Inspiration

Zwei Linke Hände? Eine Frage der Einstellung!

Was hat die Einstellung zum Lernen mit unserem Projekt Weltreise zu tun? Diese Frage möchte ich dir beantworten!

Vor einigen Jahren keimt die Idee einer Weltreise langsam in uns auf. Claudia schenkt mir zum Geburtstag das Buch „Weltreise“ von Dieter Kreutzkamp und prompt bin ich vom fahrzeugbasierten Reisen gefesselt.

Wir recherchieren und stoßen auf Berichte über Ersatzteil Versorgung, Reparaturen unterwegs und vor allem auf Berichte vom Aufbau der Reisefahrzeugen.

Zweifel kommen auf…

Das lässt uns zweifeln. Immerhin bin ich mit zwei linken Händen gesegnet. Technische Expertise? Negativ! Kreissäge, Stichsäge und Nietzange schon einmal in der Hand gehabt? Negativ! Funktionsweise von Antriebsstrang oder Motor bekannt? Negativ! Auto Reparaturen selbst vornehmen? Naja, einen Endtopf habe ich einmal gewechselt, lange ist es her! Technik und Mechanik liegen weit außerhalb meiner Komfortzone.

Gute Voraussetzungen, oder? Während andere jedoch den Kopf in den Sand stecken, rieche ich die Herausforderung, schmecke ich den Drang endlich mehr zu lernen und sehe die Herausforderung vielleicht aus zwei linken Händen doch eine linke und eine rechte Hand zu machen.

Also … Scheiß auf die Zweifel

Ich bin immer noch fasziniert von der fahrzeugbasierten Reise. Daher kaufen wir uns gegen jede Vernunft einen 20 Jahre alten Land Rover Defender und taufen ihn liebevoll Calimero. Wir beginnen ihn zum Reisemobil umzubauen, zu reparieren, zu warten und kennenzulernen.

Jede Arbeit an Calimero ist für mich mit Recherche verbunden. Während andere beim Bremsen wechseln mit den Achseln zucken, muss ich erst Foren wälzen und das Werkstatthandbuch konsultieren. Erst dann traue ich mich an die Arbeit. Manchmal mit gutem Ausgang, manchmal aber auch mit schlechtem.

Am 24. Dezember 2015 breche ich mir Einbau des hinteren Achsdifferentials einen Finger. Erst vor kurzem treffe ich, anstatt der festgerosteten Schraube, mich mit einem wohl gezielten Hammerschlag auf den Handrücken. Auf Korsika verabschieden sich die Steckachsen der Hinterachse durch einen Fahrfehler. Beim ausbauen der hinteren Kardanwelle schraube ich die Bremstrommel mit ab und verliere diese auf der Piste. Nur dank eines aufmerksamen Motorradfahrers bekomme ich sie wieder. Auch die ersten beiden Löcher, die ich in die Karosserie bohre, sind an der falschen Stelle.

Aber gerade in diesen Situationen lernt man fürs Leben. Ich besorge mir nach und nach das Werkzeug, welches ich benötige. Ich lerne mit der Hilfe von Freunden und durch die eigene Recherche und Arbeit immer mehr dazu.

Und hat das alles was gebracht?

Nach zwei Jahren weiß ich nun wie ein Getriebe funktioniert, wie man Achsdifferentiale, Kugelköpfe und Radlager wechselt, wie man einen Innenausbau fertigt, eine Kreissäge bedient und vieles mehr.

Ich glaube ich habe immer noch zwei linke Hände, aber immerhin kann ich diese deutlich bewusster einsetzen. Ich weiß immer noch viele Dinge nicht. Allerdings weiß ich viel mehr als vor zwei Jahren.

Erst vor ein paar Wochen kommt ein neues, riesiges Problem auf. Die Spritzwand ist  an der A-Säule und den Fußräumen komplett durchgerostet. Auch am Rahmen finden wir zwei weitere Rost-Stellen.

Projekt Land Rover - Einstellung zum Lernen
Projekt Land Rover

Nach einem kurzen Schock sehen wir aber auch dieses Problem als Herausforderung. In kurzer Zeit finden wir eine Halle und einen Schweißer. Calimero ist bereits soweit vorbereitet, dass er ohne Vordertüren, Kotflügel, Pedale, Lenkrad und Armaturen in der Halle steht. Wir führen derzeit mit Hilfe von Freunden die Schweißarbeiten durch, werden dann die Teile versiegeln und lackieren. Dann wird unser Calimero wieder zusammengebaut und muss dann bald auch schon zur finalen Wartung.

In vier Monaten beginnt der Traum unseres Lebens und wir möchten mit Calimero um die Welt fahren. Das wird uns nur dadurch ermöglicht, dass ich vor zwei Jahren ohne jegliche technischen Kenntnisse das Fahrzeug gekauft habe und viel dazu gelernt habe.

Hier gibt’s Details zu diesem sehr aktuellen Projekt von uns.

Mit der richtigen Einstellung lässt sich viel erreichen

Das ist allerdings nur mit der richtigen Einstellung zum Lernen möglich. Es ist meines Erachtens falsch, wenn man davon ausgeht, dass Talent und Intelligenz feststehende Attribute eines Menschen sind. Mit der richtigen Einstellung zum Lernen, kann man so viel erreichen. Das ist jedoch mit harter Arbeit, Engagement und der nötigen Fehlertoleranz verbunden. Manchmal benötigt man auch einfach das nötige Quäntchen Hilfe von anderen. Aber auch diese lässt sich finden.

Ich möchte dich dazu ermutigen, aus deiner Komfortzone herauszutreten, wenn es notwendig ist, um deinen Traum zu erfüllen! Du kannst heute keine Fahrzeuge reparieren, kein Englisch sprechen, du hast keine Reiseerfahrung, warst noch nie Trekken, kannst nicht offroad fahren, keine Erste Hilfe leisten oder nicht fotografieren? Na und? Das sind alles Dinge die du dir beibringen kann.

Am besten fängst du gleich heute damit an, denn ist alles eine Sache der Einstellung!

Was hast du dir mit harter Arbeit selbst beibringen müssen um dir deinen Traum zu erfüllen? An welchen deiner Fähigkeiten zweifelst du um deinen Traum zu erfüllen?

Wir freuen uns über deinen Kommentar!

 

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2 comments

  1. Liebe Claudia, lieber Bernd,

    sehr schön geschrieben und ein Stück weit aus meiner Seele gesprochen.
    Auch ich habe zwei linke Hände, mit einem Hauch Potential. Nachdem ich letzten Winter klein angefangen und meinen 26 Jahre alten Suzuki Samurai komplett auseinander genommen und neu aufgebaut habe (natürlich mit Hilfe von guten und versierten Freunden) trauen wir uns jetzt auch an einen Defender (Bj2000) den wir uns vor wenigen Wochen zugelegt haben. Dieser Winter wird dem Ausbau und der grundsätzlichen Überprüfung der Fahrzeugtechnik gewidmet und im nächsten Sommer soll es mit dem „Frosch“ auf die erste längere Tour gehen. Wir werden in Europa bleiben, einmal schwarzes Meer und zurück, und unsere ersten Erfahrungen sammeln. Längerfristig ist dann auch eine große Reise geplant. Wir tendieren zur Panamerikana aber zweifeln auch noch etwas aus den schon von Euch so anschaulich beschriebenen Gründen. Ich werde Eure Reisevorbereitung mit Interesse weiter verfolgen und wünsche Euch weiterhin alles Gute !

    Schöne Grüße aus Bielefeld sendet Euch „Rasta“

    1. Hallo „Rasta“,
      es freut uns sehr, dass es noch weitere Leidgeplagte Doppellinkshänder mit Potential gibt.
      Wenn du einen Samurai hast, dann kennst du bestimmt schon Tobias von ACME Adventure! Er reist auch mit einem Samurai durch Afrika. Auch das ist möglich!
      Gott sei Dank gibt es beim Samurai und auch beim Defender vieles, was auch für Laien einfach zu begreifen und zu reparieren ist. Mir machen immer nur all die anderen Sachen einen Kopf :). Und bei manchem brauche ich weiter Hilfe. Zahnriemen und Kupplung werde ich nämlich beim ersten Mal auch nicht alleine machen!
      Vielleicht treffen wir uns ja dann auf der Panamericana, oder in Afrika … oder sonst wo auf diesem schönen Planeten

      Schöne Grüße nach Bielefeld (das gibt’s ja gar nicht!!!) zurück vom Bodensee,

      Claudia und Bernd

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