IranTurkmenistan

Grenzgang – Vom Iran nach Turkmenistan

Vom Iran nach Turkmenistan

Iranische Grenze in Lotfabad, Freitagmorgen um 8 Uhr – wir wechseln unsere übrig gebliebenen Rials in Manat, der lokalen Landeswährung von Turkmenistan.  Einige LKW Fahrer drängeln sich vor der rechten, der beiden Schranken, die in das Gelände zur Grenzabwicklung führen.  Es ist mal wieder Zeit über eine Grenze zu gehen. Wir werden heute über die Grenzdörfer Lotfabad und Artyk vom Iran nach Turkmenistan reisen. Wir sind aufgeregt und haben etwas Angst vor der Aus- und Einreise. Die folgenden Grenzen sollen nicht einfacher werden. Aber was solls, Zentralasien wartet!

Ausreise aus dem Iran

Wenn man vom Iran nach Turkmenistan möchte, muss man natürlich erst einmal ausreisen. Wir werden von den Polizisten gebeten, die linke, leere Seite zu verwenden und fahren hinter die Schranke. Mit Carnet-de-Passage und unseren Pässen verbringe ich einige Minuten in diesem, ersten Gebäude. Die Männer sind nett und machen Selfies mit mir. Soweit kennen wir das ja bereits im Iran.

Sie schicken uns zur „Commercial Hall“. Bei der Einreise in Nurduz konnte ich in der Commecial Hall sehr einfach und schnell mein Carnet-de-Passages stempeln lassen.

Die Schalter hier sind jedoch alle unbesetzt. Ich irre einige Minuten umher, bis mich einer der Männer anspricht und mich zu einem leeren Schalter „führt“. Ich ahne schon schlimmstes. Meist sind das dann schon die Schlepper, die einem Geld abknöpfen wollen.

Auch an diesem Schalter warten wir lange. Ich wandere ein wenig herum und sehe in einem Hinterzimmer einen Mann sitzen. Ich rufe laut „Hello Mr.“, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Das scheint zu funktionieren und die Maschinerie setzt sich in Gang. Nach einer weiteren kleinen Ewigkeit ist klar, wir müssen einige Kopien machen und ein Formular ausfüllen, bevor es weitergeht. Ich teile den Männern freundlich und bestimmt mit, dass ich kein Geld mehr habe. Sie antworten mir, dass der Service Free-of-Charge ist. Hoffentlich.

Nachdem wir gemeinsam das Formular ausgefüllt haben, alle Kopien gemacht haben, bekommen wir einen pinken Zettel mit Stempel. Leider ist das Carnet-de-Passage nicht gestempelt worden.

Wir werden zur Ausreisehalle geführt, die sich auf der anderen Seite des Weges befindet. Dort werden wir fleissig interviewt und geprüft. Auch hier wird noch eine Kopie unserer Visa-Verlängerung gebraucht. Das Carnet-De-Passage findet hier kaum eine Beachtung. Nach einer weiteren kleinen Ewigkeit werden wir weiter geführt. Der „Assessment Manager“ möchte unser Fahrzeug sehen.

Wir öffnen nach und nach alle Türen, er schaut nur oberflächlich hinein. Er möchte nun aber unsere „Devices“ prüfen. Oh, wir sind gespannt. Ich hole die Kamera heraus und wir schauen gemeinsam alle nicht bearbeiteten und nicht aussortierten Bilder an, die ich im Iran gemacht habe. Das sind nicht gerade wenig! Nach der Hälfte gibt der nette Herr auf und merkt wohl, dass wir einfache Touristen und keine Spione sind.

Gemeinsam mit den unseren Schleppern, die von einem Beamten in Uniform mittlerweile als offizielle Mitarbeiter bezeichnet werden, machen wir uns auf den Weg zum letzten Häuschen auf iranischer Seite.

Ich nehme auch hier, wie bisher immer, alle meine Dokumente zu mir. Ich sage ihm, dass wir unsere Pässe und das Carnet-de-Passages ausschließlich zur Bearbeitung aus der Hand geben und zwischen den Gebäuden in unseren Händen halten möchten. Der iranische Beamte sagt mir im Gegenzug, dass ich sehr sensibel sei, was meine Dokumente angeht. Stimmt!

Im letzten Gebäude wird endlich das Carnet-de-Passages bearbeitet. Er nimmt den Ausreisezettel heraus und gibt mir das Carnet-de-Passage zurück, natürlich ungestempelt.

 Kontrolliere, ob das Carnet auch korrekt abgestempelt wurde!

Mit Nachdruck versichern wir dem Beamten, dass wir ohne diesen Stempel, keinen Meter weiterfahren. Das scheint zu funktionieren und kurze Zeit später werden wir mit allen notwendigen Stempeln aus dem Iran entlassen!

Das waren sehr chaotische 2 Stunden. Gott sei Dank waren die Männer keine Schlepper und wir haben KEINEN Cent zur Ausreise bezahlt. So könnte es weitergehen.

Einreise nach Turkmenistan

Auf turkmenischer Seite läuft das alles ein bisschen organisierter, jedoch auch langsamer.

Claudia geht als erstes durch die Personenkontrolle, während Calimero das erste mal richtig kontrolliert wird.

Ich darf jede Tür öffnen und sie sehen sich den Inhalt jeder Box an. Sie bitten mich alle Türen aufzuschließen, damit es schneller geht. Ich sage ihnen, dass wir gemeinsam von Tür zu Tür gehen und sie separat aufschließen. Wenn du das nicht machst, hast du auf einmal 5 Leute im Auto und du weißt nicht, was sie rein oder rausnehmen. Trotzdem suchen sie nicht sehr ordentlich – ein gutes Versteck wird den Herren nicht auffallen. Meine Axt haben sie nicht gefunden.

Schließe an den Grenzen immer alle Türen ab und öffne nur jeweils eine Tür, sonst bekommst du die Kontrolle nicht in den Griff.

Mehrfach werde ich gefragt, ob ich Schusswaffen dabei habe, was ich wahrheitsgemäß verneine.

Nach der Fahrzeugkontrolle darf ich Calimero parken und ebenfalls durch die Personenkontrolle gehen. Hier fällt das erste mal eine Gebühr von 14 US Dollar für Claudia und 10 US Dollar für mich an. Danach geht das Fahrzeug-Einfuhr Prozedere los. Ich bekomme ein GPS Gerät, welches ich dauerhaft im Auto lassen muss, damit man uns immer finden kann.

Das ist seit 1.1.2017 Pflicht für PKW und LKW.

Auf einem Blatt Papier wird die Route eingezeichnet, die wir fahren dürfen. Ashgabat steht nicht darauf. Auch nach mehreren Überredungsversuchen, will der Mann Ashgabat nicht auf das Blatt Papier schreiben, es liegt immerhin 100km in die falsche Richtung.

Erst als ich mein Drama-King Gesicht aufsetze und mit lauter, weinerlicher Stimme sage, dass wir die Autoteile nur in Asghabat bekommen, schreibt er widerwillig Ashgabat auf die Liste.

 Manchmal reicht ein wenig weinen schon aus um den Willen zu bekommen. Wenn man nach Ashgabat möchte, sollte man aber am besten die Bagjiran Grenze wählen.

Sie schätzen, dass wir 725 Kilometer durchs Land fahren werden und verrechnen eine Kilometerpauschale von 0,04 Cent für die Besteuerung der Dieselsubventionen. Es kommen verschiedene weitere Kostenblöcke zusammen bis wir bei 126 US Dollar landen, die wir ebenfalls bei der Bank bezahlen.

Es folgen verschiedenste Schalter – an jedem wird abgeschrieben, was in Pass und Autodokumenten steht, es wird jede Menge gestempelt. Als wir denken, dass wir endlich fertig sind, werden wir in den ersten Stock geschickt. Dort werden weitere Dokumente erstellt und uns ausgehändigt. Es geht hier um die korrekte Aktivierung des GPS Geräts. Erst nach insgesamt 5 Stunden und mit 150 USD weniger in der Tasche werden wir endlich durch den letzten Checkpoint nach Turkmenistan entlassen.

Seit 01.01.2017 bekommt man, wenn man vom Iran nach Turkmenistan einreist, ein staatliches GPS Gerät zur Überwachung für den Transit – ob das auch an anderen Grenzen so ist, ist uns nicht bekannt.

Auf uns wartet nun Ashgabat! Der Grenzgang vom Iran nach Turkmenistan war wirklich in Ordnung, nur sehr langsam auf turkmenischer Seite und sehr chaotisch auf Iranischer Seite.

5

One comment

  1. Hallo liebe Mr und Mrs Schmidt, wie spannend, teuer und auch gefährlich so ein Grenzübergang sein kann, können wir uns mittlerweile in Europa nicht mehr vorstellen. Ihr macht das sehr souverän, Respekt. 🙂
    Ich wünsche euch viel Glück für die Weiterreise … immer wachsam bleiben.
    VlG Maresa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*