IranWeltreise Tagebuch

Von Zanjan nach Süden

Viele Land Rover Fahrer und auch Fernreisende waren bereits in den Nordafrikanischen Wüsten, in den Nord- oder Südamerikanischen Wüsten oder in irgendeiner anderen Wüste. Wir nicht. Das liegt unter anderem daran, dass wir noch recht jung asind und vor allem daran, dass wir unseren Calimero erst drei Jahre haben und sich Nordafrika im Rahmen unserer Reisevorbereitungen einfach nicht ergeben hat.

Sand kennen wir nur vom Strand, das Nichts nur vom Meer (und vom Bodensee bei Nebel). So machen wir uns also langsam auf in Richtung Süden. Wir wollen unsere erste Wüste befahren, die Dasht-e Kavir. Die „große Salzwüste“ zieht mich magisch an. Die Iraner halten uns für völlig bekloppt, dass wir die Wüste im Sommer besuchen möchten. Wir möchten uns diese Chance jedoch nicht entgehen lassen.

Wir verbringen zwei Tage in Zanjan mit einer jungen Familie, die wir in Astara kennengelernt haben. Sie zeigen uns ihre Stadt und sind sehr enttäuscht, als wir nicht bei ihnen im Haus schlafen möchten. Wir ziehen es aber vor in unserem Calimero, unserem Heim zu nächtigen. Nach dem gemeinsamen Barbecue werden wir also zu einem Park in Zanjan geleitet, wo wir bedenkenlos nächtigen können. Wir besuchen einen einzigartigen 100 Jahre alten Waschsalon, das „Salty Man“ Museum. Ähnlich wie unser Ötzi wurden hier vier Leichen im Salz konserviert gefunden, von denen wir leider keine Fotos machen durften.

Zusammen besuchen wir auch Soltaniye, das nur wenige Kilometer von Zanjan entfernt liegt. Soltaniye war im 14. Jahrhundert temporär die Hauptstadt des Irans. Heute hat die „Stadt“ noch 6000 Einwohner.

Das Überbleibsel aus der mongolischen Herrschaft ist heute UNESCO Weltkulturerbe. Das Öldscheitü-Mausoleum hat den höchsten, aus Ziegeln gebauten, Dom weltweit. Leider herrschen hier seit Jahren im Inneren Bauarbeiten, so dass das Innere nicht sehr schön zur Geltung kommt.

Mit jedem Tag, den wir nach Süden fahren, wird es ein wenig wärmer. Nachmittags toben sich die Sandteufel aus, während wir schwitzend in unserem Calimero ohne Klimaanlage sitzen. 

Claudia leidet mehr, da sich unter dem Kopftuch die Hitze staut. Manchmal kracht es zwischen uns, denn die Tage werden anstrengender und auch unsere Gemüter hitziger.

Dazu kommen ungebetene Besuche am Abend durch die Polizei, die sich leider nicht vermeiden lassen. Wir sind oft müde, gereizt und verfluchen manchmal dieses Land, die strengen Regeln und die Hitze. Dazu kommt, dass wir schattige Plätze selten zum ausruhen nutzen können, da wir sofort von freundlichen Iranern umzingelt sind.

Eines Abends werden wir von zwei Polizisten darauf hingewiesen, dass wir ja einfach getötet werden können, wenn wir hier stehen bleiben. Nachdem wir dem Polizisten mitteilen, dass der Bauer sein OK gegeben hat, dass wir hier stehen dürfen und wir bei Nacht auch keinen anderen Stellplatz finden, lassen sie uns nach langem Besuch dennoch stehen. Gut schlafen wir in dieser Nacht, auch in der darauffolgenden nicht. Zudem verfolgen uns tausende von Fliegen, die uns auch noch beißen.

Wir finden zwischenzeitlich Abkühlung in der Katale Khor Höhle. Wir zwängen uns mit ausschließlich iranischen Touristen durch das Höhlensystem, das laut Aussagen der Iraner womöglich mit den Ali Sadr Höhlen verbunden ist. Diese Höhlen sehen wir uns aber nicht an, da dort die Touristenmassen doch deutlich größer sein sollen und wir Höhlentouren anders kennen. Normalerweise haben wir dabei einen Overall an, einen Helm und eine Kopflampe auf, und bewegen uns eher auf allen vieren als auf zwei Beinen. 

Wir beginnen unseren Tagesrhythmus an die Temperaturen um uns herum anzupassen. Sofern wir nicht von Fliegen aufgefressen werden, fahren wir erst dann los, wenn Calimero keinen Schatten mehr spendet. Wir fahren in der Mittagszeit, der Fahrtwind kühlt etwas.

Wenn wir eine Wasserquelle finden, die kaltes Wasser gibt, tunken wir unsere Klamotten und Claudia ihr Kopftuch darin. Das verschafft uns Abkühlung. Wir suchen uns für eine Mittagspause ein schattiges Plätzchen. Manchmal ist das ein etwas höherer Busch, meistens sind es Stadt oder Dorfparks. Diese haben oftmals eine Wasserversorgung und dadurch auch Bäume die Schatten spenden.

Nach einer ausgiebigen Pause fahren wir dann weiter. So richtig erträglich wird es normalerweise erst, wenn Calimero genug Schatten spendet. Das ist meist gegen 17:00 Uhr oder später. Dann stoppen wir. Wir bereuen es im Normalfall, falls wir früher stoppen. Denn dann sitzen wir in der Hitze und der Fahrtwind fehlt.

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