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Der Yellowstone Nationalpark hält seine Versprechungen

Claudia hat in der Schule schon vom Yellowstone Nationalpark gehört und will seitdem dorthin. Wir haben bereits in Quebec gesagt, dass unser nächstes großes Ziel der Yellowstone Nationalpark wird. Mit vielen Umwegen und Abenteuern auf dem Weg haben wir den Park immer vor uns hergeschoben, doch jetzt ist es endlich soweit. Die Erwartungen sind riesig und das ist eigentlich gefährlich.

Ein Manko bekommen wir direkt zu Beginn zu spüren. Da wir Mitte September da sind, sind nur noch die wenigsten Campgrounds offen und die offenen sind früh morgens bereits belegt. So müssen wir täglich planen, ob wir sehr früh erst einen anderen Campingplatz anfahren ODER ob wir aus dem Park herausfahren um dort umsonst irgendwo am Straßenrand zu stehen. Da wir mit Jochen und Sonja gemeinsam reisen, klappen wir immer wieder die Karte auf und diskutieren unsere Pläne. Eins ist jedoch relativ schnell klar. Wenn wir hier etwas erleben wollen, dann müssen wir früh aufstehen und uns auf lange Tage einstellen.

So quälen wir uns und vor allem Sonja jeden Morgen vor der Dämmerung aus den bequemen Schlafsäcken, trinken einen Aufwach Kaffee und fahren mit Beginn der Dämmerung los. Der Park ist besonders morgens um diese Jahreszeit „relativ“ leer. Erst ab 10 Uhr wird es langsam so richtig voll an den Hauptattraktionen und am Nachmittag kommt man auf manche Parkplätze schon gar nicht mehr drauf.

Da der Park wirklich riesig ist, machen wir uns etappenweise an die einzelnen Abschnitte heran. An den ersten zweieinhalb Tagen sehen wir uns den südlichen Teil des Parks genauer an. Bei Sonnenaufgang können Claudia und ich die ersten Pools und Geysire direkt am Yellowstone Lake entdecken. Es zischt, brodelt, spuckt und dampft um uns herum und wir sind begeistert. Der Yellowstone Lake liegt um diese Uhrzeit noch völlig ruhig und die aufgehende Sonne beginnt uns langsam zu wärmen.

Es dampft überall.
Die ersten Pools zeigen ihre tiefen Seiten.
Es brodelt direkt am See, während der See stillliegt – wunderbare Kombination
Es herrscht eine wilde Atmosphäre

Wir möchten zum östlichen Parkausgang fahren und halten immer wieder an um Wapitis zu bestaunen oder einen Kojoten bei der Jagd zuzusehen. Die romantischen Wildlife-Momente hat man aber im Regelfall nicht für sich allein. Meistens sieht man schon fünf bis zehn Fahrzeuge und Menschen mit Kameras und Ferngläsern, bevor man die Tiere selbst sieht. Was bei Bisons, Wapitis und den Kojoten noch irgendwie lustig ist, wird bei Bären allerdings zum Risiko, denn auch dort kennen die Besucher keine Schmerzgrenze, wenn es zur eigenen Sicherheit kommt.

Ein majestätischer Wapiti-Hirsch
zwei Wapitis am See
Der Kojote schaut gerade einen Fotografen an, der näher dran ist, als er sein sollte!

Auf dem Weg nach Osten fahren wir an einem kleinen Schild mit der Aufschrift: „Avalanche Peak Trail“ vorbei und ich werde nervös. Den wollte ich eigentlich laufen, aber da keiner mit mir gehen möchte, bzw. Claudia beim Hund bleiben sollte, hab ich die Idee von meiner Liste gestrichen. Allerdings macht sich gerade ein älterer Herr zum Gehen bereit und ich frage, ob wir nicht gemeinsam gehen wollen. Peter freut sich darüber, denn eigentlich ist die Region vor allem im Herbst für Grizzlybesuche bekannt. So wandern wir eine schöne Rundtour von circa drei Stunden, 600 Höhenmetern und 8 Kilometern. Grizzlys sehen wir zum Glück keine.

Blick vom Avalanche Peak!

Der nächste Tag beginnt spektakulär mit dem Ausbruch des Old Faithful und einem Spaziergang zum Morning Glory Pool. In der Gegend vom Old Faithful kann man schon Stunden verbringen und so zieht sich der Tag dahin, während wir von Geysir zu Pool und von Blubbelmatsch zu heißer Quelle fahren. Eine der größten Attraktionen, die Grand Prismatic Spring ist allerdings etwas enttäuschend. Durch die kalte Luft dampft die quelle so stark, dass wir kaum etwas sehen. Allerdings sehen wir 21 Mützen (Claudia hat gezählt) um den Boardwalk herumliegen, so dass ich von Minute zu Minute meine Mütze enger mache.

Am Abend fahren wir über den Westausgang heraus und finden einen Platz nicht weit vom Ausgang. Nach einem schnellen Abendessen verabschieden wir uns sofort ins Bett, denn auch morgen wollen wir früh aufstehen.

Die Fahrt am nächsten Morgen in den Park ist umwerfend. Der Firehole River dampft vor sich hin, während Wapitis daneben am grasen sind. Wieder einmal fahren wir zur Grand Prismatic Spring für eine Mini-Wanderung zu einem anderen Aussichtspunkt. Zwar ist der großteil der Quelle so stark am dampfen, dass wir wieder wenig sehen – es beeindruckt uns dennoch.

Wapitis grasen am dampfenden Firehole River
Gänse im Flug erwischt – das Foto hat eher künstlerischen als scharfen Charakter 🙂
Nahaufnahme der Grand Prismatic Spring
Die Grand Prismatic Spring dampf vor sich hin

Auch die nächsten Tage fahren wir von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten, campen nördlich vom Nordausgang und östlich vom Nordostausgang, wo wir seit langem mal wieder ein paar einfache Steinstufen fahren dürfen, um den Schlafplatz zu erreichen. Große Highlights sind die Mammoth Springs, das Norris Geysir Becken und die Tower Falls.

Ein Bison entspannt im Touri-Gebiet
Die Farben werden jeden Tag verrückter
Das Norris Geysir-Becken ist unser Farben-Favorit – der Wetterumschwung trägt dazu bei
Zwei schöne Fahrzeuge vor einem ausbrechenden Geysir
Morgens ist es ziemlich kalt – man sieht den Frost auf unserer Dachbox
Claudia erwischt ein Bärchen, während ich vorbeifahre (und nicht anhalte und den Verkehr komplett blocke …)
Die Tower Falls – da drüber würde ich gerne klettern!
Die Kalksinterterrassen erinnern ein wenig an Pammukale in der Türkei
Warum ists es links schwarz-weiß und rechts bunt? Ich habe keine Ahnung, aber es sieht großartig aus!
Die Mammoth Hot Springs im Hintergrund
Berge sehen am Morgen immer schöner aus als am Mittag!

Die Tage sind lang und wir werden immer müder – immerhin müssen wir jeden Abend aus dem Park fahren. Daher beschließen Claudia und, dass wir noch einmal ins Lamar Valley fahren wollen und dann über den Beartooth Highway nach Montana fahren wollen. Ein bisschen Yellowstone Nationalpark lassen wir aus für einen nächsten Besuch.

Das Lamar Valley ist wunderschön!
Sonnenuntergang im Lamar Valley – während die anderen Touristen Bisons fotografieren, konzentriere ich mich auf Stein!

Nur ganz leise hört man es jaulen. Das Wolfsjunge hat sein Rudel verloren und versucht es mit seinem Gejaule zu finden. Durch ein Spektiv eines Wolf-Beobachters kann ich sehen, wie der junge Wolf immer wieder den Kopf in den Nacken wirft und heult, bevor er irgendwann hinter den Bäumen verschwindet. Wir sind früh aufgestanden, in der Dämmerung schon Offroad (vom Stellplatz zur Straße) gefahren um rechtzeitig zur Wolfsbeobachtung im Lamar Valley zu sein.

Da wird der Lux mal ordentlich rangenommen 😛

Nach dieser wundervollen Begegnung (die Claudia leider nicht sehen konnte) frühstücken wir noch einmal mit Sonja und Jochen, und verabschieden uns dann nach zwei Wochen gemeinsamer Zeit voneinander. Auf dem Rückweg durch’s Tal, auf dem Weg zum Beartooth Highway, halten wir aber noch einmal an. Die Wolfsbeobachter sind wieder da. Warum das denn? Normalerweise sieht man Wölfe um diese Uhrzeit doch gar nicht mehr. Wieder einmal dürfen wir durchs Spektiv schauen. Das Rudel ist zurückgekehrt um den verlorenen Jungwolf zu suchen – und sie haben es gefunden. Jetzt liegt das ganze Wolfspack im hohen Gras und wir sehen immer wieder, wie sich ein Kopf hebt. Der Beobachter, der uns das Spektiv leiht, zeigt uns ein Video vom Vortag, in dem die Wölfe durchs Gras tollen, während nicht weit entfernt zwei Bisons miteinander keilen.

Das Lamar Valley ist der beste Wolfsbeobachtungsplatz der Welt

Einen Wolf in freier Natur zu sehen war schon immer ein Traum von Claudia und mir und heute ist er Realität geworden. Jetzt können wir den Yellowstone Nationalpark verlassen und freuen uns schon auf hoffentlich schneearme Tage (der Wetterbericht sieht das noch anders) in Montana. Unsere sehr hohen Erwartungen vom Yellowstone wurden tatsächlich noch stark übertroffen. Mit ein bisschen Übernachtungsplanung, einer cleveren Routenführung durch den Park und frühem Aufstehen, kann man die größten Nachteile dieses doch etwas überlaufenen Parks gut eindämmen.

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