Toyota Land Cruiser

Wir kaufen ein Buschtaxi – der Papierkram

Bereits 2014 haben wir mit einem Buschtaxi oder genauer einem Toyota Landcruiser HZJ78 (Diesel) geliebäugelt, waren damals aber nicht bereit die hohen Preise für die gebrauchten Fahrzeug zu bezahlen. Zeiten ändern sich, Prioritäten auch.

Erst seit einigen Monaten zurück von unserer ersten Langzeitreise (2 Jahre und 3 Monate), beschließen wir auf einen Toyota Landcruiser GRJ78 (Benzin) umzusteigen. Wir möchten unser Glück mit einem V6 4.0L Benzinmotor probieren, Baujahr 2019! Unsere Beweggründe sind hier im Detail beschrieben.

Einige Monate nach Bestellung inklusive Corona-Verzögerungen Nacharbeiten von extremfahrzeuge ist unser Buschtaxi nun endlich da. Das möchte ich zum Anlass nehmen, euch das Fahrzeug im Detail vorzustellen. In diesem Beitrag widmen wir uns den Hintergrundinformationen, dem Paprierkram und der Anmeldung.

Hintergrundinformationen

Seit 1984 und bis heute baut Toyota den J7, auch 70 Series (Seventy Series) genannt. Als Ersatz für die 25 Jahre alte 40 Series sollte der J7 ein werden.

Das GRJ in GRJ78 steht für den 1GR-FE Motor, der vor allem im Toyota Hilux, 4Runner, FJ Cruiser und Tundra seine Anwendung findet und seit 2009 in einigen Toyota Land Cruiser J7 mitfährt. J7 mit dem 1GR-FE Motor werden für die Märkte im mittleren Osten, Kolumbien und Bolivien hergestellt. Als Weltreiseerprobt gelten derzeit vor allem die HZJ-Fahrzeuge mit dem 1HZ Motor. Aber auch vom 1GR-FE hört man bisher fast nur Gutes.

Die Modellnummer 78 steht für den „Troop Carrier“ mit langem Radstand, ein Truppentransportfahrzeug, also. Mit bis zu 13 Sitzen ist der Name Buschtaxi wohlverdient. Bei einem Radstand 2,98m liegt er zwischen dem Radstand von 110er und 130er Defender (2,79m und 3,33m).

Die Herkunft und Anreise unseres GRJ78

Unser Toyota ist in nach meinen Recherchen in der Yoshiwara Fabrik in Japan vom Band gelaufen. Dort werden neben dem GRJ78 auch die Pickupmodelle GRJ79 DC und GRJ79 SC (für Doppelkabine und Einzelkabine) produziert und nach UAE geliefert. Dementsprechend besitze ich nun eine Betriebsanleitung auf Englisch und Arabisch.

Die deutschen Importeure (Schuster, Nestle, Tom und Extremfahrzeuge) importieren aus dem mittleren Osten, vermutlich aus UAE und bringen sie durch alle Genehmigungsschritte, die man benötigt, um das Fahrzeug zulassungsfähig bekommen. Das Fahrzeug muss importiert und homologiert werden, im Endeffekt benötigt er ein TÜV-Gutachten und eine Einzelgenehmigung.

Damit der GRJ78 in Deutschland zulassungsfähig sind, müssen sie auf Euro 6d temp umgerüstet werden. Dafür werden Modifikationen an Software und Abgasanlage durchgeführt. Wirklich fundierte Informationen, was GENAU gemacht wird, konnte ich allerdings nicht bekommen. Da halten sich die Importeure etwas bedeckt. (Schreibe gerne einen Kommentar, wenn du mehr weißt!)

Die Papiere

Bevor ich den Land Cruiser abhole, muss ich ihn erstmal anmelden. Dafür bekomme ich TÜV-Papiere, eine Einzelgenehmigung und den Brief zugesandt, den ich bei Übergabe wieder abgeben muss. Das Fahrzeug ist über die Santander Bank finanziert. Dabei war extremfahrzeuge sehr unkompliziert und Anna Pahl hatte sich für uns vorbildlich um den ganzen Papierkram gekümmert. Am Stand eines Mitbewerbers auf dem Buschtaxitreffen, wurde ich damit abgespeist, dass ich mich ja selbst bei den Banken melden kann. Das macht eine Zusammanerbeit nunmal nicht einfacher.

Zurück zu den Papieren. In diesem Abschnitt gehe ich im Detail auf ein paar Inhalte der Dokumente ein. Informationen, die ich zum Kauf gerne gehabt hätte, die ich öffentlich nicht so einfach finden konnte.

Unser GRJ78 ist als Geländefahrzeug Güterbeförderung bis 3,5 Tonnen / Lastkraftwagen zugelassen.

 Eingetragen nach TÜV und Fahrzeugschein sind die folgenden Dinge:

  • Motortyp 1GR-FE M.OBD
  • Mit Original Toyota Luftansaugschnorchel Rechts
  • Abweichend von der Vorschrift der STVZO: §50(8): Ohne Leuchtweitenregulierung, Ausnahmegenehmigung Gemäß §70 STVZO Erforderliche Begründungen – Siehe besondere GA**

15: (Bereifung Generell)

  • 7.50R16 C 113Q auf Felge 16×5, 5F
  • 225/95 R16 113Q auf Felge 7Jx16, ET0; Nur in Verbindung mit ausreichend Radabdeckung Zulässig
  • 235/85 R16 110Q auf Felge 6,5JX16, ET0
  • 265/70 R16 113Q auf Felge 7JX16, ET0, Nur in Verbindung mit ausreichend Radabdeckung Zulässig
  • 265/75 R16 113Q auf Felge 7JX16, ET0, Nur in Verbindung mit ausreichend Radabdeckung Zulässig

15.2 (Bereifung 2. Achse)

  • Wahlweise in Verbindung mit Hofmann Distanzscheiben, Typ: SPVA05, D=30mm; Nur in Verbindung mit ausreichender Radabdeckung

Das Fahrzeug ist in der Schadstoffklasse Euro 6d-Temp eingeordnet. Auch hier gibt es ein paar mehr Details. Im Feld 14 zur Schadstoffklasse steht „EURO6;WLTP;CI;PI/CI;N1“, in Feld 14.1 „36CI“

WLTP steht für das Prüfverfahren „Worldwide Harmoized Light Vehicles Test“, CI und PI stehen für Fremdzündungsmotor und Selbstzündungsmotor. Das N1 für Fahrzeuge zur Güterbeförderung bis zu 3,5 Tonnen. Das 36CI kürzt das ganze ab und steht im Endeffekt für ein Fahrzeug der Schadstoffklasse Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC. Was das bedeutet, kannst du am einfachsten beim ADAC  (Link) recherchieren.

Da die Schlüsselnummer leer ist, tut sich meine Versicherung sehr schwer bei der Definition einer Vollkaskoversicherung für das Fahrzeug. Hierfür gingen einige Tage ins Land und ich glaube, dass die HDI nicht die beste Versicherung für einen solchen Fall ist. Das Angebot, bei dem wir schlussendlich rauskamen, liegt bei einer Schadenfreiheitsklasse von 12 bei 1400 Euro im Jahr. Gar nicht so günstig, wie ich finde!

Ich bin der Meinung, dass das ein Umfeld ist, in dem sich die Händler durchaus auch noch tummeln sollten. Bei anderen Autohäusern werden oftmals gute Versicherungs-Deals direkt mit abgeschlossen.

Die Steuer liegt bei nur 210 Euro, dank LKW-Zulassung. Ich bin gespannt auf die Änderungen bei Eintragung zum Wohnmobil.

Weitere Papiere sind ein vollständiges Fahrzeug-TÜV-Gutachten „Begutachtung § 13 EG-FGV“, ein Gutachten „Gutachten für Ausnahmegenehmigung § 70 StVZO“ die mit der Begründung „§50 – eine Nachrüstung mit einer Leuchtweitenregulierung ist mit vertretbarem Aufwand nicht möglich. […]“ unsere Leuchtweitenregulierungsausnahme (geiles Wort) begutachtet.

Zudem ist ein Fahrzeuggenehmigungsbogen angefügt, und stellt schlussendlich die Einzelgenehmigung dar, die auf Basis der TÜV-Dokumente erstellt wurde.

Da steckt schon einiges an Arbeit drin und ich bin froh, dass sich extremfahrzeuge kompetent um all diesen Papierkram kümmert und ich nur mit dem Ergebnis zur Zulassungsstelle fahren muss.

Die Anmeldung

Mit den Papieren ist die Anmeldung im Landratsamt Bad Tölz total unkompliziert. Einzig und allein die aktuelle COVID-19 Situation macht das alles etwas merkwürdig, aber ich bekomme sehr schnell einen Termin und kann unseren GRJ78 als „WOR-LD 720“ zulassen.

WOR steht für Wolfratshausen und ist eines dieser alten Kennzeichen, die erst seit kurzem wiederverwendet werden dürfen. Damit kann ich WORLD als Kennzeichen fahren, was sehr gut zu unserem Buschtaxi passt. Aber wofür steht die 720? 720 Grad, 2-mal um die Welt – das ist das mindeste, was wir mit dem Fahrzeug machen wollen, damit sich der Preis auch lohnt. 😉

Jetzt können wir unseren Toyota endlich abholen – das und eine detaillierte Vorstellung unseres GRJ78 Buschtaxi gibt’s im nächsten Beitrag!

4 comments

  1. Hallo, schöner ausfürlicher Bericht mal wieder. Ich habe meinen GRJ 78 bei Tom bestellt, auch außen beige innen grau. Tom lässt das Fahrzeug erstmal einfach auf sich zu, ich hole ihn nächste Woche ab und melde ihn auf mich um. So spare ich den ganzen Papierkram. Kennzeichen schicke ich ihm zurück. Die Finanzierung bei Santander habe ich selber online gemacht ging kinderleicht. Viel Spaß mit eurem Buschtaxi.
    Freundliche Grüße aus Mühlhausen Thüringen Erik Hohbein

    1. Hi Erik,
      danke für deine Erfahrung!

      Vg,
      Bernd

  2. Servus Bernd, stehe bald vor dem selben Problem. Lieferung des neuen LC im Dezember. Warum Zulassung als LKW. Ist es damit nur noch ein 2 Sitzer geworden? Ich werde ihn mir meinem Sohn selbst umbauen zu einem WOMO. Erstmal ist nix drin verbaut ausser einem Klappdach und ein bisschen Elektrik was bedeuten müsste, dass es entweder eine Pkw Zulassung bräuchte oder als LKW.Hast Du Dich damit auseinandergesetzt?

    1. Hi, ja wir haben einen Zweisitzer 🙂 Ich habe die Zulassung genommen, die mir gegeben wurde. Werde ihn maximal zum Wohnmobil umwidmen, wenn der Umbau fertig ist.

      Vg,
      Bernd

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