KanadaQuebecWeltreise Tagebuch

1400 Kilometer quer durch Quebec

Mit der Überquerung der Grenze von Labrador nach Quebec ändern sich noch einmal die Straßenverhältnisse. Im Wechsel mit ordentlichem Asphalt folgen immer wieder erbarmungslose Wellblechpisten.

Aufregend ist vor allem der Gegenverkehr, der ohne jegliche Rücksicht an uns vorbeidonnert. Die LKWs und Pickups ziehen eine Staubwolke hinter sich her aus der immer wieder ein Hagelschauer aus Kieselsteinen hervorbricht.

Welcome to Quebec!

Wir passieren ein paar eindrucksvolle Minengebiete über roten Seen und machen erst in der Geisterstadt Gagnon eine erste Pause. Hier hat man 1985 die Minenstadt wieder komplett abgebaut und sogar die Straßen zerlegt. Übrig sind heute nur noch die Hauptstraße mit Fußgängerwegen, sowie die alte Landebahn.

Die Minen bei Fermont mit einem eisenroten See und der Lokomotive im Vordergrnd
Gagnon von oben – viel sieht man nicht mehr
Gagnons Landebahn

Hier merken wir schnell, dass jegliche Moskitoplage die wir bisher hatten nur ein Vorgeschmack auf die Blackflies waren. Manche Bisse dieser erbarmungslosen Viecher bluten sogar. Wir brauchen das erste Mal unsere Moskitohüte.

Die Straße führt an einem enormen Meteoritenkrater vorbei. 70 Kilometer Durchmesser und eine Insel in der Mitte sind gar nicht zu überblicken.

Der Meteoritenkrater dient heute als Stausee für das Manic 5 Kraftwerk

Am Daniel-Johnson-Damm, der den gigantischen Meteoritenkrater aufstaut, machen wir für die Nacht halt um eine kostenlose Führung durch das Kraftwerk Manic 5 zu bekommen. Naja, eigentlich nur ich. Claudia bleibt bei Tuco, während ich mir die Anlage genauer ansehen.

Bei Baie Comeau erreichen wir den St. Lawrence Strom, aber erst in Tadoussac machen wir wieder einige Tage halt. Wir können in den Dünen kostenfrei campen und genießen das erste Mal in Kanada, dass wir mit unseren Füßen ins Wasser können. Tadoussac ist weltberühmt für seine Walsichtungen. Wir sehen allerdings keine Wale. Irgendwie scheinen sich diese vor uns zu verstecken.

Wir umrunden daher den Fjord von Tadoussac. Das Wetter ist super, die Touristen strömen in Massen in diese Region. Mit den Touristen kommen auch hier die Insekten. Unser angedachter Schlafplatz entpuppt sich als weitere Insektenhölle und wir packen mitten in der Nacht nochmal zusammen um ein paar Kilometer weiterzufahren. Es gibt hier ganz kleine Kriebelmücken, die Blackflies, Moskitos, große schwarze Fliegen und ALLE beißen oder stechen.

Hier führen die Stromleitungen vom Norden über den Fjord.
Das erste Boot am Morgen verschandelt den Spiegelglatten Fjord
Immer wieder wunderschöne Ausblicke

Am Straßenrand klappen wir dann das Dach noch einmal auf und fallen in einen tiefen Schlaf. Hier geht ein wenig Wind und daher halten sich die Insekten in Grenzen. Als ich am Morgen aufwache, stelle ich fest, dass wir in einer Campingplatz-Einfahrt stehen. Glücklicherweise müssen wir nichts bezahlen und fahren weiter. In Saint-Siméon finden wir dann schlussendlich einen Campingplatz direkt am Meer. Das schreit nach Pause!

Wir nehmen uns ein wenig Erholung direkt am Strand mit netten Nachbarn.  Hier philosophieren wir auch über unsere nächsten Schritte. Wie wollen wir durch Kanada fahren. Wie lange möchten wir überhaupt noch fahren?

Am Morgen der Abfahrt von Saint-Siméon sehen wir sie dann endlich. Eine Gruppe Beluga-Wale schwimmt an uns vorbei. Obwohl sie weit draußen sind, können wir es sichtlich genießen. Unser Nachbar hat nämlich ein riesen Fernglas dabei. Dass er Biologe ist und früher Whale-Watching-Tour-Guide war, macht die Situation noch besser.

Vier Uhr Morgens in Saint-Simeon
Belugas weit entfernt, aber wunderschön!

Den Kopf weiterhin voller Gedanken setzen wir unseren Weg nach Quebec City fort. Wir stoppen an den Montmorency Falls und verbringen einen schönen Nachmittag am Fuße des Wasserfalls. Tuco spielt im Wasser und auch wir genießen das kühle Nass. Mittlerweile sind wir im Sommer angekommen. Es ist heiß, die Sonne knallt und wir haben den ersten saftigen Sonnenbrand des Jahres auf den Armen, die sonst immer eingepackt waren. Trotzdem genießen wir die Sonne und schauen, dass wir regelmäßig ans Wasser kommen, damit Tuco sich abkühlen kann.

Ich war schon einmal in Quebec City. Damals bin ich mit meiner Kollegin Juliane vom Kundenprojekt in Montréal in einem chinesischen Tourbus dorthin gefahren. Das war im April. Damals fand ich die Stadt beeindruckend, aber es war kalt und grau. Diesmal aber ist die Stadt wunderschön. Die Menschen verbringen Zeit in den Parks, überall spielen Straßenmusikanten und das Chateau Frontenac steht majestätisch über der wunderschönen Altstadt. Diese Stadt ist einzigartig für Nordamerika. Tuco bekommt eine völlige Reizüberflutung und so beschränken wir unseren Stadtbesuch auf einige Stunden am späten Nachmittag.

Auf dem Weg nach Sherbrook, wo wir Mike den Land Rover Experten treffen, sehen wir von der Straße ein Motocross-Event und stoppen für das komplette Wochenende um ein paar Rennen anzusehen. Im Eifer des Gefechtes formatiere ich ausversehen meine Speicherkarte und verliere die meisten Bilder des Events. Blöd gelaufen. Ein paar gute sind aber noch geblieben.

Seit Monaten freuen wir uns auf den Besuch bei Mike. Jetzt ist es endlich soweit. Wir können nun all die kleinen Probleme beheben, die sich während der Reise aufgehäuft haben. Was wir alles an Calimero erledigen und warum wir zwei Wochen bei Mike verbringen, erzähle ich dir dann im nächsten Beitrag.

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2 comments

  1. beim formatieren eines Chips wird nur das Inhaltsverzeichnis geleert. Du hättest alle Bilder retten können.

    1. Das ist richtig. Allerdings hab ich schon ordentlich drüber geschossen – hatte ja keine Ersatzkarte zur Hand. Probieren hätte ich es aber können, da hast du recht. Macht aber gar nicht so viel aus. Am Ende habe ich wirklich viele Fotos von der Reise nicht verloren 😀

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