USAWeltreise TagebuchWyoming

Wundervolle Desaster-Tage in den Tetons

Nach unserer Wanderung durch die Wind River Berge ist es endlich soweit – wir fahren in zwei berühmte Nationalparks der USA. Die Tetons und dann der Yellowstone Nationalpark. Wir haben uns mit Sonja und Jochen und ihrem Hilux verabredet, wissen aber auch von anderen Freunden, dass sie die Nationalparks ansteuern.

Wir fahren durch das lebendige Jackson hindurch um hinter Jackson in einem Canyon zu übernachten. Die ersten Blicke auf die Tetons sind beeindruckend, aber diesig.

Claudia und Tuco beim malerischen Sonnenuntergang
Da wären wir schon eher beim Sonnenaufgang – der sich aber wegen den Wolken verzögert.

Bevor wir Sonja und Jochen treffen, wollen wir in Jackson jede Menge erledigen. Wir wollen mal wieder ordentlich duschen, müssen einkaufen und auch Wäsche waschen. Der Plan steht und ich halte auf dem Weg in die Stadt nur einmal für ein kurzes Foto.

Eine Minute vor dem Desaster

Als ich wieder einsteige, den Motor starte und ein paar Meter fahre, fährt es mir das Rückenmark hinauf. Calimero kreischt, als würden wir ihn in kochendes Salzwasser tauchen (ich vermute jedes Auto würde dabei kreischen, wenn es könnte). Zum Teufel, was ist da denn jetzt passiert. Ich mache den Motor aus und fluche. Hat es uns den Zahnriemen zerrissen, haben wir einen Motorschaden? Ich öffne die Motorhaube und bitte Claudia den Motor zu starten. Das Geräusch ist haaresträubend und ich glaube es aus dem Motorblock zu hören. Scheiße! Sind wir jetzt soweit, dass wir die Reise mit Calimero beenden müssen? Auf einen Motorwechsel so kurz nach der Überholung unseres Antriebstrangs haben wir keine Lust mehr.

Aber erstmal schalten wir den Panikmodus aus und versuchen uns zu konzentrieren. Als erstes organisiere ich einen Abschlepper, der uns die 15 Kilometer zurück nach Jackson bringen soll. Dreihundert Dollar will der Kollege dafür haben – aber wir haben keine andere Wahl. Das ist das erste Mal auf dieser Reise, dass es für uns keinen Meter mehr weiter geht.

Ich sende ein paar Videos nach Deutschland zur Analyse und bekomme immerhin die Info, dass bei einem gerissenen Zahnriemen der Motor nicht mehr laufen würde. Daher schließen unsere Analysten auf einen Zahnriemen, der locker war und verrutscht ist.

Ratlos aber immerhin mit Netz
Tuco macht das einzig richtige – entspannen!

Rick von Ron’s Towing kommt nach einer halben Stunde und nimmt uns Huckepack nach Jackson. Auf dem Weg telefonieren wir einige Werkstätten ab, die aber alle erst in 7+ Tagen Zeit haben, Calimero auch nur anzusehen. Das kommt nicht in Frage. Eine Werkstatt sagt zu, direkt einen Blick zu riskieren und so sagen wir zu. Was wir nicht wissen, die Werkstatt ist 10 Kilometer außerhalb von Jackson – zu Fuß können wir hier nur ein Restaurant erreichen. MIST!

Auf den Abschlepper

In der Werkstatt lässt man uns erstmal warten und ich nutze die Zeit um Jochen und Sonja unsere neuen Koordinaten zukommen zu lassen. Die beiden wollen Morgen im Laufe des Tages vorbeikommen um mit uns gemeinsam Claudias Geburtstag zu feiern.

Als Calimero dann endlich begutachtet wird, stellen die Mechaniker schnell fest, dass etwas in der Kupplungsglocke falsch ist. Sie bauen den Starter aus und untersuchen es mit einer Kamera. Die Kupplung scheint gebrochen zu sein und es ist eine riesen Sauerei in der Kupplungsglocke entstanden.

Ich schüttle verzweifelt den Kopf. Wir haben doch erst letzten Monat so viel Geld und Zeit investiert um unseren Calimero fit für das nächste Jahr zu machen und dann das. Eine Verschiffung von Jackson nach Hamburg soll um die 4000 Dollar kosten und ich denke kurz tatsächlich darüber nach. Aber so schnell geben wir dann doch nicht auf. Ich bestelle ein Kupplungskit, alle Kleinteile in der Kupplungsglocke und auch ein Schwungrad, alles was potentiell Schaden genommen hat. So gehen weitere 700 Dollar dahin. Auch die Aussicht auf die Wartezeit macht es nicht besser. Eine Woche braucht es, bis alle Teile in Jackson sind. Wir sagen dem Mechaniker, dass er auch das Öl wechseln soll und uns zwei neue Reifen für die Hinterachse bestellen soll. Wenn wir schon dabei sind, dann machen wir alles auf einmal.

Etwas deprimiert gehen wir am Abend früh ins Auto und überlegen unsere nächsten Schritte. Auf einmal klopft es an der Tür. Wir erschrecken uns tierisch und öffnen die Tür. Da stehen Jochen und Sonja. Unser Rescue-Team ist da und wir feiern bei Bier und Wein in Claudias Geburtstag rein.

Am nächsten Morgen packen wir unsere Rucksäcke und lassen Calimero bei der Werkstatt zurück. Im Koffer vom Hilux fahren wir unsere Erledigungen ab und fahren dann gemeinsam auf einen kostenfreien Campingplatz direkt vor den Tetons.

Basecamp-Feeling

Da es dort aber keine Toiletten gibt, bauen wir unser Basislager einen Tag später auf einem Campingplatz etwas weiter entfernt auf. Direkt an einem See können Jochen und Sonja ihre neuen Kajaks nutzen, wir haben Toiletten und auch den ein oder anderen Wanderweg, den wir laufen können. Auch wir dürfen Kajakfahren und Tuco ist mit Begeisterung dabei.

Mal schauen ob das klappt!
Spannend, aber wacklig
Tja und irgendwann entspannt sich auch das Hündchen.
Da paddeln die Mädels dahin

Sieben Tage lang campen wir dort und fahren nur zweimal wieder zurück in die Stadt (50 Kilometer) um einzukaufen, mit den Mechanikern Calimero einzuplanen und noch mehr Kram aus dem Auto zu holen. Am Montag verspricht man uns, dass am Dienstag oder spätestens am Mittwoch Calimero auf die Bühne kommt. Als ich am Dienstagabend anrufe und nach einem Status frage, pampt mich der Chef an, dass er mir doch Bescheid geben wollte, wenn etwas passiert. Unser Auto soll Morgen (Mittwoch) direkt als erstes auf die Bühne.

Obwohl wir mit Sonja und Jochen eine großartige Zeit haben, kommt langsam der Zeltkoller auf und wir wollen endlich wieder in unserem Calimero schlafen und fahren. So halten wir uns den ganzen Mittwoch zurück und wundern uns, dass wir auch am Abend immer noch nichts gehört haben – zum Kotzen! Immerhin haben wir einen schönen Tag beim Paddeln am Jenny Lake im Teton Nationalpark verbracht, von dem wir noch gar nicht so viel gesehen haben.

Die Kajaks müssen auch wieder ordentlich verstaut werden.
Ein näherer Blick auf den Grand Teton
Unser Campground
Was Tuco da wohl sieht?
Kleines Wanderprogramm vom Basislager aus
Und dann sieht man auch schonmal so etwas am Straßenrand

Wir beschließen am Donnerstagmorgen unser Basislager aufzulösen und fahren gemeinsam in die Stadt. Wir wollen bei der Werkstatt warten bis Calimero fertig ist. Als wir kurz vor der Mittagspause einlaufen ist Calimero auf der Bühne, aber einer der Mechaniker erzählt mir, dass er erst am Abend kurz vor Feierabend draufgekommen ist. Sie hoffen, dass sie heute fertig werden. Wütend, dass wir kein Update bekommen haben, laden wir den Lux aus und wollen uns am Abend oder am nächsten Morgen mit Sonja und Jochen wieder treffen.

Schlussendlich war eine Schraube an allem Schuld. Eine Schraube, die die Kupplungsglocke mit dem Getriebe verbindet, hat sich losgerüttelt und den ganzen Schaden angerichtet. Unfassbar, denn wir haben diese Schraube nicht angefasst, als wir den Antriebsstrang raushatten. Es war also kein Schrauberfehler sondern einfach nur blöd, dass wir sie nicht geprüft haben, als wir das Teil vor einem Monat raushatten. Das Auto wird „pünktlich“ um 6 Uhr abends fertig, während der Chef von Minute zu Minute pampiger wird. Als mich seine Jungs fragen, wo der Keilriemen ist, will ich es ihnen zeigen und er pampt mich nur an: „YOU ARE NOT ALLOWED TO BE BACK HERE!“  Mir steht die Galle oben, ich schlucke sie aber wieder herunter. Da müssen wir jetzt durch. Als ich die Rechnung sehe, wird meine Laune nicht besser. 1700 Dollar müssen wir blechen für einen Tag Arbeit und zwei Reifen.  Der Stundensatz hier in Jackson liegt bei satten 109 Dollar und auch bei einer Nachfrage lügt mich der Chef noch an. Drei Stunden hätten sie gestern schon daran gearbeitet. Außerdem waren zwei Mechaniker daran beschäftigt (das kann ich nicht nachweisen). Noch einmal muss ich schlucken.

Obwohl es schon spät ist, beschließen wir am Abend noch zu Sonja und Jochen zu fahren. Wir wollen nur weg hier aus dieser unsympathischen Werkstatt. Mental total am Ende kommen wir um 9 Uhr abends am verabredeten Platz in den Tetons an und beenden den Tag. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die Jungs in der Werkstatt alles gut gemacht haben und Calimero nicht noch einmal liegen bleibt.

Immerhin haben wir das Glück, dass sich die Tetons am Tag unserer Abfahrt noch einmal von ihrer Besten Seite zeigen. Für uns geht es mit gemischten Gefühlen nun weiter in den Yellowstone Nationalpark.

Bei Sonnenaufgang hat es noch unter Null Grad
Was für ein obergeniales Bergpanorama
Man sieht, dass der Herbst schon da ist.

Ich möchte hier noch einmal ein FETTES Dankeschön an Sonja, Jochen und den Lux aussprechen. Ohne die beiden hätten wir ein Airbnb für 500 Dollar die Nacht gebraucht (die spinnen in Jackson) und hätten Taxis/Uber gebraucht um unsere Erledigungen zu machen.   Das gibt 1000 Pluspunkte für’s Karma, da bin ich mir sicher! Schaut doch mal bei den beiden auf Instagram vorbei.

11

2 comments

  1. Oh man, diese Abzocker. Sich zu ärgern macht aber überhaupt keinen Sinn. Jetzt ist euer Landy wieder fit. Wunderschöne Bilder ich freu mich schon wenn es bei uns endlich losgeht. Aber bis dahin heißt es Schrauben Schrauben Schrauben.
    Wir wünschen euch eine gute Fahrt.

  2. Da habt Ihr Beiden aber wirklich Pech. Ich dachte, am Landy bekommt man alles mit Duck Tape und Kabelbindern gefixt 😉 Lasst Euch nicht unterkriegen und weiterhin gute Fahrt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

Bleibe auf dem Laufenden und melde dich bei unserem Newsletter an.