlage und lassen unser Auto auch oben herum mal so richtig durchgeschrubbt werden.

Guter Dinge erledigen wir unsere tägliche Bucket-Shower und fallen wieder völlig übermüdet ins Bett. Kurz bevor ich einschlafe, bekomme ich von Mustafa, unserem Agenten, eine Nachricht. Wenn wir das Schiff am 26. Januar bekommen möchten, dann sollten wir am 23. Januar zum Hafen, das bedeutet, dass wir nur noch drei Tage haben um Calimero Hafen-fertig zu bekommen. Das schaffen wir!

Tag 5 – Boxenputz und Einbau/Anbau

Obwohl sich die Timleine verkürzt hat, werden wir etwas langsamer und brauchen mehr Pausen. Die Nerven werden blanker. Überall finden wir noch kleine Drecksnester und wir kommen den Kleinigkeiten kaum hinterher. Ich säubere die Batteriekiste und platziere in dem Moment auch eine bessere Batteriehalterung. Spätestens fürs Schiff halte ich das für eine gute Idee.

Ergebnisse – es sieht vorne schon wirklich gut aus!

Wir beginnen auch endlich wieder mit dem Einbau. Der Kühlschrank und auch unsere Klamottenbox werden wieder eingebaut. Sandbleche und Kanisterhalter finden auch wieder ihren angestammten Platz. Wir können endlich die Garage etwas leeren und sehen ein Ziel vor Augen.

Kurz vor Sonnenuntergang können wir dann auch endlich Calimero polieren, vom Ergebnis sehen wir aber gar nicht mehr so viel, dafür ist es schon zu dunkel. Claudia poliert den Lack, ich kümmere mich um alle Plastikteile und ziehe die Insekten mit der Pinzette aus dem Kühler.

Tag 6 – Umzug ins Hotel

Wir schaffen es endlich, die restlichen Boxen zu reinigen und einzubauen. Die Garage ist beinahe leer und wir beginnen bereits damit, die losen Objekte für den Transport zu verzurren. Die Waschtonne wird vor den Vordersitz gespannt, die Küchenkiste wird an Sitzbox und Abschlepphaken festgemacht. Calimero sieht schon wirklich richtig gut

Auch heute finden wir immer wieder kleine Drecksnester, die wir ausmerzen müssen. Heute steht auch der Umzug ins Hotel an. Unser Hotel, das Travellers Inn liegt nur wenige hundert Meter von der Tankstelle entfernt, bietet aber keinen großen Luxus. Ich schlafe in der ersten Nacht außerhalb von Calimero sehr schlecht.

Mit unseren Notfall-Kreditkarten kann ich weiteres Geld abheben. Wir haben bereits 180.000 Rupees für die Verschiffung parat, 50.000 fehlen noch, die kann ich hoffentlich am Zahltag noch bekommen.

Die Jungs von der Tankstelle putzen unsere Ersatzräder, die wirklich gut aussehen. Leider rollen sie die Räder danach durch Matsch und Dreck zurück zu uns. Ich kann nur mit dem Kopf schütteln.

Ankunft im Hotel – komisches Gefühl. Seit China haben wir nicht mehr außerhalb von Calli geschlafen.
Der Boden ist schwarz nach unserer ersten Dusche im Hotel!

Tag 7 – Zahltag, Räder und die Werkzeugkisten

Der Tiefpunkt unserer Geschwindigkeit ist erreicht. Es gibt nicht mehr so viel zu erledigen und wir gehen es sehr gemütlich an. Während Claudia die Werkzeugkisten putzt, renne ich rum und tue so als wäre ich mit etwas wichtigem beschäftigt (was nicht lange unbemerkt bleibt!)

 

Wir bekommen die Rechnung von Daniel und bezahlen die 9000 Rupees für Übernachtung und Putz-Unterstützung.

Jetzt kann ich endlich abschätzen wie viele Rupees wir für die Verschiffung nutzen können, denn wir brauchen ja auch noch Geld fürs Hotel, das Taxi und den Transporter zum Hafen. Am Automaten bekomme ich nur weitere 30.000 Rupees, dann ist Schluss. Den Restbetrag von 20.000 Rupees bezahlen wir in umgerechneten 250 Euro. Unser Verschiffungsagent ist im Moment der Geldübergabe ein wirklich glücklicher Mensch.

Ein glücklicher Agent!
No money – no honey!

Als ich vom bezahlen zurückkomme hat Claudia schon die drei der vier Reifen am Fahrzeug geschrubbt und überlässt mir den vierten. Wir beenden die Putzerei mit dem Schrubben der zwei Ersatzräder.

Der einbestellte Reifenmensch kann leider unseren kaputten Reifen nicht abziehen und den guten Reifen montieren. Für diese Größe sind seine Maschinen nicht ausgelegt. Daher lassen wir alles wie es ist und kümmern uns in Kanada um unseren kaputten Reifen.

Da Daniel auf dem Markt keine ordentliche Plane für Calimeros Transport findet, werden wir uns mit Daniels alter Motorradplane behelfen. Wir bekommen noch eine Dose mit schwarzem Lack und sprühen ein paar unschöne Stellen schwarz an. Außerdem nutzen wir Panzertape um ein paar weitere Stellen leicht zu vertuschen.

Damit sind wir nach 7 Tagen in Mumbai endlich fertig. Unsere Knochen schmerzen, die Finger sind dick und wir haben Schlafmangel. Morgen ist der Tag der Tage – morgen geht es zum Hafen.

Am Abend bekommen wir zwei neue Nachrichten. Mustafa sagt, dass wir bereits ab 10:30 Uhr am Hafen ankommen können, Daniel schreibt mir, dass sie in einer Felge noch Dreck gefunden haben.

Tag 8 – Finale – Hafenwahnsinn

Als der Wecker klingelt, bin ich schon hellwach und wandere durchs Zimmer. Haben wir irgendetwas wichtiges vergessen? Gibt es noch etwas zu beachten? Was brauchen wir alles im Hafen schnell im Zugriff?

Schon bei Sonnenaufgang sind wir am Fahrzeug. Wir schnallen den zweiten Ersatzreifen auf den ersten, befestigen die Plane am Fahrzeug, reinigen die dreckige Felge und sind schon um 07:30 Uhr mit den Vorbereitungen fertig.

Wir sind bereit …
… und warten

Um 08:00 Uhr soll der Truck kommen. Dieser kommt allerdings erst mit einer halben Stunde Verspätung an. Mit völliger Ruhe beginnen die Jungs langsam die Rampe herunterzulassen. und zwingen mich noch ein paar Meter hin und her zu fahren. Die Reifen sind also jetzt schon wieder total verdreckt.

Abfahrtsbereit!

Erst um kurz vor 09:00 Uhr fahren wir los, noch 50 Kilometer vor uns. Ich denke mir, dass das halb so wild ist, denn der Eastern Freeway wird um diese Zeit frei sein. Doch unser Fahrer fährt gnadenlos an der Einfahrt vorbei und sagt uns, dass er nicht auf den Freeway darf. Scheiße! Wir gondeln durch die Stadt und kommen nur sehr langsam voran. Immerhin können wir den Mumbai Highway über die erste Brücke nehmen und müssen nicht einen riesigen Umweg über Thane machen.

Immer wieder frage ich den Fahrer, der kaum Englisch spricht, wann wir endlich den Wagen wiegen? Wir müssen für die Verschiffung noch ein Dokument vorlegen, mit dem Gewicht von Calimero. Erst 4 Kilometer vor dem Hafen steuern wir endlich die Waage an, die natürlich mitten in einem Sandfeld liegt. Einen kurzen Moment später haben wir Calimeros Gewicht von 2660 Kilogramm bestätigt.

Wir kommen um 11:20 am Hafen an und warten auf einem geteerten Parkplatz, bis uns ein Security Officer deutlich klar macht, dass wir hier nicht parken dürfen. Er schickt uns wieder in ein Sandloch, an dem jede Minute mehrere LKWs vorbeifahren. Calimero hat bereits jetzt eine Patina voller Staub. Mist!

Parken im Staubloch – Danke dafür!

Erst nach einer halben Stunde dürfen wir ins Hafengelände fahren. Dort werden wir an einen Platz zur Beladung gebracht, der so dreckig ist, dass wir Calimero hier nicht abladen möchten. Jetzt heißt es warten. Unser Vor-Ort Agent Mr. Jamal spricht auch kein Englisch, macht aber viele wichtige Dinge, von denen wir gar nichts mitbekommen. Er hat meinen Pass und mein Carnet-de-Passage und besucht die verschiedensten Büros, während wir warten.

Hier sollen wir den Container beladen?! No Way!

Die Security-Männer vor Ort zeigen uns wo wir aufs Klo können und etwas zu essen finden. Als sie mir Tee anbieten wollen, lehne ich dankend ab. Der Blick des Security-Manns entgleist etwas. Er wiederholt sein Angebot und ich verstehe ihn endlich richtig. :“Tip, Tip, Money, Money“. Er will Geld haben. Ich lächle ihn an und sage erneut: „No, Thank You!“

Erst um 14:30 Uhr kommt der Zoll-Beamte für die Untersuchung von Calimero. Wir sind völlig unentspannt, setzen aber unsere besten Zoll-Gesichter auf. Er will wissen, wo die Chassis-Nummer steht. Ich zeige ihm die Stelle, er möchte aber nicht auf den Truck aufsteigen. „Please spell the number.“ bittet er mich und ich lese ihm die Zeichenfolge vor. Er möchte auch wissen wo die Motornummer steht und ich sage ihm, dass diese im Motorraum unter den zwei Ersatzrädern zu finden ist. Das ist ihm zu kompliziert und er nickt uns zu. Das wars? Ja! Keine weitere Untersuchung, kein Zollbeamter mit dreckigen Schuhen im Auto. Endlich mal was positives.

Wieder passiert eine Stunde gar nichts und Mr. Jamal ist im Nirgendwo verschwunden. Ich schreibe Mustafa eine kurze What’s App und bitte um ein Update. Er sagt uns, dass unser Container im Stau steckt und noch mindestens eine, vielleicht auch zwei Stunden benötigt, bis wir ihn endlich bekommen.

So eine Scheiße, denken wir uns. Hoffentlich kriegen wir Calimero noch vor Sonnenuntergang beladen. Ab 18:00 Uhr würde auch noch eine weitere Nachtgebühr auf uns zukommen, die wir gerne vermeiden möchten.

Wir schnappen uns einen Hafenmitarbeiter und zeigen ihm eine saubere Stelle, wo wir Calimero abladen und auch dort in den Container beladen möchten. Ich erzähle ihm, warum das Auto sauber bleiben muss und das Abladen an der aktuellen Stelle keine Option ist und er nickt verständnisvoll.

Wir dürfen Calimero dort abladen! Die Transporter-Jungs bekommen ihre Bezahlung von 8.500 Rupees für die Fahrt und weitere 1500 Rupees für die 5-stündige Wartezeit. Hätten wir gewusst, dass das so abläuft, hätten wir schon direkt nach der Hafeneinfahrt dort abladen können und hätten uns mal wieder 1.500 Rupees gespart.

Um 16:30 Uhr kommt endlich ein Hapag-Lloyd Container auf einem LKW hereingefahren. Der Mitarbeiter im Containerkran grinst uns an und besorgt uns sofort den Container. Das ist der einzige Mitarbeiter im Hafen, der uns die ganze Zeit zulächelt und uns zuwinkt.

Einfach warten …

Wir beginnen sofort damit Calimero abzudecken und möchten in den Container fahren. Als wir den Container öffnen, sehen wir aber direkt, dass wir so nicht reinfahren können. Von all den Containern, die wir hätten kriegen können, haben wir einen bekommen, in dem zuvor Linsen transportiert wurden. KLASSE! Ich renne über das Hafengelände und organisiere einen Besen. Claudia muss erst eine ganze Weile fegen, bis alle Linsen aus dem Container entfernt sind.

Ein Container voller Linsen – Claudia muss kehren!

Die Hafenjungs organisieren eine sehr flache Rampe und wir lassen nochmal ordentlich Druck aus den Reifen. Mit Solar Panels erreichen wir damit genau 2,27 Meter. Das ist die Normhöhe für die Einfahrt. Mustafa hat uns darauf hingewiesen, dass wir vermutlich auf 2,20 Meter heruntermüssen, je nach Einfahrtswinkel. Wir versuchen es aber ohne die Solar Panels vom Dach zu nehmen. Claudia lässt mich langsam in den Container fahren und bestätigt mir, dass wir mehr als genug Platz haben. Daneben stehen 5 Inder, die mich alle in den Container winken und davon ausgehen, dass ich meiner Frau kein Wort glaube. (Leider gibt es davon keine Bilder … zu wild)

Während Claudia ums Auto herum putzt, nutze ich unseren Kompressor um den Reifendruck wieder aufzufüllen. Es soll schlecht für die Reifen sein, wenn sie länger auf zu geringem Druck stehen.

Das letzte mal Staubwischen – ja der Boden ist ganz schön dreckig!

Ich klemme die Batterie ab und nutze hierfür die Socken, die ich im Iran geschenkt bekommen habe in Kombination mit Panzertape. Ich klemme die Solarpaneels ab und klebe auch die Batteriepole ab, lieber auf eine Nummer sicher gehen. Das Werkzeug haben wir bereitgelegt, allerdings nicht alles. Gott sei Dank kann ich meine Werkzeugkiste noch erreichen um den 13-er Schlüssel zu organisieren.

Völlig abgehetzt sind wir gegen 17:20 Uhr mit der Beladung des Containers fertig und die Jungs beginnen mit der Befestigung im Container. Da in Kanada die Einfuhr von unbehandeltem Holz als Packmaterial ein Problem ist, wird unser Calimero vorne und hinten über Kreuz mit Spanngurten verzurrt ohne Keile aus holz unter die Reifen zu schrauben. Wird schon halten!

Endlich verzurrt!
… und versiegelt!

Das scheint auch alles gut auszusehen und so wird der Container pünktlich um 17:37 Uhr versiegelt, 23 Minuten vor der Fälligkeit der Nacht-Gebühr.

Wir sind fix und fertig, bekommen direkt unser Carnet-de-Passage und meinen Pass zurück. Wir verabschieden uns von Mr. Jamal und fahren mit dem Tuktuk zur Fähre zurück nach Mumbai.

Ich glaube, ich brauche eine Dusche!

Da zeigt der Tag nochmal seine beste Seite. Da wir seit Tagen schwitzen, haben wir keine warmen Klamotten dabei und frieren während der Überfahrt auf der offenen Fähre, während uns die Gischt  immer nasser macht. Kein Wunder, dass alle Inder um uns herum die dicken Jacken aus dem Rucksack holen. Vom Gateway of India nehmen wir ein Taxi zum Hotel und sind froh, dass diese Woche nun endlich rum ist.

Und jetzt?

Das Auto ist im Container und soll am 26.01.2018 auf See gehen. Am 09.02. soll der Container in Laspezia in Italien umgeladen werden und schon am 23. Februar soll der Container in Kanada ankommen.

Wir werden währenddessen mit dem Rucksack etwas durch Thailand ziehen. Wir haben günstige Flüge von Mumbai nach Bangkok gefunden und werden uns in Thailand etwas treiben lassen, bevor wir dann vermutlich am 21. Februar von Thailand nach Halifax fliegen werden.

Unser Nervenkostüm muss sich nun erstmal wieder erholen. Noch nie haben wir uns so oft angekeift wie in der letzten Woche. Wir sind froh, dass alles mehr oder weniger gut geklappt hat und hoffen nun, dass unser Auto tatsächlich am 26.01. das Land verlässt und auch tatsächlich bis nach Halifax kommt.

Unsere Fahrt von Deutschland nach Indien, unser erstes Reisekapitel, unser bisher größtes Abenteuer ist hiermit beendet! Wir melden uns aus Thailand und schon bald aus Kanada!

8 comments

  1. Well done guyz!!!!!! Viel Spaß und Erholung in Thailand!!! Klappt schon alles mit Kanada!!! Thumbs UP!!!!

  2. Wow, super Putzleistung und starke Nerven!? Danke für die vielen schönen Berichte von euerem 1. Reiseteil! Jetzt wünschen wir euch ein paar entspannte Tage in Thailand, drücken die Daumen dass Calimero heil und pünktlich in Halifax ankommt und freuen uns auf euere weiteren Reiseberichte! Alles Gute, Mathias und Claudia

  3. Du lieber Himmel, was für ein Aufwand!
    Das ist genau das, was ich immer gescheut habe und warum ich meine Reisen grundsätzlich mit Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln gemacht habe. Ein eigenes Fahrzeug wäre für mich nur eine Last gewesen.
    Viel Glück und gute Reise weiterhin !
    Heinz

  4. Boah eh, sehr spannend das alles zu lesen. Da habt ihr ja viel geschafft. Ich wünsche euch gute Erholung in meinem Lieblingsland Thailand 🙂

  5. So ein Aufwand – das ganze Auto mit dem gesamten Zubehör auseinanderbauen, innen und außen putzen, und alles wieder zusammensetzen … mir war es nicht bewusst, wie schwierig es ist, die Fahrt fortzusetzen. Dass man Thailand etc. nicht selber befahren darf, das ist auch sehr schade. Einerseits habt ihr so viele Freiheiten mit dem Overlander – und dann werden euch solche Grenzen gesetzt.
    Da könnt ihr jetzt mal Erfahrung sammeln als Rucksack-Reisende 🙂 – und nochmals Sonne tanken; in Kanada wird es Ende Februar ganz schön frostig sein.
    Ich wünsche euch eine gute Weiterreise. VlG. Maresa

    1. Hi Maresa,
      Jaaa, so ganz hat das mit dem Rucksackreisen nicht geklappt. Wir sind ja nach Hause geflogen und fahren jetzt mit einem Auto durch Deutschland. So ganz kommen wir aus dem Roadtrip-Feeling nicht heraus, bis wir dann endlich im Februar Calimero entgegen nehmen können.

      Cheers,
      Bernd

  6. Wow was für eine Putzaktion, habe jeden Krümel mitgefühlt, das kann ich mir vorstellen, dass es Stress gab. Wünsche Euch erholsamse Tage in Thailand und bin gespannt auf die Ankunft von Calimero in Halifax. LG Kirsten

    1. Hey Kirsten,
      wir haben auch jeden Krümel gefühlt. Aber hey, jetzt fahren wir ein bisschen durch Deutschland (Thailand war eine Farce … wir haben die Familie überrascht) und dann geht’s ins wundervolle Kanada.

      Cheers,
      Bernd

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