GeorgienWeltreise Tagebuch

Von Vardzia nach Tiflis

Georgien ist ein kleines Land, von dem wir bisher nicht viel gehört haben. Wir lassen uns also überraschen.  Kaum sind wir über die Grenze, ist mal wieder alles anders. Meist hatten wir eher fließende Grenzübergänge, das heißt der Unterschied in Architektur, Menschen, Fahrzeugen und Nahrungsangebot änderte sich fließend und nicht hart mit dem Grenzbaum. Bei unserem Grenzübertritt in die Türkei war dies schon einmal ein harter Grenzübergang, auch diesmal ist die Grenze auf keinen Fall fließend. Die Moscheen und Muezzine sind weg, die Architektur in den Dörfern ist auf einmal ganz anders, die Straßen sind nicht mehr so gut gepflegt, die Menschen winken uns nicht mehr fröhlich zu. Hier scheint man auf unser Winken zu warten, oft werden wir grummelig angesehen. (Erster Eindruck – im Nachhinein sind die Menschen hier ebenfalls super nett!)

 

In Akalkalaki tauschen wir unsere türkischen Lira gegen georgische Lira und besorgen uns 6GB mobiles Internet für umgerechnet 7,52 Euro (Schnäppchen!). Wir wollen gerade beidrehen und über eine Hochebene nach Vardzia fahren, da begegnet uns ein Defender mit rotem Kennzeichen. Natürlich halten wir an und fragen auf Englisch, woher die beiden denn kommen.

Diplomatendefender!

Der Mann im anderen Defender antwortet lässig: „Wir kommen, wie ihr, aus Deutschland“. Der Defender hat Diplomatenkennzeichen und der Fahrer arbeitet in der deutschen Botschaft in Tiflis. Nach kurzer Unterhaltung und gegenseitiger Fahrzeugvorführungen fahren wir weiter.

Wir fahren über eine Piste auf einer Hochebene und fühlen die Freiheit, die wir gesucht haben. Wir genießen die Fahrt und machen ausgiebig Pause. Durch den Regen der letzten Tage, macht die Strecke echt Spaß.

Ein Blick in den Rückspiegel
Hochebenen haben es uns angetan!

Am Ende der Hochebene führen steile Serpentinen bis zum Fluss Mtkvari herunter. Direkt darüber, auf der gegenüberliegenden Seite, liegt die Höhlenstadt Vardzia.

Vardzia
Blick auf die Höhlen von Vardzia
Da müssen wir aber erst wieder runter. Ins Tal zum Fluss Mtkvari.

Wir campen mit Blick auf die Höhlenstadt Vardzia am Fluss und besuchen die Höhlen am nächsten Morgen in aller Ruhe. Inmitten dieser Felswand wurde im 12. Jahrhundert durch König Giorgi III. die Stadt gebaut. Seine Tochter Tamara hat den Bau vollendet und funktionierte die Stadt Vardzia von einer Grenzfestung zu einem Kloster um. Noch heute gibt es beeindruckende Fresken in der Kirche, die in den Fels gehauen wurde. Es gibt einige Wege, die durch den Berg führen, man darf allerdings keine klaustrophobischen Veranlagungen haben. Ich muss mich teils ziemlich klein machen um durchzukommen.

Vardzia Fresken
Die Fresken außerhalb der Kirche – innen konnten wir keine tollen Fotos machen, da gerade restauriert wird.
Schon beeindruckend was da gebaut wurde
Mit Rucksack wirds hier schon wieder ganz schön eng.

Mitten im Fels – die Kirche
Vardzia bei Nacht
Die Höhlenstadt Vardzia ist nachts beleuchtet. Wir haben sie von unserem Campspot aufnehmen können.
Vardzia Barrierefrei
Da geht s ziemlich steil runter! Barrierefrei gibt’s hier nicht!
Claudia blickt ins Tal, während wir einer deutschen Reiseleiterin unauffällig zuhören *hrhr*

Von Vardzia machen wir uns über mehrere Tage hinweg auf den Weg in Richtung Tiflis. Wir passieren die gerade beendete Euro Championship im Raften, fahren an heiße Quellen, die sich nach 150m Abstieg als Pools offenbaren, die viel einfacher von woanders zu begehen sind und fangen uns mal wieder eine kleine Magenverstimmung ein.

Die Sponsorenfahrzeuge der Rafting Championship haben wir schon in Vardzia getroffen.

Die Abend bei den Quellen ist mal wieder sehr interessant. Ein Toyota mit viel Power beginnt nach 22 Uhr seine Kreise im Matsch zu ziehen. Naja, so viele Kreise zieht er gar nicht. Nach kurzer Zeit hört man zwar noch das laute Brummen seines Motors, die Lichter bewegen sich aber nicht mehr. Da steckt der Kollege wohl. Wir bleiben im Bett liegen und beobachten das ganze. Immer wieder versucht er mit Vollgas aus dem Loch zu kommen, buddelt sich dabei aber immer tiefer ein. Großartig – Kino aus dem Bett heraus. Irgendwann geben sie entnervt auf, denn man hört Windengeräusche. Nach einer halbstündigen Bergungsaktion sind die Jungs dann auch wieder raus aus dem Matsch. Ich hätte liebend gern geholfen, aber wir lagen schon im Halbschlaf im Bett, als die Chaoten auf die Idee kamen bei Nacht und Regen durch Matschlöcher zu heizen.

Zwischendurch ist dann auch immer wieder mal duschen angesagt!

Auch außerhalb der Matschlöcher sind die Straßen in Georgien sichtbar schlechter als die türkischen Straßen. Wir fahren im Slalom um Schlaglöcher, können aber nicht jedem ausweichen. Nach einem Schlagloch in einer Kurve, hören wir komische Geräusche am Vorderrad. Ich denke, das Radlager hat etwas abbekommen, halte an und bocke hoch. Tatsache, das Rad hat mehr Spiel als es haben sollte. Also erstmal nachsehen, was los ist.

Während ich so schraube, kommt ein Herr aus der Imbissbude nebenan und hilft mir. Er erklärt mir gleich, dass das Radlager in Ordnung ist und sich ein Stein an die Bremse verirrt hat. Natürlich hat er Recht, das freut ihn sehr. Das Radlager war trotzdem locker!!!

Leider muss auch das hin und wieder sein

 

Also entfernen wir den Stein, ziehen das Radlager nach und kontrollieren nach einigen Kilometern … dort stellen wir leider fest, das Radlager ist zu arg angeknallt. Die nette Hilfe vom Imbiss wollte die Kontermutter festziehen und ich habe ihn gewähren lassen. Blöd gelaufen, also wird am nächsten Morgen die gleiche Übung nochmal gemacht und schon ist wieder alles in Ordnung.

So düsen wir weiter nach Tiflis. Ich bin den ganzen Morgen etwas muffelig, weil ich zum Einen mit dem Magen zu kämpfen habe, zum anderen einfach noch nicht weiß, wo wir uns in Tiflis hinstellen können.

Der Stadtverkehr macht uns mal wieder zu schaffen, überall fahren Fahrzeuge, es gibt so viele Spuren, wie Autos nebeneinander passen. Wir kämpfen uns durch. Als Ziel haben wir ein beliebiges Hostel angegeben und hoffen, dass dieses einen Parkplatz hat, auf dem wir nächtigen können. Leider lautet die Antwort „Nein!“. Drei negative Versuche später, finden wir einen Parkplatz. Der Parkplatzwächter sagt, dass wir bis für umgerechnet 8 Euro über Nacht stehen können. Das klingt viel, finde ich und versuche zu verhandeln. Wir einigen uns darauf, dass wir bis zum nächsten Nachmittag stehen können und bezahlen die 8 Euro. Gut verhandelt, oder?

Wir laufen gemeinsam etwas durch die Altstadt und verbringen dann den Abend auf dem Parkplatz, denn es gibt vieles zu beobachten.

Shishabar in der Altstadt
Unser Campingplatz vom Fluss fotografiert
Tiflis
Blick über die neuartigen Architekturen von Tiflis.
Diese Püppchen stehen in der Altstadt zum Verkauf
Die Stadt ist voll mit Kirchen – ich möchte gar nicht jede fotografieren.
Immer wieder gibt es kleine Stände. Manche verkaufen frisch gepressten Saft …
… und andere frisch gebrühten Kaffee

Wir werden immer wieder von anderen Touristen auf unser Fahrzeug angesprochen, es findet fast eine Hochzeit in der Kirche neben uns statt. Warum auch immer verlassen die Gäste jedoch die Kirche wieder, ohne dass die Braut je da war, und das auch noch bei strömenden Regen.

Hochzeit ohne Braut?

Wir lernen beispielsweise eine iranische Familie kennen, die uns zu sich nach Isfahan einlädt und üben uns an der Fotografie in der Dämmerung und in der Nacht.

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Am Abend wird der Parkplatz geschlossen, wir sind alleine direkt über der Stadt. Wir hören Live Musik von einer Bar, direkt unter uns, und genießen die Lichter der Stadt.  Außerdem testen wir das erste mal das „Notbett“, da wir hier nicht aufklappen möchten.

… Doch die Nacht entwickelt sich nicht wie geplant. Aus acht Stunden Schönheitsschlaf werden nur zwei.

Der nächste Morgen will nämlich einfach nicht kommen. Ich schaffe trotz der lauten Musik einzuschlafen, wache jedoch nach zwei Stunden wieder auf und das war es mit dem Schlaf. Ich finde nicht mehr zurück ins Traumland. Wir fühlen uns aber sicher genug, dass wir das Dach doch aufklappen (Außerdem ist das Notbett wirklich nur ein Notbett – gar nicht so viel Platz auf der unteren Etage!)

Die Musik hämmert durch bis um 03:55, Claudia schläft kurz darauf endlich ein, ich bleibe wach. Mich beschäftigt ein rumorender Magen, die Anwendung von Micropur und die Route der nächsten Tage. Um 05:30 stehe ich dann schlussendlich auf und wende Micropur auf einen unserer Trinkwasserkanister an. Damit haben wir in zwei Stunden wieder trinkbares Wasser. Wir werden die nächsten Tage alle Kanister ordentlich reinigen dürfen. Es bilden sich Algen, außerdem haben wir wohl mit der letzten Quelle kein Glück gehabt.

Todmüde, aber mit gutem Wasser, und tollen Eindrücken machen wir uns von Tiflis wieder zurück in die Natur, in die Berge. Tiflis war wundervoll, viel zu wenig Schlaf und Magenweh haben uns die Stadt allerdings etwas madig gemacht. Macht aber nix, von den Bildern zehren wir noch lange!

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2 comments

  1. Hallo ihr zwei,

    euren Fortschritte beim Fotografieren sind nicht zu übersehen! Wirklich klasse Bilder, Lightroom scheint sich auch bestens zu bewähren :).

    Freue mich über jeden neuen Bericht und Bilder von euch.

    Bernd, gute Besserung für deinen Magen!

    Schöne Grüße und wie immer gute Reise!
    Klaus

    1. Klaus, vielen Dank! Uns geht’s wieder bedeutend besser! Mit Lightroom arbeite ich noch sehr vorsichtig. Viel mehr als 5-6 verschiedene Funktionen nutze ich gar nicht. Das kommt aber noch! 🙂

      Cheers,
      Bernd

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