Toyota Land Cruiser

Wir kaufen ein Buschtaxi – Übergabe, Inspektion und Fahrzeugvorstellung

Nach der erfolgreichen Anmeldung unseres Toyota Land Cruiser GRJ78 müssen wir das Buschtaxi nur noch in Schwenningen abholen. In diesem Beitrag erfährst du wie die Übergabe gelaufen ist, wie gut das Auto bei einer ersten Inspektion wegkommt und ich stelle dir den Land Cruiser wirklich im Detail vor.

Die Übergabe

Bei der Lieferung aus dem mittleren Osten (ich glaube es ist Dubai, aber auch dazu habe ich keine detaillierten Informationen erhalten) ist eine gehörige Portion Inshallah (So Gott will) dabei. Sowohl die Lieferzeit als auch die Ausstattung sind ein wenig vom Zufall geprägt.

Erst bei Auslieferung wissen wir endgültig, dass wir keine Holzfurniere im Fahrzeug haben (gut so!). Diese hätten wir, wie schon andere GRJ-Besitzer foliert. Auch erst bei Übergabe lerne ich, dass es die Option der Dreiecksfenster gibt. Eine Zentralverriegelung, die wir eigentlich bewusst nicht gewählt hatten, ist doch verbaut. Die Zusammenarbeit mit den Händlern in UAE kann ich mir sehr gut vorstellen. „Yes, yes – no central locking. Yes, we will deliver without, Inshallah”. Wir kneifen zwei Augen zu und nutzen die fancy Features mittlerweile ganz gerne.

Die Lieferverzögerung wegen Umstellung auf die 2020er Version des Fahrzeugs und auch Corona-bedingte Verzögerungen sitzen wir einfach aus, denn eilig haben wir es nicht wirklich. Anna von extrem hält uns immer wieder auf dem Laufenden und Mitte April heißt es endlich: „Claudia und Bernd, ihr könnt den Cruiser abholen.“ Inshallah!

Claudia und ich diskutieren, wie wir es machen wollen. Mit dem Yaris hinfahren und mit 2 Autos zurück? Mit dem Zug und Tuco? Alles irgendwie Banane. Also entschließen wir uns dazu, dass ich mir ein Zugticket hole und Claudia eben erst am Abend und zuhause die erste Runde fährt.

Mit Maske und Hut setze ich mich in den Zug nach Hausen im Tal, wo ich von Anna im GRJ76 abgeholt werde. Auf dem Gelände steht auch schon auslieferungsfertig unser Fahrzeug. Das ist ein merkwürdiges Gefühl. Ich hatte mich auf überschwängliche Freude eingestellt, aber die Demut, dass wir uns ein solches Schmuckstück leisten, überwiegt tatsächlich die Freude im ersten Moment. Hierfür werden wir an vielen Ecken und Enden zurückstecken dürfen… und hierfür werde ich auch Calimero verkaufen.

Abholung des neuen Land Cruiser GRJ78
Da is dat Gerät!

Ich bekomme eine kurze Autoeinführung bei strömendem Regen und trotz demütigem Unterbewusstsein überwiegt mein grinsendes Gesicht doch etwas. Als ich den Motor das erste Mal anmache, gewinnt die Freude ums Neufahrzeug doch die Oberhand. Ich düse noch kurz bei Tommy von der Oldiebox vorbei um unsere Sommerräder vom Landy mitzunehmen, die dort seit September liegen und mache mich auf dem Heimweg. Ein paar Arbeits-Meetings-Stops und einige Stunden später komme ich mit dem neuen Landcruiser endlich zuhause an! YAY!

Blütenstaub hat das Dashboard schon erobert – 31km bei Übergabe.
Gute Stimmung auf der Heimfahrt!

Der erste Eindruck? Der GRJ78 fährt sich großartig. Ein bisschen holprig ist er schon (leeres Fahrzeug mit schwerer Federung), aber er ist sehr leise im Vergleich zum 300TDI. Der Permanent-Allrad macht keine Mucken (wie erwartet!) und er kommt vernünftig aus den Kurven heraus. Apple Car Play mit der Google Maps oder Maps.Me Navigation direkt im Radio-Element ist ein Träumchen und auch die Spotify lässt sich wirklich genießen. Er fährt sauber in der Spur, der Tempomat ist mega und trotz der paar fancy Features die wir uns gegönnt haben, überwiegt die Einfachheit des Land Cruisers.

Nach der Überführung wird der Toyota auch direkt von Tuco als Nutzfahrzeug klassifiziert

Erst-Inspektion

Was macht man zuhause angekommen als allererstes? Man nimmt sich das Auto einmal so richtig unter die Lupe, liest die Betriebsanleitung und man lernt sich eben kennen. Also ich mach das zumindest so!

Bei einem gepflegten Bier erstmal alles im Detail ansehen – die Flecken sind vom Landy!

Ich schau mir das Fahrzeug im Detail an und finde auch so schon die ersten Baustellen und Projekte:

  • Die Längssitzbänke gehören als erstes raus.
  • Die Vinyl-Matten die im Fahrzeug liegen, haben einen Vlies-Teppich drunter. Der würde Wasser saugen. Das mag ich nicht, denn ich denke, dass das nur den Gammel hervorruft. Also werden wir versuchen, den Vlies abzubekommen und diesen durch Armaflex ersetzen
  • Im Fußraum hat der GRJ78 zusätzlich eine dicke Bitumenschicht, die schon jetzt erste Risse hat. Auch hier würde sich Wasser drunter sammeln und den Gammel unterstützen. Diese werde ich auch entfernen
  • Bei der Abnahme der Verkleidungen fällt mir leider auf, dass die Hohlraumversiegelung nicht einwandfrei ausgeführt wurde. Nach kurzer Rücksprache mit extremfahrzeuge vereinbaren wir einen Termin für Nacharbeiten und nach einem weiteren Aufenthalt in Schwenningen passt dann auch alles.
  • Ich hatte eine Abschaltung des 120 km/h Signals beauftragt, doch das wurde wohl vergessen. Das Fahrzeug fängt nämlich bei 120 km/h an zu piepen und ein 120km/h Signal leuchtet auf. Auf Nachfrage erfahre ich von extremfahrzeuge, dass mit der Abschaltung des Signals auch weitere Signaltöne abgeschalten werden, wie zum Beispiel, dass das Licht noch an ist, wenn das Auto abgestellt wird. Daher bitte ich um Rücküberweisung und wir bleiben bei dem Signal, denn so häufig werden wir sowieso nicht schneller als 120 km/h fahren.
  • Die USB-Kabel für’s Radio liegen im Handschuhfach, da brauch ich noch eine charmantere Lösung, ich will ja nicht immer mein Handy ins Handschuhfach legen.
  • Die 12-V Steckdose neben dem Schaltknüppel soll durch eine USB-Dose ersetzt werden.
  • Die hintere Vinylmatte wird durch eine gedämmte Bodenplatte ersetzt
  • Für einen ersten Ausbau kommen die Sitze raus und werden durch Scheelmanns ersetzt.

Die technische Verarbeitungsqualität von Toyota sieht echt gut aus, der Motorraum wirkt sehr aufgeräumt. Die Qualität vom Lack ist dagegen eher schlecht mau. Naja, ist ja schlussendlich ein Nutzfahrzeug. Einige der Lackschäden, die schon an Tag 1 am Fahrzeug waren, wurden von Extrem noch beseitigt.  

So sieht der Toyota Land Cruiser GRJ78 im Detail aus

Von Außen

Tatsächlich kann ich gar keine großen Unterschiede zum HZJ78 erkennen. Das liegt aber nicht zwingend am Auto, sondern an meiner aktuell noch nicht vorhandenen Kompetenz. Ich habe die Fahrzeuge noch nie im Detail verglichen.

Mit dem Facelift von 2007 kommt eine ziemlich dicke Plastikstoßstange. Wir bekommen zudem die Chromvariante des Fahrzeugs ausgeliefert. Spiegel und Stoßstange sind Chromverziert. Darauf lege ich Null wert, aber jetzt wo es da ist … ist es eben so.

Mir gefällt das Toyota Zeichen auf der Motorhaube und der Schriftzug am Kühler, welcher eine weitere Inshallah-Komponente ist.

Von vorne – Das Chrompaket ist unübersehbar, die Front wuchtig.

Auf der Beifahrerseite fallen vor allem die zwei Tanköffnungen auf. Es fällt auch auf, dass die Seitenfenster deutlich höher angebracht sind, als wir es vom Land Rover gewohnt sind. Am Heck befinden sich seitlich zwei Lüftungen zum Druckausgleich.Wenn jemand die Türen zuschlägt, kann dadurch die Luft entweichen. Ob man dafür beide braucht? Mal sehen ob wir wenigstens eins davon zumachen werden.

Blick von der Seite- ein fetter Schnorchel, hohe Fenster und zwei Tankdeckel

Da wir den Land Cruiser bereits im Winter erwartet haben, ist er mit 5×235/85 R16 Nokian Hakkapelitta auf Original Toyota Stahlfelge in Sternform bereift. Wir haben von extrem noch eine weitere Lage für’s Federpaket bekommen, damit er hinten nicht tiefer hängt. Damit die Räder auch stimmig aussehen und die zweite Achse keine andere Spur hat als die vordere Achse, müssen noch 30mm Hofmann Spurplatten verbaut werden, was auch direkt vom Importeur übernommen wurde.

Das Reserverad hängt an einer Hecktür auf Beifahrerseite. An der zweiten Tür hängt dafür das Nummernschild inklusive Rückfahrkamera (Fancy Feature!).

Mir fällt auf, dass ich zum Tausch der Stoßstangen vorne und hinten, auch beachten muss, dass Lichter darin verbaut sind. Die Plastikabdeckungen auf den Lichtern am Heck gefallen mir nicht – die dritte Bremsleuchte finde ich aber super. Der Zughaken hat sieht fett genug für Bergeaktionen aus.

Heckansicht des neuen Buschtaxis

Ansonsten ist es eben ein beiger Geländekastenwagen, der auch einiges an Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Weitere Detailbilder von außen:

Von Innen

Innen ist der Toyota Land Cruiser GRJ78 sehr einfach gehalten. Hinter dem Lenkrad steht ein gar nicht so bequemer Einzelsitz, daneben eine 2-er Sitzbank.

2er Sitzbank und Einzelsitz – graues Interieur, recht unauffällig

Im Heck findet man drei Klappbänke, die nur für die Überfahrt drin sind. Zudem findet man Teile des Wagenhebers im Heck und hinter einer Klappe versteckt noch den tatsächlichen Wagenheber und Bordwerkzeug.

Heckansicht – 2,2m von Unterkante Sitz bis Hecktüre
So sehen die Bänke heruntergeklappt aus.
Hinter der Klappe im Heck auf der Fahrerseite versteckt sich Werkzeug. Im oberen Bild unter der hinteren Sitzbank versteckt.
Das Gestänge jedoch hängt prominent herum

Der Innenraum ist tatsächlich äußerst unspektakulär gehalten, aber um einiges größer als der Landy. Die Radkästen brauchen zudem deutlich weniger Platz und die Seitenwände sind geradliniger als im Land Rover.

Da unser Fahrzeug mit elekrischen Fensterhebern und Zentralverriegelung ausgestattet ist, gibt es ein paar Knöpfe an den Türen. Wie auch schon beim Defender, gibt es beim Landcruiser keinen Drehzahlmesser, dafür aber zwei Tankanzeigen, analog zu den zwei Einfüllstutzen. Aus welchem Tank der Toyota zieht, lässt sich über einen Knopf namens „SUB“ elektrisch während der Fahrt regeln. Da der Toyota mit Traktionskontrolle und die Stabilitätskontrolle ausgestattet ist, kann man diese per Knopfdruck auf „TRC OFF“ einfach ausstellen.

Radio und Klimaanlage
Zwei Schalthebel, der Getränkehalter und die oben beschrieben Knöpfe.

Ansonsten gibt es noch einen Reifendrucksensor-Reset Knopf, die Heckscheibenheizung, die Klimaanlage, einen Aschenbecher, eine Uhr,  den von Extremfahrzeuge eingebauten Tempomaten und das Doppel-DIN Radio mit den dazugehörigen Lautsprechern und Scheibenantenne. Wie schon beim Land Rover gibt es zwei Schalthebel. Der eine für die Gänge 1-5 sowie Rückwärts und der andere für die Untersetzung. Hier unterscheidet es sich allerdings vom Landy, der an diesem zweiten Schalthebel auch die Mitteldifferenzialsperre schalten konnte. Hierfür hat der GRJ78 dank dem Permanent-Allrad-Umbau von extrem einen Knopf links neben dem Lenkrad.

Der Sicherungskasten ist im Fahrerfußraum an der Außenwand angebracht. Der Boden ist mit einer Vinylmatte bedeckt, die aus drei Teilen besteht und nur mit etwas Schrauberei entfernt werden kann.

Die Details des Innenraums in Bildern

Der Motorraum des Toyota Land Cruiser GRJ78

Der Motorraum ist ziemlich groß und auf den ersten Blick liegen da echt viele Kabel. Ich muss mir da selbst noch einen Überblick verschaffen, habe aber schon einige der Bauteile identifizieren können. Eine zweite Batterie passt hier nur rein, wenn der Aktivkohlefilter für die Entlüftung der Tankstutzen (ernsthaft, das gibt’s) von der Fahrerseite auf die Beifahrerseite versetzt wird. Mir gefällt, dass der Ölfilter so einfach zugänglich ist, aber wie man den ausbaut, ohne dass die Suppe rausläuft, muss ich noch sehen.

Der Unterboden

Wir haben dem Fahrzeug einen Unterfahrschutz spendiert. Der zweigeteilte Unterfahrschutz soll Getriebe, VTG und das Lenkgestänge schützen. Mir fällt direkt auf, dass noch gut Platz am Unterboden ist, um einen Zusatztank oder vielleicht eine Werkzeugkiste Unterflur zu verbauen. Meine Schrauberei am Landy wird mir sicher auch einiges am Toyota erleichtern. Grundsätzlich ist vieles sehr ähnlich.

Hohlräume und Konservierung.

Der Land Cruiser nutzt nicht sein vollständiges Platzangebot aus. Hinter den Verkleidungen im Heck findet sich noch jede Menge Platz, um zum Beispiel Kabel oder Schläuche zu verlegen. Diese Hohlräume reichen bis runter zu den Schwellern und sind meiner Meinung nach zwingend zu konservieren. Damit nimmt man sich allerdings die Möglichkeit die Seiten direkt an der Außenwand zu dämmen (was eh nur bedingt geht!). Dafür habe ich allerdings einen Plan.

Wenn man den Vinylboden aus dem ganzen Fahrzeug entfernt findet man an den verschiedensten Stellen Stopfen, die kleine Einblicke in die Hohlräume dahinter eröffnen. DAS sind Stellen, die zwingend mit Rostschutz versehen werden sollten. Andreas von Extremfahrzeuge hat mir erklärt, das sie ALLE Hohlräume unterhalb der unteren Fensterkante schützen und noch ein wenig die A- und B-Säule mit hochspritzen. Außerdem haben Sie bei mir noch die Motorhaube innen konserviert. Einige Metallüberlappungen im Innenraum (nicht in den Hohlräumen) versehe ich selbst noch mit etwas Fluidfilm. Das kann paranoid sein, aber schaden tut es sicherlich nicht.

Hohlraumstopfen gibt es zur genüge!
Wer tief genug gräbt … dieser Raum unter dem Beifahrerfußraum war blank – wurde aber anstandslos nachgearbeitet.

Auch der Unterboden ist sauber konserviert. Extremfahrzeuge verwendet hierfür die Timemax Produkte. Die Flächen am Rahmen und am Unterboden werden mit Timemax 300 behandelt. Für die Hohlräume wird TimeMax 2000 verwendet.

Was noch?

Der Toyota Land Cruiser GRJ78 wird mit drei Schlüsseln und zwei Drückern für die Zentralverriegelung geliefert. Der dritte Schlüssel kann nicht das Handschuhfach öffnen, das steht aber alles im Detail in der Anleitung.

Das Handbuch und die Schlüssel

Ein neues Abenteuer mit einem neuen Toyota

Mit dem Toyota Land Cruiser GRJ78 als neuen Gefährten können wir schlussendlich Calimero mit wenig Aufwand an zwei junge Reisebegeisterte verkaufen, die ihn wieder etwas aufpäppeln um damit hoffentlich bald schon ihre erste Reise nach Montenegro zu starten. Der Abschied fällt schwer, ich hätte Calimero am liebsten behalten. Aber wir haben weder die Zeit noch die finanziellen Mittel um beide Fahrzeuge in unserer Fahrzeugflotte zu halten. Wir freuen uns für die neuen Besitzer und hoffen, dass wir Calimero auf dem ein- oder anderen Treffen wiedersehen werden. Hier noch ein paar letzte Bilder von Calimero.

Wir werden auf bodensee-overlander.de schrittweise eine ausführliche Umbaudokumentation zum Reisemobil veröffentlichen und freuen uns schon darauf einige spannende Partnerschaften anzukündigen!

Wir freuen uns auf erste Abenteuer im Toyota Land Cruiser GRJ78. Bisher gab es ja eher praktische Bilder, die schönen folgen dann, wenn wir unsere ersten Touren machen.

Der Name steht übrigens immer noch aus. Was folgt nach Calli? Wir werden sehen!

Stay wild! Stay free! Stay curious!

PS: Gibt es ein Detail des Fahrzeugs, was du noch nicht gefunden hast? Frag doch einfach, dann schieb ich Fotos hinterher.

2 comments

  1. Ein Auto ohne den Warnton, dass das Licht noch an ist, ist bei Bernd eine ganz ganz schlechte Idee! Ich spreche da aus Erfahrung.

    Viele Grüße Benny

    1. Hey Benny!
      Yup – an genau diese Zeiten denke ich dabei. Schieben macht stark! 😀

      Cheers, Bernd

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