IndienWeltreise Tagebuch

Ein wilder Ritt nach Goa

1400 Kilometer liegen zwischen uns und dem Strand, an den wir möchten. Wir wollen nicht experimentieren, sondern ausgetretene Pfade abfahren. Wir wollen keine Nebenstraßen fahren, sondern Highways.

All diese Dinge versuchen wir im Normalfall zu vermeiden. Wir sind aber in Indien sehr schnell reisemüde geworden und müssen uns erst einmal erholen, beziehungsweise an einem schönen Ort etwas sesshafter werden, damit wir das weiterfahren auch wieder genießen können. Denn all die Erlebnisse müssen jetzt erst einmal verarbeitet werden.

Als wir um 9 Uhr in Udaipur abfahren, ist die Laune im Keller. Der Kollege von der Pferdefarm hat uns gerade noch Geld abgenommen, das so nicht vereinbart war und diese Laune tragen wir mit in den Straßenverkehr.

Als sich mal wieder ein Inder im Straßenverkehr völlig daneben benimmt, schreit Claudia nur: „DU ARSCHLOCH!“ und ich muss neben der Fahrerei auch noch meine Frau beruhigen.

Mit jedem Kilometer den wir fahren, werden wir abgestumpfter. Rechts überholen, links überholen,  hupen, den Standstreifen als Spur benutzen. Alles ist möglich. Allerdings sind wir die einzigen, die wissen, was hinter uns oder neben uns passiert. Das strengt natürlich sehr an. Von allen Seiten kann jederzeit ein Inder kommen. Auf einer zweispurigen Autobahn kann man überholen wollen und muss wegen einem LKW im Gegenverkehr zurückziehen und erschrickt dabei, dass auf dem Standstreifen ebenfalls ein LKW im Gegenverkehr unterwegs ist.

Wenn der Verkehr dichter wird und wir vorwärts kommen wollen, fuchtelt Claudia mit den Armen aus dem Beifahrerfenster, während ich wild hupend die Lücken ergattere.

Man hat uns im Vornherein gesagt, dass wir defensiv fahren sollen und niemals auf unser Recht pochen sollen. Wir halten uns nicht wirklich daran, allerdings ist uns zu jeder Zeit bewusst, dass der indische Autofahrer ohne Sinn und Verstand alle Richtungen einschlagen kann. Vollbremsung ohne Grund, schwanken auf ganzer Autobahnbreite um die SMS zu schreiben, ein Traktor der über die Autobahn kreuzt ohne zu schauen, wer da so kommt und vieles mehr.

Wir fahren bis der Sonnenuntergang bevorsteht und stellen uns dann an eine Indian Oil Tankstelle. Dort haben wir es relativ entspannt und bekommen sogar das WIFI Passwort, großartig! Wir haben heute über 500 Kilometer geschafft, das ist deutlich mehr, als wir uns vorgestellt haben.

Vielleicht brauchen wir gar keine ganze Woche, um bis nach Goa zu kommen.

Am nächsten Morgen starten wir eine Stunde früher, diesmal um 8 Uhr. Wie am Vortag schlängeln wir uns durch den Verkehr, der am Morgen noch sehr entspannt ist. Die Umfahrung von Mumbai verlangt aber wieder jede Menge Zen-Yoga-Ruhe von mir ab. Wenn man denkt, dass man an der Ampel halten sollte, zeigen einem 20 andere Fahrzeuge, dass man noch viel weiter vorne stoppen kann, in dem sie dich auf nicht existenten Fahrspuren überholen. Immer wieder bricht der ganze Verkehrsfluss zusammen, weil keiner Nachgeben möchte.

Aber auch an Mumbai schaffen wir es vorbei und düsen weiter nach Süden. Ein Moccacino im McDonalds hebt meine Laune um einiges an und wieder einmal stoppen wir bei Sonnenuntergang an einer Indian Oil Tankstelle. Diesmal bekommen wir aber kein WIFI Passwort. Auch heute haben wir knapp 550km geschafft, obwohl wir an Mumbai vorbei mussten.

Allerdings will am nächsten Morgen ein Mensch Geld von uns, den wir am Abend noch nicht gesehen haben. Mit den Worten: „Parking, Parking, Entry, Entry. Fee. Money, Money.“ kommt er bei uns an. Ich lache ihn aus und strecke die Hand aus mit der Bitte mir Geld zu geben. Als er daraufhin geht, fahren wir diesmal schon um 7 Uhr weiter.

Sonnenaufgang auf dem Weg nach Goa

Die letzte Etappe steht uns bevor. 200 Kilometer Autobahn,  und 150 Kilometer abseits der Autobahn, durch Goa bis an den Strand. Das schaffen wir auf jeden Fall, da sind wir uns einig.

Der Morgen läuft wirklich gut, es sind nur sehr viele Motorräder unterwegs. Abseits der Autobahn fahren wir auch mal wieder die Abkürzungen anstatt die Hauptstraßen und bereuen es nicht, denn zufällig kreuzen wir ein wunderschönes Wildlife Sanctuary. Diese Ecke ist nur 100 Kilometer vom Strand entfernt und wird in Ruhe ein andermal erkundet.

Ein friedlicher Weg durch den Wald.

Auf den letzten Kilometern werde ich etwas fahrlässig. Das Überholen auf den Bergstraßen wird unübersichtlich, ich wage es trotzdem und stehe einmal direkt dem Gegenverkehr gegenüber. Mist! Als ein Bus in der Kurve anhält, traue ich mich ebenfalls langsam vorbei und stehe einem LKW gegenüber, der über eine enge Brücke fährt. Nur mit Mühe können wir uns aneinander vorbeiquetschen aber der LKW bleibt an meinem Spiegel hängen. Glück gehabt, nix passiert.

Als wir endlich am Agonda Beach ankommen, kann ich mein Glück noch gar nicht fassen. Wir haben es in nur zweieinhalb Tagen geschafft hierher zu kommen.

Dabei haben wir wirklich jede Menge Sehenswertes verpasst, aber das ist uns erst einmal egal. Mojitos, Bier und gutes Essen, ein kostenloser Stellplatz am Strand und viele tolle Leute um uns herum sind uns gerade viel wichtiger.

Alice und Alex haben ebenfalls einen letzten Tag am Agonda Beach eingeplant und so verbringen wir noch einen tollen Abend und Vormittag gemeinsam, bevor wir unsere endgültige Parkposition für die nächsten Wochen erreichen.

Haircut! Alex kriegt die Haare kurz
Die erste Parkposition für eine Nacht

Wie es uns am Strand so ergeht, ob wir unsere Füße wirklich stillhalten können und ob die Mojitos wirklich schmecken, erfahrt ihr dann im nächsten Beitrag unseres Weltreisetagbuchs.

JETZT sind wir erstmal in unserem kleinen Paradies angekommen und versuchen, all die positiven, aber auch die negativen Eindrücke unserer bisherigen Reise zu verarbeiten. Meine Schreibblockade ist wieder weg und ihr dürft viele weitere Beiträge erwarten. Wer uns besuchen möchte, wir stehen am südlichen Ende von Agonda Beach.

Reaching final parking position!
Wir schotten uns ein wenig gegen den Touristenverkehr hinter uns ab.
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4 comments

  1. Ein sehr schöner Bericht. Dankeschön und sehr gut, dass ihr es geschafft habt. Indien ist leider ein Sehnsuchtsland von mir, doch bei den ganzen Geschichten – eure eingeschlossen – rutscht es immer wieder nach hinten.

    Lasst es euch weiterhin gut gehen und erfreut eure Leserschaft weiterhin mit solch tollen Berichten und Bildern.

    Lars

  2. GOA war vor fast genau 50 Jahren ein Sehnsuchtsziel von mir. Leider habe ich meinen Traum nicht gelebt, mit dem VW-Käfer auf dem Landweg hinzufahren. Deshalb folge ich eurem Blog mit sehr viel Interesse.

  3. Viele Overlander, denen Indien einfach zu viel wird, gehen zur “Erholung” nach Nepal oder Sri Lanka. Ich selbst kenne Sri Lanka nicht, aber Nepal kann ich absolut empfehlen. Die Menschen dort sind weniger aufdringlich als die Inder und insgesamt entspannter. Und die Landschaft in Nepal ist natürlich überwältigend.

    Übrigens, ein paar km südl. von Goa liegt Gokarna. Das könnte vielleicht auch eine Alternative sein.
    Grüße
    Heinz

  4. Hallo ihr zwei, schön, dass es euch wieder gut geht …. seit den letzten zwei Tagen in Pakistan kann man euren Stress spüren.
    Vielleicht freundet ihr euch doch noch mit dem Land und den Menschen dort an? Es ist so groß und hat bestimmt tolle Ecken. Ich persönlich würde da niemals hinwollen, auch wenn meine Yoga-Lehrerin so davon schwärmt. Aber das darf ja jeder Mensch für sich entscheiden.
    Jetzt dient bestimmt die Markise große Dienste, um euch etwas Privatsphäre zu geben. Gerne würde ich auf einen Mojito vorbeischauen, aber meine Chefin hat bestimmt was dagegen. 🙂

    Eine Freundin von mir ist jetzt alleine in Australien unterwegs … vielleicht wollt ihr vorbeischauen, wenn ihr mal Zeit für andere Geschichten habt – Safar-Reiseblog.
    Ich wünsche euch von ganzem Herzen einen kuscheligen Urlaub von eurem Reisealltag.
    GvlG Maresa

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